Smartphones, Tablets und Soziale Netzwerke – wie Sie Fallstricke umgehen

Ob telefonieren, mailen, chatten, fotografieren, Musik hören oder Filme schauen: Smartphones können heutzutage fast alles. Über 80 Prozent der Jugendlichen und fast jeder deutsche Haushalt besitzt heute ein Smartphone. Ähnlich sieht dies bei Tablets aus. Die Alleskönner haben aber nicht nur Vorteile. Überall lauern Gefahren: versteckte Kosten, Datenklau und Viren auf dem Endgerät. Ein neues Veranstaltungsangebot will Jugendliche, Eltern und Familien über Risiken aufklären.

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Smartphone und Hände

„Smartphones, Tablets und Soziale Netzwerke“, heißt das Vortragsangebot, das von der Verbraucherzentrale durchgeführt und vom Hessischen Verbraucherschutzministerium gefördert wird. Redakteurin Barbara-Maria Birke hat mit Yvonne Theilen, Abteilungsleiterin für Verbraucherberatung und Verbraucherbildung der Verbraucherzentrale Hessen, über Inhalte und Ziele des Projekts gesprochen.

VF: Frau Theilen, wer ein Smartphone oder Tablet hat, sollte dies doch auch ohne weiteres gefahrenlos bedienen können?

Theilen: Smartphone oder Tablet bergen größere Risiken bezüglich Datenschutz und Kostenfallen als der heimische PC. Gerade Kinder wollen immer früher ein eigenes Smartphone, sind aber altersbedingt noch nicht in der Lage, es sicher und verantwortungsvoll zu bedienen. Hinzu kommt, dass sich Eltern meistens auch nicht gut genug auskennen und selbst überfordert sind.

VF: Wo liegen die Probleme?

Theilen: Es beginnt schon bei der Auswahl des Mobilfunktarifs: Vielfach werden Flatrates angeboten, die nicht zum eigenen Nutzungsverhalten passen oder mit zusätzlichen Diensten versehen sind. Weitere Kostenfallen verbergen sich hinter Gratis-Apps, die oftmals werbefinanziert sind. In ihnen werden Werbebanner geschaltet, die Kinder und Jugendliche beeinflussen. Zudem werden Nutzerdaten im Hintergrund gespeichert und das Nutzungsverhalten protokolliert, was die Ergebnisse von Internetsuchen beeinflussen kann – es werden dann nur noch Informationen gezeigt, die zu meinem „Typ“ passen könnten.

Viele junge Menschen kommen wegen Urheberrechtsverletzungen in die Beratungsstellen. Die Jugendlichen laden gerne Musik oder Filme von Filesharing-Diensten herunter oder nutzen Fotos ohne Einverständnis des Rechteinhabers. So droht eine Abmahnung aufgrund einer Urheberrechtsverletzung, die sich schnell im vierstelligen Euro-Bereich bewegt.

VF: Wie viele Jugendliche tappen in die Fallen?

Theilen: Laut der neuesten JIM-Studie 2015 besitzen bereits 86 Prozent aller 12- bis 13-Jährigen ein Smartphone, bei den 14- bis 15-Jährigen sind es sogar schon 93 Prozent. Die meisten Jugendlichen sind "always on", also ständig online. Es ist klar, dass es bei hoher Nutzungsrate auch Probleme gibt.

JIM = (Jugend, Information, (Multi-) Media) vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest

VF: Wie können Eltern sich und ihr Kind schützen?

Theilen: Bevor sie ihrem Kind ein Smartphone kaufen, sollten sich die Eltern selbst fit machen. Sie sollten Tarife und eine Internetflatrate auswählen, die dem eigenen Nutzerverhalten entsprechen. Wichtig ist es auch, die Sicherheitsoptionen aktiv einzustellen und starke Passwörter zu benutzen. Gegen „In-App-Käufe“ kann eine Drittanbietersperre eingerichtet werden. Apps greifen oft auf persönliche Daten, die auf dem Smartphone gespeichert sind, zu. Deshalb sollten die Benutzer nicht leichtfertig ihre Zustimmung für den Zugriff geben, sondern kritisch prüfen.

VF: Und beim Musik-Download?

Theilen: Urheberrechtsverletzungen stellen keine Bagatelldelikte dar und können teuer werden. Wer Bilder, Filme oder Musik aus dem Internet herunterlädt, sollte sicher sein, das das erlaubt ist. Ansonsten gilt auch hier wie überall: Kosten im Blick behalten und mit persönlichen Daten sparsam umgehen!

VF: Was leistet das neue Modul?

Theilen: Mit unserem Veranstaltungsangebot wollen wir dazu beitragen, dass junge Verbraucher und deren Eltern bei Smartphones und Tablet Computern nicht in Kostenfallen tappen. Wir sensibilisieren sie im Umgang mit persönlichen Daten und zeigen Handlungsmöglichkeiten zum Schutz vor Datendiebstahl und Übervorteilung.

