Krach im Mietshaus – wann ist Rücksicht angesagt?

Krach im Mietshaus – wann ist Rücksicht angesagt? Bewohner eines Mietshaus mit mehreren Parteien sind immer mal wieder einem gewissen Grad an Nachbarschaftslärm ausgesetzt – ob Hundegebell, tobende Kinder oder ein zu lauter Fernseher. Wann ist tatsächlich Rücksicht angesagt? Wann sollte man sein Recht auf Ruhe einfordern?

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Mann hält sich wegen Lärm Kissen über den Kopf

Zeiten für Nachtruhe sind Ländersache

Zwar gibt es gesetzlich festgelegte Zeiten für die Mittags- und Nachtruhe, allerdings sind diese nicht bundesweit geregelt, sondern werden von den jeweiligen Bundesländern und den einzelnen Gemeinden beschlossen. Am besten ist es, wenn Sie bei Ihrer Gemeinde oder dem zuständigen Ordnungsamt die Ruhezeiten für Ihr Wohngebiet erfragen. In der Regel handelt es sich dabei aber um die geläufigen Zeiten, wie die ganztägige Sonn- und Feiertagsruhe, die Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr, welche allerdings nicht mehr bundesweit gesetzlich vorgeschrieben ist, sowie die Nachtruhe von 22 bis sechs oder sieben Uhr morgens. Während der Ruhezeiten ist Zimmerlautstärke einzuhalten. Das bedeutet, außerhalb der Wohnung darf kaum noch Lärm zu hören sein.

Blockflöte, Familienstreit und Hundegebell - Was ist wann wie erlaubt und was nicht?

Fernseher und Stereoanlage
Grundsätzlich gilt: Fernseher und Stereoanlagen dürfen rund um die Uhr laufen - allerdings in der Nachtruhe auf Zimmerlautstärke. Das bedeutet, dass ab 22 Uhr die Lautstärkeregler so weit zurück gedreht werden müssen, dass Geräusche des Fernsehers oder des Radios außerhalb der Wohnung nicht mehr oder zumindest kaum noch zu hören sind.

Musikinstrumente
Wer ein Musikinstrument spielt, darf zu Hause in Zimmerlautstärke üben. Dies geht jedoch nicht bei allen Instrumenten, daher gibt es hier Einschränkungen: Musizieren mehrere Personen miteinander oder handelt es sich bei dem Instrument um ein lautes, wie etwa Saxophon oder Schlagzeug, darf die Zeit auf eine Stunde täglich reduziert werden. Andere, leisere Instrumente, beispielsweise eine Violine, dürfen bis zu zwei Stunden pro Tag geübt werden. Ansonsten gelten auch hier die normalen Ruhezeiten von 22 bis sechs Uhr morgens, auch sollte am Wochenende weniger gespielt werden. Musizierende Mieter sollten am besten gemeinsam mit dem Nachbarn die Übungszeiten abstimmen. Gänzlich verboten werden darf das Musikzieren jedoch nicht – weder durch Mietverträge noch durch Gerichte.

Körperpflege
Duschen und Baden ist um jede Tages- und Nachtzeit erlaubt, dennoch sollte aber für die Körperpflege nicht mehr Zeit als 30 Minuten in Anspruch nehmen. Innerhalb dieser Zeit sollte vom Badewasser-Einlassen bis zum Ablassen alles inbegriffen sein.

Waschmaschine und Wäschetrockner
Auch Waschmaschine und Wäschetrockner können rund um die Uhr in Betreib sein. Nach Ansicht des Landgerichts Freiburg gehört die Nutzung von Haushaltsmaschinen zum typischen Gebrauch einer Wohnung, solange vertraglich nichts anderes geregelt wurde. Hier könnte beispielsweise der Gebrauch der Waschmaschine außerhalb der Ruhezeiten festgelegt werden.

Haustiere
Tierhalter werden angehalten für Ruhe zu sorgen und Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen. Das bedeutet, dass in der Nacht sowie in den Mittags- und Abendstunden die Tiere leise sein müssen. Dies ist nicht immer leicht durchzusetzen. Dennoch können genervte Hausbewohner den Vermieter einschalten und unter Umständen sogar eine Mietminderung einfordern oder aber die Ordnungsbehörden einschalten. Tatsächlich gibt es Regelungen für den Tierlärm. Das Oberlandesgericht in Hamm hat hierzu bereits 1987 eine Grundsatzentscheidung erlassen. Demnach darf Hundegebell nicht länger als insgesamt 30 Minuten am Tag und nicht länger als zehn Minuten ununterbrochen sowie innerhalb der Nacht- und Mittagsruhe (22 bis acht Uhr und 13 bis 15 Uhr) hörbar sein. Noch heute entscheiden Gerichte nach diesem Erlass. Von Abmahnungen, Forderung nach Abschaffung des Hundes bis zu Bußgeldern können die Strafen für nächtliches Hundegebell reichen.

