Computervirus – wenn der Computer krank wird

Der Computer stürzt immer wieder ab, das Starten von Programmen dauert ewig und der Internet-Explorer funktioniert nicht richtig. Wenn Ihr Computer diese Symptome aufweist, hat er sich vermutlich einen Virus eingefangen. Wie Sie als Verbraucher Ihren wichtigen Alltagsbegleiter wieder in Form bringen, verrät ein IT-Experte.

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Abbildung eines Virus' auf dem Bildschirme eines Laptops

Der Computer stürzt immer wieder ab, das Starten von Programmen dauert ewig und der Internet-Explorer funktioniert nicht richtig. Wenn Ihr Computer diese Symptome aufweist, ist er vermutlich krank und hat sich einen Virus eingefangen.

Wie Sie als Verbraucher Ihren wichtigen Alltagsbegleiter wieder in Form bringen, verrät ein Experte im VerbraucherFenster. Barbara-Maria Birke hat mit Sven Patzer gesprochen. Er ist IT-Spezialist im Hessischen Verbraucherschutzministerium.

VF: Das Programm dauert beim Laden ewig, der PC stürzt immer wieder ab und der Internet Explorer funktioniert nicht richtig. Sind das Anzeichen, dass mein PC einen Virus hat?

Patzer: Das könnte ganz darauf schließen. Die Details, die Sie schildern passen in jedem Fall ins Bild.

VF: Wie kann ich schnell feststellen, ob mein Computer infiziert wurde?

Patzer: Noch vor wenigen Jahren kam ein Virenbefall dem Abschuss des Rechners gleich: Nichts ging mehr. Aktuelle Viren hingegen verstecken sich und arbeiten im Hintergrund. Es wird immer schwerer, sie zu erkennen. Doch es gibt Signale, die anzeigen, ob sich der Rechner etwas eingefangen hat.

VF: Und welche?

Patzer: Es gibt eine Reihe von Hinweisen, die für eine Virusinfektion typisch sind. Wenn sich Ihr PC auf einmal anders verhält als Sie es gewohnt sind, ist das verdächtig. Das heißt konkret, wenn sich beispielsweise Geräte automatisch installieren, der Computer Programme von selbst startet, der PC häufig abstürzt oder nicht mehr funktioniert, das Starten von Programmen ewig dauert und wenn das Betriebssystem abstürzt.

VF: Gibt es weitere Anzeichen?

Patzer: Ja. Dateien und Ordner verschwinden auf einmal, der Inhalt von Dateien und Ordnern ändert sich. Es findet ein häufiger Zugriff auf die Festplatte statt, was am häufigen Blinken des Festplattenlämpchens am PC zu erkennen ist. Der WebBrowser kann Seiten nicht laden oder verhält sich merkwürdig – unter Umständen lässt sich etwa das Programmfenster nicht schließen. Der PC wählt sich selbstständig ins Internet ein.

VF: Das sind ja offensichtliche Zeichen, die ich erkennen kann. Gibt es auch Anzeichen, die mir nicht sofort ins Auge fallen?

Patzer: Auch die gibt es. Wenn Freunde oder Bekannte Nachrichten von Ihnen erhalten, die Sie gar nicht abgeschickt haben – das heißt in der Regel, dass sich Ihr PC eine Virusinfektion via E-Mail eingefangen hat. Seien Sie vorsichtig bei E-Mails ohne Betreff, Absenderadresse oder Sende- und Empfangsdaten. Öffnen Sie bei solchen E-Mails auf keinen Fall Datei-Anhänge! Anzeichen für einen Virus können aber auch die Umleitung von Web-Suchen oder häufige Popup-Fenster sein.

VF: Können Sie die Umleitung von Web-Suchen oder häufige Popup-Fenster genauer erklären?

Patzer: Cyberkriminelle verdienen daran, dass Internetnutzer woanders "landen" als die Betroffenen eigentlich wollen. Dieses Vorgehen wird in der Fachsprache auch als Phishing bezeichnet (englisch für Angeln).

Zum Beispiel werde ich bei der Suche im Internet auf bestimmte Websites umgeleitet, ohne dass es der Nutzer bemerkt. Leider sind viele der heutigen Websuchumleitungen mithilfe diverser Techniken aber so getarnt und gut versteckt, dass die gefälschten Ergebnisse für betroffene Nutzer selten direkt sichtbar sind. Häufig sind auch Toolbars, sogenannte kleine installierte Erweiterungen für den Webbrowser, dafür verantwortlich.

VF: Und die Pop-Up-Fenster als Zeichen für eine Infektion mit einem Virus?

Patzer: Aufpoppende Fenster im Webbrowser nerven. Sie sind aber auch ein Beleg dafür, dass der Rechner infiziert wurde. Liefern Websites, die für ein solches Verhalten in der Regel nicht bekannt sind, zufällige Browser-Pop-Ups aus, wurde das System höchstwahrscheinlich von einem Virus befallen.

VF: Was kann ich tun, wenn ich ein solches Verhalten auf meinem PC feststelle?

