Verdacht auf Schadstoffbelastung in Innenräumen?

Kopfschmerzen, Augenreizungen, Übelkeit – solche Beschwerden können auf eine erhöhte Schadstoffbelastung hindeuten. Besteht dieser Verdacht, was ist dann zu tun? Die Broschüre „Schadstoffuntersuchung in Innenräumen“ informiert darüber, wie sich eine Belastung mit Raumluftschadstoffen klären lässt und in welchen Fällen eine Schadstoffanalyse sinnvoll ist.

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Kleines Mädchen steht in einem leeren Raum und hat einen Teddybär in der Hand

Schadstoffanalysen sind aufwändig und bei Kosten von mehreren Hundert bis Tausend Euro nicht gerade günstig. Deshalb sollte, bevor eine Analyse in Auftrag gegeben wird, der Verdacht auf die Schadstoffquelle möglichst eng eingegrenzt werden. Manche Schadstoffe können außerdem auch von Nichtfachleuten mit Hilfe von Probenahme-Sets aus der Apotheke relativ einfach nachgewiesen werden. Soll jedoch ein Handwerker oder Händler für die Schadstoffprobleme zur Verantwortung gezogen werden, kann eine umfassende Schadstoffanalyse für die weiteren rechtlichen Schritte wichtig sein.

Die Broschüre „Schadstoffuntersuchung in Innenräumen“ der Verbraucherzentrale Hamburg gibt hilfreiche Tipps zur richtigen Vorgehensweise wie eine Schadstoffbelastung in Innenräumen geklärt werden kann und wann eine Schadstoffanalyse sinnvoll ist.

Zum Inhalt:

  • Welche Information benötigen Sie, um Ihr Schadstoffproblem zu lösen?
  • Bestätigen körperliche Beschwerden den Verdacht auf eine Schadstoffbelastung?
  • Welche Alternativen gibt es zu einer teuren Laboranalyse?
  • Wird die Schadstoffanalyse für rechtliche Schritte benötigt?
  • Was kostet eine Schadstoffanalyse?

Welche Information benötigen Sie zur Lösung Ihres Schadstoffproblems?

Eine Schadstoffanalyse ist aufwändig, so die Verbraucherzentrale Hamburg: „Es ist zwar grundsätzlich möglich, eine Auswahl häufig vorkommender Innenraumschadstoffe zu untersuchen, aber das ist natürlich besonders teuer. Vorteilhafter ist es, durch Überlegung und Beobachtung einen Schadstoff oder eine Schadstoffquelle in einen möglichst begründeten Verdacht zu ziehen. Wenn erforderlich, kann dieser Verdacht dann durch eine Messung erhärtet werden.“

Schadstofffachleute können beispielsweise aus dem Baujahr eines Gebäudes Rückschlüsse auf verwendete Materialien und darin vorkommende Schadstoffe ziehen. Sogar ein Zufallsfund, zum Beispiel eine Dose mit Holzschutzmittelresten, kann wertvolle Hinweise liefern.

Bestätigen körperliche Beschwerden den Verdacht auf eine Schadstoffbelastung?

Aus den oft unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Augen- und Schleimhautreizungen, erhöhte Infektanfälligkeit, Übelkeit, kann laut Verbraucherzentrale meist noch nicht auf eine bestimmte Schadstoffbelastung geschlossen werden. „Umso wichtiger ist es, die Symptome im Zusammenhang mit der jeweiligen Umgebungssituation zu beobachten. Wie geht es Ihnen am Wochenende, wenn Sie nicht am Arbeitsplatz und länger zu Hause sind? Wie im Urlaub, wenn die Einflüsse von Arbeitsplatz und Wohnung entfallen? Geht es Ihnen besser, wenn Sie ein Möbel oder eine andere vermutete Schadstoffquelle vorübergehend aus dem Wohnraum entfernen, oder wenn Sie in einem anderen Zimmer schlafen? Dann ist die Ursache wahrscheinlich schon gefunden.“ Auf weitere Untersuchungen können Sie dann verzichten, sofern diese nicht für eine rechtliche Auseinandersetzung notwendig sind.

Bei körperlichen Beschwerden sollte sich der Arzt nicht auf die Behandlung der Symptome beschränken, sondern Ihre Suche nach den Ursachen möglichst mit geeigneten Untersuchungsmethoden aktiv unterstützen.

Alternativen zur teuren Laboranalyse

Nach Aussage der Verbraucherzentrale Hamburg „gibt es für den Nachweis bekannter Wohnraumschadstoffe wie Formaldehyd, PCP, Lösungsmittel, Hausstaubmilben-Allergene und Schimmelpilze einfache Prüfverfahren, die eine grobe Abschätzung der vorhandenen Konzentration ermöglichen. Auch für den Nachweis von Ozon sowie von einigen Trinkwasserschadstoffen gibt es solche „Checks“. Verschiedene Probenahme- Sets sind in Apotheken erhältlich (zum Beispiel „Bio- Check“).“ Auch Nichtfachleute können diese Checks nach Gebrauchsanleitung durchführen. Das Ergebnis wird entweder auf einer Farbskala sofort angezeigt oder die Probe wird in ein Labor geschickt, das einen Analysebericht erstellt. Das erklärt auch die unterschiedlichen Preise zwischen etwa 30 Euro und 160 Euro. Diese Messungen zur groben Orientierung haben vor Gericht keinen Beweiswert. Sie genügen aber meistens, um sich einen ersten Eindruck über das Ausmaß der Belastung zu verschaffen.

Wird die Schadstoffanalyse für rechtliche Schritte benötigt?