Familienstreit
Familienkonflikte dürfen in einem Mehrfamilienhaus nur in gemäßigter Form ausgetragen werden. Bei häufigen und überlauten Streitigkeiten haben Nachbarn das Recht auf Mietminderung. Laut dem Amtsgericht Düsseldorf ist allerdings ein gelegentlicher Ehekrach in der Nacht in Ordnung. Wer jedoch täglich über eine halbe Stunde seine Meinungsverschiedenheiten austrägt, kann mit einem Bußgeld geahndet werden.

Kinder
Wo Kinder leben, da gehört auch ein bisschen Krach zur Tagesordnung. Und so sieht es auch das Mietrecht: Lachen, weinen, schreien – Kinder dürfen laut sein! Egal ob Heul- und Trotzanfälle der Kindergartenkinder, nächtliches Schreien eines Babys oder eine Bobbycar-Ausfahrt ein Stockwerk drüber. Aber natürlich ist nicht alles uneingeschränkt tolerierbar. Je älter die Kinder, desto mehr müssen diese Rücksicht nehmen. Spielen Kinder mit 10 oder 12 Jahren in der Wohnung Fußball oder dreht der Teenager seine Stereoanlage auf, dürfen Nachbarn einschreiten. Dementsprechend sind ebenso die Eltern in der Pflicht, auch wenn es darum geht ein Auge auf die Ruhe- und Spielzeiten zu haben.

Partys
Auch bei Partys gilt ab 22 Uhr: Regler der Stereoanlage runter. Andernfalls handelt es sich um eine Ruhestörung und ein Verstoß gegen die festgelegten Ruhezeiten. Im schlimmsten Fall darf die Polizei die Musikanlage auch beschlagnahmen. Doch zuvor sucht die Polizei das Gespräch mit dem Gastgeber und bittet um Rücksichtnahme. Wer eine Feier ausrichten möchte, sollte am besten vorab seine Nachbar informieren und in die Planung einbeziehen. Wenn Sie möchten: Laden Sie Ihre Nachbarn doch einfach mit ein! Nehmen Sie Rücksicht auf den Geräuschpegel und stellen Sie die Musik ab 22 Uhr leiser.

Wenn der Lärm die Grenzen übersteigt: Was tun?

  • Grundsätzlich gilt, suchen Sie zunächst das Gespräch mit den Nachbarn. Möglicherweise lassen sich gewissen Zeiten vereinbaren, in denen das Musikinstrument geübt wird oder ab wann die Musik der Geburtstagsparty leiser gestellt werden sollte.
  • Bei anhaltendem Lärm können Mieter eine Mietminderung beantragen, selbst wenn der Vermieter auf die Lärmquelle keinen Einfluss hat. Bedingung ist hierbei allerdings, dass die Lärmquelle zum Zeitpunkt des Einzugs noch nicht bekannt war.
  • Bei akuten Lärmbelästigungen, wie etwa eine Party, können Sie die Polizei rufen.
  • Lärmende Mieter können vom Vermieter eine Abmahnung bekommen und sogar den Mietvertrag aufgrund von fortgesetzter Störung des Hausfriedens kündigen.
  • Ein sogenanntes Lärmtagebuch, in dem Sie die Lärmquelle samt Dauer und Intensität notieren sowie weitere Zeugen für den Lärm benennen, kann im Zweifelsfall ein Beweismittel bei einer Unterlassungsklage darstellen.

Tipps zur Lärmvermeidung

  • Nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Nachbarn!
  • Vermeiden Sie Ärger und treten Sie in den Dialog mit Ihren Nachbarn.
  • Halten Sie die gesetzliche Nachtruhe ein.
  • Beachten Sie die Lärmschutzregelungen an Sonn- und Feiertagen.
  • Halten Sie freiwillig die Zeiten zur Mittagsruhe ein.
  • Kennen Sie die Zimmerlautstärke.

Stand: September 2019