Patzer: Die Rechner sind häufig durch Viren infiziert, die sich als sogenannte Toolbar, also eine Erweiterung im WebBrowser tarnen. Die Toolbar stellt sich in dem Browser zum Beispiel als zusätzliche Suchleiste oder Suchfenster dar. Dem Nutzer werden durch die Toolbar zusätzliche Funktionsmöglichkeiten wie eine Preissuchmaschine vorgegaukelt. Die meisten Browser lassen es zu, sich alle installierten Toolbars anzeigen zu lassen. Bei Google Chrome ist dies über den Menüpunkt Einstellungen > Erweiterungen möglich. Unter demselben Menüpunkt können Sie nicht mehr benötigte Toolbars deinstallieren. Wird die verdächtige Toolbar nicht aufgelistet oder lässt sie sich nicht ohne weiteres löschen, sollte der Browser auf seine Standardeinstellungen zurückgesetzt werden. Die meisten mit Schadcode behafteten Toolbars lassen sich schon allein dadurch verhindern, dass alle installierten Anwendungen auf dem neuesten Stand sind. Und auch dadurch, dass Sie bei der Installation kostenloser Software während des Einrichtungsvorgangs darauf achten, was alles mitinstalliert werden soll und entsprechende Toolbars deaktivieren.

VF: Gibt es weitere Möglichkeiten, meinen Rechner clean zu bekommen?

Patzer: Es gibt verschiedene Reinigungsprogramme von den großen VirenScanner-Herstellern. Ein gutes und kostenloses Reinigungsprogramm ist aber auch das Programm CCleaner (https://www.piriform.com/ccleaner). Das Programm entfernt nicht mehr benötigte Dateien und Software.

Auch die Software AdwCleaner ist sehr hilfreich, um den Rechner aufzuräumen (http://www.chip.de/downloads/AdwCleaner_58118522.html). Die Programme sind selbsterklärend und die Menüs sind überwiegend in Deutsch.

VF: Kann ich das alles selbst tun oder braucht es dafür einen IT-Spezialisten?

Patzer: Regelmäßig sollten Sie nicht mehr genutzte Programme und Dateien löschen. Dieses gilt für den PC, mobile Geräte aber auch für Ihren Online-Speicher. Auch sollten Sie regelmäßig mit einem aktuellen Virenscanner den PC prüfen und die Reinigungsläufe der oben genannten Programme durchführen. Nicht mehr benötigte Programme können Sie über die Systemsteuerung Ihres PC entfernen. Diese Maßnahmen kann jeder Anwender zu Hause durchführen und sie erfordern keine tiefergehenden IT-Kenntnisse.

VF: Wo finde ich geeignete Hilfe?

Patzer: Hilfe finden Sie im Internet auf der Seite des Bundesamts für Informationssicherheit.

Sehr empfehlenswert ist auch der Artikel über einen digitalen Frühjahrsputz:

https://www.bsi-fuer-buerger.de/BSIFB/DE/Service/Aktuell/Informationen/D...

Noch einen Hinweis: Laden Sie Programme grundsätzlich von den Herstellerwebseiten oder bekannten Quellen herunter. Nur so können Sie sicher gehen, dass das installierte Programm auf dem aktuellen Stand ist und es sich um keinen Virus handelt.

VF: Kann ein Virenbefall trotz installiertem Virenscanner auftreten?

Patzer: Einige Viren sind in der Lage den installierten Virenscanner zu deaktivieren beziehungsweise die Aktualisierung zu verhindern. Überprüfen Sie daher regelmäßig, ob der von Ihnen installierte Virenscanner noch aktiv ist und dieser über eine aktuelle Virensignatur verfügt.

VF: Wie stelle ich das fest?

Patzer: Wenn der Virenscanner korrekt installiert ist, finde ich in der Nähe der Uhr, in der Regel rechts unten, ein kleines Symbol. McAfee verwendet ein Symbol mit einem Schild. Der bekannte Hersteller Avira hat seinen Virenscanner mit einem Regenschirm-Symbol ausgestattet. Nach einem Klick auf das Symbol wird Ihnen direkt dargestellt, ob der Virenscanner über eine aktualisierte Virensignatur verfügt.

VF: Auf was sollte ich noch achten?

Patzer: Der wichtigste Schutz gegen Schadsoftware ist zusätzlich zu einer gehörigen Portion Skepsis ein aktueller Virenscanner, bei dem sich mindestens einmal täglich die Virensignatur aktualisiert, ein aktuelles Betriebssystem – mindestens Windows 7 – mit allen installierten Updates sowie Software in einer aktuellen Version. Mit einem PC mit Windows XP und einem Internet Explorer in der Version 6 sollte niemand mehr im Internet surfen.

VF: Sie sagten eingangs, dass es gar nicht so leicht ist, einen Computervirus zu erkennen. Mit welchen Maschen arbeiten die Betrüger?

Patzer: Viele Cyberkriminelle arbeiten im Verborgenen und versuchen persönliche Informationen von Ihnen wie Passwörter, Bankdaten oder weitere Daten zu erbeuten. Diese Computerviren haben das Ziel, so lange wie möglich unentdeckt auf dem Computer zu bleiben.

VF: Gut zu wissen. Danke für das Gespräch.

Stand: Juni 2016

Woran erkenne ich einen Computer-Virus?
  • Geräte installieren sich automatisch.
  • Der Computer startet Programme von selbst.
  • Der PC stürzt häufig ab oder funktioniert nicht mehr.
  • Das Starten von Programmen dauert ewig.
  • Das Betriebssystem stürzt ab.
  • Dateien und Ordner verschwinden auf einmal.
  • Der Inhalt von Dateien und Ordnern ändert sich.
  • Es findet ein häufiger Zugriff auf die Festplatte statt, was am häufigen Blinken des Festplattenlämpchens am PC zu erkennen ist.
  • Der WebBrowser kann Seiten nicht laden oder verhält sich merkwürdig – unter Umständen lässt sich etwa das Programmfenster nicht schließen.
  • Der PC wählt sich selbstständig ins Internet ein.
  • Freunde oder Bekannte erhalten Nachrichten von Ihnen, die Sie gar nicht abgeschickt haben.