Das Fediverse – das bessere soziale Netzwerk?

Soziale Netzwerke verbindet man hauptsächlich mit Facebook, Instagram & Co. Doch müssen solche Systeme unbedingt den großen Konzernen gehören, die gewinnbringend wirtschaften? Es gibt freie alternative Plattformen – unabhängig und betrieben von der Community. Welche Technik steckt dahinter und welche Vor- und Nachteile ergeben sich?

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Social Media App Icons auf Smartphone

Soziale Netzwerke sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. YouTube-Tutorials bringen uns bei, wie man Musikinstrumente spielt, Brot backt, Messer schärft oder jede erdenkliche andere Tätigkeit. Auch die unterschiedlichsten Interessengruppen finden über Facebook oder Instagram weltweit zusammen und können sich austauschen. Auf Pinterest bekommt man ein nie endendes Feuerwerk an kreativen Ideen gezeigt, das zum Nachahmen anregt. Berufstätige finden und vernetzen sich auf LinkedIn oder Xing.

Alle Netzwerke haben eins gemeinsam – sie werden von riesigen Konzernen betrieben und sind auf Profitmaximierung ausgelegt. Anders funktioniert das bei Fediverse.

Was ist das Fediverse?

Das Wort Fediverse bildet sich aus den zwei Wörtern „Federation“ (deutsch: Vereinigung, Bund) und Universe (deutsch: Universum). Es steht für eine Vielzahl von Anwendungen für grundlegende Funktionen von sozialen Plattformen, zum Beispiel Mastodon zum Versenden und Abonnieren von kurzen Nachrichten – ähnlich wie bei Twitter. Ein „Tweet” heißt hier zum Beispiel „Toot“ (in der deutschen Version „Tröt“). Man vergibt keine Herzen, sondern Sterne und Nachrichten können statt 280 Zeichen bis zu 500 Zeichen lang sein.

Diese Plattformen gibt es bereits:

  • Mastodon / Pleroma / GNU Social: Micro-Blogging Dienste (ähnlich wie Twitter)
  • PeerTube: Zum Teilen und Anschauen von Videos (ähnlich wie YouTube)
  • Friendica / Diaspora: Soziale Netzwerke (ähnlich wie Facebook)
  • PixelFed: Zum Austausch und Ansehen von Bildern (ähnlich wie Flickr, Instagram)
  • WriteFreely / WordPress: Blogging-Dienste
  • Funkwhale: Zum Streamen und Tauschen von Musik
  • Nextcloud: Cloud-Dienst zum selber Hosten (ähnlich wie Dropbox)

Dezentralisierung – der Schlüssel für Unabhängigkeit

Alle Anwendungen im Fediverse sind OpenSource, das bedeutet, der Programmcode ist frei und für jedermann zugänglich. Das führt dazu, dass zum Beispiel das Mastodon-Netwerk aus vielen Servern besteht, die von Privatpersonen betrieben werden. Wer möchte, kann sich also seinen eigenen Mastodon-Server einrichten - mit dem Resultat, dass es nicht einen Mastodon-Betreiber gibt, sondern Tausende davon. Die Betreiber werden im Fachjargon als „Instanzen“ bezeichnet. Durch die vielen Instanzen gibt es niemanden, der für alle Nutzer und Nutzerinnen die Regeln festlegen kann, wie das etwa bei anderen sozialen Netzwerken der Fall ist.

Eine Besonderheit ist außerdem, dass die User verschiedener Instanzen eines Dienstes miteinander in Kontakt treten können - ähnlich wie über die Kommunikation via E-Mail. Dafür müssen die Teilnehmer auch nicht beim selben Anbieter registriert sein und können dennoch untereinander kommunizieren. Bei manchen Anwendungen funktioniert das sogar übergreifend. Also mit einem Mastodon-Account kann man zum Beispiel einen PeerTube-Account abonnieren.

Welche Vor- und Nachteile gibt es gegenüber bekannten Plattformen?

Vorteile

  • Dezentrale Verteilung:  Kein einzelner Anbieter befindet sich in einer Monopolposition
  • Werbefrei:  Andere Anbieter wollen profitabel sein und nutzen die gesammelten Daten für Tracking und personalisierte Werbung
  • Plattformübergreifende Kommunikation: Kommerzielle Anbieter möchten ihre Nutzer auf der Plattform behalten. Eine übergreifende Kommunikation ist nicht gewünscht, da die Konkurrenz dadurch gestärkt werden könnte.

Nachteile

  • Technik:  Das Betreiben eines Servers sowie der angebotenen Dienste erfordern Zeit, Wissen und auch Geld.
  • Ungewisse Entwicklung:  Auf Dauer könnte ein starker Anreiz fehlen, Fediverse-Angebote zu betreiben und weiterzuentwickeln, da sie sich ausschließlich durch Privatpersonen und Spenden finanzieren. Instanzen, denen man beigetreten ist, könnten von einem auf den anderen Tag vom Betreiber geschlossen werden.
  • Keine Regulierung: Im Juli 2019 trat "Gab" dem Fediverse-Universum in Form einer Mastodon-Instanz bei. Gab ist für ihr rechtsextremes Publikum bekannt und zählt zu der mitgliederstärksten Instanz auf Mastdodon.

Fazit

Bei der Nutzung von sozialen Netzwerken sollte immer Vorsicht geboten sein. Allgemein sollten sensible Informationen niemals über unverschlüsselte Wege versendet werden, egal ob die Plattformen von großen Konzernen oder Privatpersonen betrieben werden. Es könnten Privatnachrichten von den Administratoren der eigenen oder der Instanz des Empfängers über Umwege ausgelesen werden. Wer sich dazu entschieden hat, soziale Netzwerke zu nutzen, der muss dem Anbieter wohl oder übel vertrauen. (schl)