Teppich, Laminat und Vinyl – den richtigen Bodenbelag finden

Renovieren muss manchmal sein – und oft kann es sogar Spaß machen, denn die Aussicht auf ein schönes, gemütliches Zuhause macht den damit verbundenen Stress im Vorfeld wett. Ein neuer Bodenbelag muss her? Damit die Wahl nicht zur Qual wird, haben wir eine Übersicht zur Grundsatzentscheidung zusammengestellt.

RS10897_Mann verlegt Laminat © Balin - Fotolia.com_.jpg

Wichtig ist, dass die Wahl des neuen Bodenbelags nicht vorschnell geschieht. Wer nachhaltig handeln möchte, sollte seine Kaufentscheidung bewusst treffen und nicht, weil vielleicht der Preis verlockend ist oder die Werbung viel verspricht. Wenn das gewählte Produkt hinter den eigenen Anforderungen und Wünschen zurückbleibt, wird es wahrscheinlich schneller als notwendig wieder ausgetauscht. Es finden sich eine Fülle von unterschiedlichsten Belägen in den Geschäften. Material, Farbe, Haptik werden von den Herstellern vielfältig kombiniert und bieten eine reichhaltige Auswahl. Daher ist es sinnvoll im Vorfeld etwas mehr Zeit zu investieren und sich die Alternativen genauer anzuschauen.

Grundsätzlich unterscheiden sich drei Werkstoff-Gruppen:

  • Holz basierte Beläge
  • Textile Stoffe
  • Elastische Materialien

Parkett und Laminat

Bodenbeläge aus Holz gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen. Sie werden gerne gekauft, weil die Produkte von Heimwerkern selbst verlegt werden können. Fertigparkett oder Laminat sind nur zwei bekannte Varianten aus einem großen Angebot. Die Nachhaltigkeit der Produkte ergibt sich vor allem aus den verwendeten Materialien, deren Herkunft und dem Energieeinsatz im Produktlebenszyklus. Mit auf die Rechnung müssen auch die spätere Entsorgung des Baustoffes und die damit verbundenen Auswirkungen auf Umwelt und Natur. Viele Bodenbeläge aus Holz sind jedoch Verbundstoffe aus unterschiedlichen Bestandteilen. Neben Holz als Basis werden vor allem Kleb- und Stützstoffe sowie Lacke verarbeitet. Manchmal sind auch Trittschall-Dämmstoffe direkt mit dem eigentlichen Holzwerkstoff verbaut. Eine Deckschicht aus zertifiziertem Holz ergibt aus dem Blickwinkel Nachhaltigkeit wenig Sinn, wenn die Trägermaterialien nicht ökologischen Kriterien entsprechen. Weniger nachhaltige Stoffe lauern häufig in den verwendeten Leimen oder der Lack-Versiegelung der Deckschicht.

Siegel erleichtern die Kaufentscheiung

Um die Herkunft des Ausgangsmaterials einschätzen zu können haben sich einige Siegel etabliert. Das FSC Siegel (Forest Stewardship Council) steht für eine ökologische und sozial gerechte Holzwirtschaft und ist weit verbreitet. Aber aufgepasst: Es gibt drei unterschiedliche Varianten, in denen das Siegel vergeben werden kann. Nur in der Variante „FSC 100%“ besteht das Holz vollständig aus zertifiziertem Anbau. Ebenfalls häufig genutzt wird das PEFC Siegel. Das Siegel wird ohne Variationen vergeben und berücksichtigt alle drei Ebenen der Nachhaltigkeit. Welche Leime und Lacke in der Produktion verwendet wurden lässt sich schon schwieriger erkennen. Hier ist oft die Nachfrage beim Händler oder Hersteller erforderlich, um an die Informationen zu kommen.

