Algorithmen: Ausgespäht – Einsortiert?

Sie sind allgegenwärtig. In der medizinischen Diagnostik, bei der Einstellung von Mitarbeitern, der Einschätzung einer Kreditwürdigkeit oder der Berechnung eines Versicherungsangebots: Algorithmen. Immer mehr werden Menschen auf Basis von mathematischen Formeln klassifiziert und bewertet. Häufig geschehen diese Berechnungen im Hintergrund und ohne Kenntnis der Bürgerinnen und Bürger. Daher ist es wichtig zu wissen, wie die eigene Datensouveränität wieder zurückgewonnen werden kann.

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Lupe, die auf Tastatur eine Taste mit Bild eines Einkaufswagens hervorhebt

Es gibt viele Beispiele für sinnvolle und wichtige Einsatzgebiete von Algorithmen in unserem Leben. So können komplexe diagnostische Verfahren in der Medizin mit einer viel höheren Genauigkeit durchgeführt werden und das in deutlich kürzerer Zeit. Auch die Perspektive einer umweltschonenden Mobilität wäre ohne Algorithmen nicht vorhanden. Die Kehrseite des Einsatzes von Algorithmen beginnt dort, wo sie diskriminierend wirken oder durch psychologischen Druck Einfluss nehmen sollen.

Besonders Online-Shops nutzen Algorithmen

Am augenfälligsten ist die Veränderung des Konsumfeldes bei Onlinekäufen geworden. Es poppen Empfehlungen auf, um den gerade durchgeführten Kauf mit weiteren Produkten zu ergänzen. Oder aufdringliche Einblendungen melden, dass der Artikel, der einen interessiert von weiteren Kunden begutachtet wird und nur beschränkt im Lager vorhanden sei. Diese alltäglichen Kauferfahrungen, die durch einen Einsatz von Algorithmen bestimmt werden, sind eher harmlos, weil sie auffällig sind. Doch wirken mittlerweile Algorithmen vielfach unerkannt im Hintergrund. So ist nicht mehr nachvollziehbar, warum ein Versicherungsangebot den angezeigten Preis aufruft oder bestimmten individuelle Bedingungen beinhaltet. Besondere Skepsis ist geboten, wenn Angebote kostenfrei sind. Nicht ohne Grund verweisen Verbraucherschützer darauf, dass solche vermeintlichen Umsonst-Gelegenheiten mit den eigenen Daten bezahlt werden.

Wenig Transparenz vorhanden

Die Dynamik, mit der Algorithmen zum Einsatz kommen scheint ungebrochen. Die Einladung zum Bewerbungsgespräch, der Zugang zu bestimmten Gesundheitsdienstleistungen oder die Zusage zu einem Kredit sind nur einige Entscheidungen mit großer Tragweite, bei denen Algorithmen eine gewichtige Rolle spielen.

Die Risiken einer Nutzung von Algorithmen haben dadurch an Brisanz gewonnen, dass aktuelle Programmierungen eine hohe Komplexität angenommen haben, die selbst von Experten nicht mehr so einfach durchschaut werden kann. Und die nächste Stufe der Entwicklung von Algorithmen ist bereits gezündet. So können sich moderne Code-Strukturen bereits eigenständig weiter entwickeln, ohne den Eingriff eines Programmierers. Welche Rechenprozesse im Algorithmus ablaufen und wie ein Ergebnis zustande kommt, ist dann kaum noch nachvollziehbar.

Souverän mit den eigenen Daten umgehen

Ausgangspunkt der Berechnung eines jeden Algorithmus sind die zugrundeliegenden Informationen, die verarbeitet werden. Das können beispielsweise die eigenhändig online zur Verfügung gestellten Daten sein. Aber auch Datenspuren, die jeder beim Surfen im Internet unbewusst hinterlässt. Viele negative Entwicklungen im Einsatz von Algorithmen werden sich nur durch gesetzgeberische Maßnahmen verhindern lassen. Für einen diskriminierungsfreien und transparenten Einsatz braucht es Regeln. Doch sind Verbraucherinnen und Verbraucher nicht völlig machtlos. Es bestehen durchaus eigene Möglichkeiten sich der ungerechtfertigten Bewertung durch Algorithmen zu erwehren. Der erste Schritt könnte sein, die eigene Freizügigkeit kritisch zu beleuchten, mit der persönliche Daten zugänglich gemacht werden. Muss wirklich jede Auskunft gegeben werden, nur um das vermeintlich noch bessere Angebot zu erhaschen? Für was braucht es wirklich die Freigabe des Standortes oder einen Zugriff auf das Telefonbuch des Smartphones? Ein souveräner Umgang mit den eigenen Datenauskünften lässt einigen Spielraum, sich der Begutachtung durch Algorithmen zu entziehen.

Technik kann helfen

Wer bereit ist, sich ein wenig mit der technischen Ausstattung moderner Internetbrowser zu beschäftigen findet einige Möglichkeiten seine Datenspuren zu minimieren. Die meisten Programme bieten Einstellungsmöglichkeiten, um ein datensparsames Surfen zu ermöglichen. Auch wenn sie nicht immer komfortabel eingerichtet sind, sollten auch die angebotenen Auswahlmöglichkeiten zum Einsatz von Cookies genutzt werden. Es gibt auch Browser, die für sich explizit das Thema Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre reklamieren, wie beispielsweise Firefox, der Browser der Mozilla-Stiftung. Auch bieten die meisten modernen Browser die Möglichkeit über Erweiterungen neugierige Websites auszubremsen.