VF: Das Modul fördert also die Alltagskompetenzen junger Verbraucher. Was steckt dahinter?

Theilen: Mit unserem langjährigen Bildungsangebot "Durchblick gehört dazu“ stärken wir die Alltags- und Konsumkompetenzen junger Erwachsener und Familien. Gerade junge Menschen müssen lernen, ihre alltäglichen Rechtsgeschäfte zu erledigen und mit ihrem Geld verantwortlich umzugehen. Nicht selten führt Unkenntnis der eigenen Rechte oder mangelnde Finanzkompetenz zu Überschuldung durch unbedachte Kaufentscheidungen oder Ratenkredite. Die Lebensqualität insbesondere junger Menschen und Familien steigt, wenn sie gut informiert sind. Dazu wollen wir mit unseren Angeboten und dem neuen Vortragsangebot zu Smartphones, Tablets und Sozialen Netzwerken beitragen.

VF: An wen richtet sich das neue Veranstaltungsangebot?

Theilen: Zielgruppen des Angebots rund um "Smartphones, Tablets und Soziale Netzwerke" sind Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 9, sowie junge Erwachsene und Eltern.

VF: Welche Bereiche deckt es ab?

Theilen: Mit dem Angebot sprechen wir die wichtigsten aktuellen Bereiche wie Apps, Urheberrecht, Kostenfallen, Passwort, Phishing und Vorschussbetrug an. Wenn in einer Veranstaltung speziellere individuelle Fragen auftauchen, gehen wir selbstverständlich auch darauf ein. 

VF: Ihr Angebot beinhaltet unter anderem einen Schüler-Workshop. Was passiert da?

Theilen: Beim Workshop gibt es sechs interaktive Stationen, die wir mit den Schülerinnen und Schülern aktiv durchgehen. Anhand von Handy-Attrappen, Videoclips und konkreten Übungsaufgaben veranschaulichen wir, wo welche Probleme und Risiken liegen und wie man sich wirksam schützen kann. Auf diese Weise werden die zum Teil sehr komplexen Themen altersgerecht und lebensnah vermittelt.

VF: Wie führen Sie das Angebot durch?

Theilen: Wir stimmen unsere Medien auf den Teilnehmerkreis ab. Interessierte Lehrkräfte führen gemeinsam mit der/dem Referent/in der Verbraucherzentrale die Veranstaltung mit der Schulklasse durch. Die Betreuung der Schüler/innen durch die Lehrkraft ist zur Verbesserung des Lernerfolgs während der gesamten Veranstaltung erforderlich. 

VF: Wo wird es angeboten?

Theilen: In Schulen und sonstigen Einrichtungen, aber natürlich auch in unseren Beratungsstellen.

VF: Und wie sieht das Angebot für die Eltern aus?

Theilen: Für Eltern bieten wir zu diesem Thema  Vortragsveranstaltungen und Workshops an, die auch bei Elternveranstaltungen an Schulen eingesetzt werden können.

VF: Wie kann man eine Gruppe oder Klasse bei diesem Projekt anmelden?

Theilen: Einfach bei uns anfragen: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Projektleiterin Frau Regina Scholz, E-Mail: alltagskompetenzen@verbraucher.de, Telefon: (069) 97 20 10 42, Fax: (069) 97 20 10 80.

VF: Was kostet die Teilnahme?

Theilen: Eine Kostenbeteiligung ist erwünscht. Wir richten uns dabei nach den Möglichkeiten der Einrichtung. Bei den „Preisverhandlungen“ ist aber zu berücksichtigen, dass nur eine begrenzte Anzahl von Veranstaltungen auch ohne Kostenbeteiligung stattfinden kann.

VF: Vielen Dank fürs Gespräch.

Weiterführende Links

Weitere Informationen zu Datenschutz und Kostenfallen bietet die Verbraucherzentrale

www.verbraucher.de/smartphone

und die Landesanstalt für den privaten Rundfunk zur Medienkompetenz

http://www.lpr-hessen.de/start/.  

Stand: März 2016

Yvonne Theilen

Modul Smartphone, Tablets & Co.:
  • Inhalt: Apps, Urheberrecht, Kostenfallen, Passwort, Phishing und Vorschussbetrug
  • Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 9, sowie junge Erwachsene und Eltern
  • Angebot: Vortragsveranstaltungen und interaktive Workshops für Schülerinnen und Schüler
  • Kosten: Kostenbeteiligung
  • Kontakt: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Projektleiterin Frau Regina Scholz, E-Mail: alltagskompetenzen@verbraucher.de, Telefon: (069) 97 20 10 42,Fax: (069) 97 20 10 80.