Auf dem Teppich bleiben

Auch für natürlich anmutende textile und wollähnliche Beläge gibt es viele Angebote. Zumeist werden diese aus Sisal, Jute oder Kokosfasern gefertigt. Eine Ökobilanz für textile Bodenbeläge hat die Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden (GUT) veranlasst. Dabei wurden internationale Normen (DIN EN ISO 14040 bis 14043) berücksichtigt. Damit die Vielfalt der angebotenen Produkte in der Zertifizierung erfasst werden können, wurde die Bilanz modular aufgebaut und wird entsprechend der unterschiedlichen Zusammensetzung der Beläge angewandt. Dabei wird der gesamte Lebensweg eines Produktes in die Betrachtung mit einbezogen - einschließlich des Recyclings der Bestandteile. Wie bei den Holzwerkstoffen ist unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit darauf zu achten, welche unterschiedlichen Materialien im Teppich verarbeitet wurden. Nicht wenige Produkte haben beispielsweise Kunststoff basierte Trägermaterialien, auf denen dann ein Naturwerkstoff verarbeitet wurde.

Neben den genannten Fragen zu den Trägermaterialien und Klebstoffen sollte bei textilen Bodenbelägen auch ein möglicher Einsatz von Anti-Motten- oder Flammschutz-Mitteln vor dem Kauf geklärt werden.

Flexible Bodenbeläge im Test

Sie sehen aus wie Fliesen oder Holz: Elastische Bodenbeläge werden heute in allen möglichen Form- und Farb-Optionen angeboten. PVC und Vinyl-Böden sind durch ihren Grundbaustein Erdöl nicht als nachhaltig einzuordnen. Der Ausgangstoff ist endlich und weist eine deutlich negative CO2-Bilanz auf. In einer Untersuchung von Ökotest 2019 fallen acht von zwölf geprüften Produkten mit der Bewertung „ungenügend“ durch.

Richtig gut schneidet dagegen in der Betrachtung der Nachhaltigkeitsaspekte Linoleum ab. Ausgangsstoffe sind Leinöl, Kalkstein, Holz- oder Korkmehl, Naturharze und Jute. Bis auf Jute sind  alle Ausgangsstoffe, die regional verfügbar sind. Jute wird in großen Mengen importiert, sodass die Ökobilanz weniger belastet wird. Linoleum gibt in den ersten Wochen nach der Verlegung einen charakteristischen Geruch ab. Dieser wird von manchen Menschen als störend empfunden. Wer sich vor einer unangenehmen Überraschung schützen möchte, sollte sich ein Probestück des ausgewählten Belags mit nach Hause nehmen und testen. Ähnlich wie Linoleum sind Korkbeläge einzuordnen. Ausgangsstoff ist die Rinde der Korkeiche. Der Deutsche Kork-Verband hat in Zusammenarbeit mit dem Kölner Eco-Institut Prüfrichtlinien entwickelt, die die Umweltverträglichkeit der Endprodukte sicherstellen sollen.

Richtig kleben

Wird der Bodenbelag auf den Untergrund verklebt, sollte ein nachhaltiger Klebstoff aus Naturkautschuk-Milch, Naturharzen oder Cellulose gewählt werden. Dabei ist zu bedenken, dass durch ein Verkleben eine direkte Verbindung zwischen Untergrund und Belag hergestellt wird. Soll der Bodenbelag später wieder entnommen werden, lässt er sich nur schwer wieder vom Untergrund trennen, was unter Umständen das Recycling der Materialien erschwert oder unmöglich macht.

Info- und Bezugsquellen

Wer Bezugsquellen für nachhaltige Baumaterialien sucht, wird auf den Seiten von natureplus.org fündig. Der eingetragene Verein bringt Vertreter aus der Bauwirtschaft, Handel, Industrie, Wissenschaft sowie Verbraucher- und Umweltschützern an einen Tisch.

Das Bundesumweltamt hat mit scan4chem eine App auf den Markt gebracht, die es Verbrauchern und Verbraucherinnen ermöglicht, über den Barcode des jeweiligen Produktes an zusätzliche Informationen zu den Inhaltsstoffen zu kommen. (eck)