Wenn Sie aufgrund von Schadstoffproblemen einen Handwerker oder Händler zur Verantwortung ziehen wollen, sollten Sie zuerst klären, ob Sie sich noch innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) befinden. (Siehe Hintergrundinformationen).

„Droht die Verjährung der Ansprüche, kann es sinnvoll sein, durch die Einleitung eines selbstständigen Beweisverfahrens (§ 485 Zivilprozessordnung) oder Erhebung einer Klage die Verjährung zu hemmen und somit einen Verlust der Ansprüche durch Eintritt der Verjährung zu vermeiden“, informiert die Verbraucherzentrale. Im Zweifel kann die Rechtsberatung der Verbraucherzentrale klären, ob noch Gewährleistungsansprüche bestehen.

Manchmal kommen als Verursacher einer Schadstoffbelastung sogar mehrere Vertragspartner in Frage. Nach Aussagen der Verbraucherzentrale stellt „bei den meisten Schadstoffen letztlich das Gericht durch einen eigenen Gutachter fest, ob die vorliegende Belastung einen Mangel darstellt. Dieser Gutachter wird in der Regel die Messung selbst vornehmen. Eine vom Verbraucher in Auftrag gegebene Messung hat dagegen als Parteigutachten vor Gericht nur geringen Wert! Der Verbraucher muss dann gegebenenfalls neben seiner eigenen Messung auch noch die des Gerichtsgutachters bezahlen, wenn er den Prozess verliert.“

Vor diesem Hintergrund ist zu prüfen, ob Sie nicht lieber statt der eigenen Messung ein „Selbstständiges Beweisverfahren“ beim Gericht beantragen. Das bedeutet, dass ein vom Gericht bestellter Gutachter die Messung durchführt. Sie können es vom Ergebnis (und der Reaktion des Vertragspartners) abhängig machen, ob Sie dann klagen. Allerdings müssen Sie die Kosten des selbstständigen Beweisverfahrens vorfinanzieren. Daher sollte vorher zumindest durch orientierende Messungen gesichert sein, dass eine als Mangel zu bewertende Schadstoffbelastung vorliegt.

„Häufig ist es jedoch günstiger, ein Bauteil oder Einrichtungsstück auf eigene Kosten zu entfernen und zu ersetzen, als einen teuren Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang zu führen. Bei bekannter Schadstoffquelle lohnt sich oft noch nicht einmal eine teure Messung. Deshalb sind die Kosten einer Schadstoffanalyse und das Prozessrisiko unbedingt den Kosten einer Sanierung gegenüberzustellen“, rät die Verbraucherzentrale.

Was kostet eine Schadstoffanalyse?

Die Analysekosten können sich zwischen einigen Hundert und einigen Tausend Euro bewegen. Sie setzen sich zusammen aus:

  • Probenahme
  • Analyse
  • Untersuchungsbericht
  • Bewertung der Ergebnisse und Beratung
  • Fahrtkosten
  • Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes

Die Preise hängen ab von Anzahl und Umfang der Prüfungen/ Analysen sowie vom Einsatz qualifizierter Fachkräfte (Techniker, Ingenieure, Ärzte, Sachverständige, Laboranten). Es empfiehlt sich, einen Festpreis über die gesamten Leistungen zu vereinbaren. Laien können mit Untersuchungsergebnissen, die nicht bewertet sind, im Allgemeinen wenig anfangen.

Manche Schadstoffanalytiker bieten über das Sanierungskonzept hinaus zusätzlich die Durchführung der Sanierung an. Auch hierbei ist es sinnvoll, vor Auftragsvergabe mehrere Angebote einzuholen.

Das sollten Sie vor der Auftragsvergabe beachten

  • Holen Sie mehrere Angebote ein und vergleichen diese.
  • Vereinbaren Sie möglichst einen Festpreis.
  • Der Untersuchungsbericht und eine Ergebnisbewertung sollten Bestandteil der Analyse sein.

Hintergrundinformationen der Verbraucherzentrale

  • Gewährleistung bei Bauwerken: Für Bauwerke besteht eine Gewährleistungsfrist von fünf Jahren bei Werkverträgen nach § 634a Abs. 1 Nr. 2 BGB. Werden Arbeiten nicht bei der Errichtung eines Bauwerks erbracht, gilt eine zweijährige Gewährleistungsfrist.
  • Gewährleistung bei beweglichen Sachen: Beim Kauf beweglicher Sachen (zum Beispiel Möbel) können Gewährleistungsansprüche grundsätzlich zwei Jahre lang geltend gemacht werden. (Vgl. § 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB).
  • Gewährleistung bei Baustoffen: Resultiert der Mangel (Schadstoffbelastung) aus einem üblicherweise als Baustoff verwendeten Material, gilt auch im Kaufrecht eine fünfjährige Gewährleistung. (Vgl. § 438 Abs. 1 Nr. 2 lit. b BGB).

Quellen 

  • Verbraucherzentrale Hamburg / Pressemitteilung vom 02.06.2015
  • Broschüre „Schadstoffuntersuchung in Innenräumen“, 3. Auflage, April 2015. Verbraucherzentrale Hamburg e. V. Die Broschüre ist für 2,50 Euro unter www.vzhh.de als Download im PDF-Format erhältlich. Zuzüglich 2,00 Euro für Porto und Versand kann man eine Printversion auch online oder per Telefon (040) 24832-104 bestellen. Mit Adressen norddeutscher Analyse-Institute und deren Leistungen.
  • Zur Broschüre 


Stand: Juni 2015