Keller renovieren, aber richtig

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, aus den Kellerräumen Ihres Hauses zusätzlichen Wohnraum zu gewinnen oder diese für Hobbyzwecke zu nutzen? Und haben Sie bei näherer Betrachtung der Räumlichkeiten festgestellt, dass dazu doch ein wenig mehr erforderlich ist als schlichtes Entrümpeln und Putzen? Dann lesen Sie im VerbraucherFenster, welche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten nötig sind und worauf zu achten ist, damit das Vorhaben gelingt.

Mann verlegt Laminat Balin - Fotolia.com_.jpg

Ein Handwerker verlegt Laminat

Keller werden immer öfter nicht mehr nur als Nutzraum betrachtet, sondern zum Wohn- oder Hobbyraum umfunktioniert. Allerdings ist der Keller oft in einem Zustand, der das Vorhaben erschwert. Mit ein paar Eimern Farbe für die Wände ist es meist nicht getan. Umfangreiche Renovierungsarbeiten und die Beachtung von Bauvorschriften machen einem das Unterfangen nicht leicht. Die VF-Redaktion hat deshalb einen in Mittelhessen ansässigen Malerbetrieb aufgesucht und der Geschäftsführerin Marina Steinmüller viele Fragen gestellt, um insbesondere auch kritische Punkte des Renovierungsvorhabens zu beleuchten.

VF: Frau Steinmüller, Sie werden sicher nicht selten von Bauherren gebeten, unansehnliche, sanierungs- oder renovierungsbedürftige Kellerräume in einen bewohnbaren oder zumindest zu Hobbyzwecken nutzbaren Raum zu verwandeln. Welche Stolpersteine sind auf dem Weg dahin zu erwarten, oder andersherum gefragt, worauf müssen Hausbesitzer achten, damit das Vorhaben gelingt?

Steinmüller: Zuallererst muss im Detail geklärt werden, welcher Renovierungs- bzw. Sanierungsbedarf besteht. Dieser ist zum einen davon abhängig, wie der Raum künftig genutzt werden soll und natürlich auch vom möglichen Schadensausmaß sowie den Schadensursachen. Dann müssen – je nach den örtlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen – bestimmte bauliche Voraussetzungen erfüllt oder geschaffen werden, wie zum Beispiel Belüftungsmöglichkeiten oder der Einbau einer Heizung. Außerdem dürfen Fluchtwege nicht durch ein vergittertes Kellerfenster versperrt werden und die Abdichtung von außen muss intakt sein.

VF: Ist denn der „Otto-Normalverbraucher“ nicht damit überfordert, sich all dieses Wissen anzueignen?

Steinmüller: In gewisser Weise schon. Als Laie ist man häufig bereits mit der Planung überfordert, da ein derartiges Renovierungsvorhaben doch vielfältige Kenntnisse und Erfahrungen zu den verschiedensten Gewerken voraussetzt. Deshalb bieten Handwerksunternehmen an, hier unter die Arme zu greifen. Gerade in Kellern älterer Häuser gibt es oft feuchte Wände. Diese kann man zwar oberflächlich daran erkennen, dass beispielsweise der Putz bröckelt oder die Farbe an den Wänden abblättert. Auch so genannte Ausblühungen oder schlimmstenfalls Schimmelpilze an Wänden und Böden deuten auf eine schadhafte oder fehlende Abdichtung zum Erdreich hin. Spätestens dann ist der Fachmann gefordert, denn die Ursachen dieser Schäden müssen fachlich fundiert analysiert werden, und nicht nur das Symptom behoben werden. Sodann muss ein Plan für die nachhaltige Sanierung erstellt werden, damit die Nutzung der Kellerräumlichkeiten auch so erfolgen kann wie gewünscht.

VF: Welche Faktoren müssen berücksichtigt werden?

Steinmüller: Bei schwerwiegenden, schon optisch oder zum Beispiel durch modrigen Geruch erkennbaren und zu erwartenden Problemen sollte gegebenenfalls ein Sachverständiger für Bauschäden beauftragt werden, eine umfassende Schadensanalyse zu erstellen. Unter Umständen müssen Maßnahmen der Abdichtung in Betracht gezogen werden. Hierfür gibt es heute verschiedene Verfahren, die je nach Gegebenheiten vor Ort als Außenabdichtung, Innenabdichtung oder Abdichtungen nach dem Injektionsverfahren ausgeführt werden können. Diese Maßnahmen sollten stets qualifizierten Fachfirmen vorbehalten bleiben. Erst wenn der Keller in dem geschilderten Rahmen trocken gelegt wurde, können die eigentlichen Renovierungsarbeiten wie Putz-, Maler- oder Verlegearbeiten beginnen.

VF: Nun gibt es ja nicht nur die geschilderten „Härtefälle“, sondern vorstellbar ist sicher auch der Fall eines bisher als Abstell- oder Lagerraum genutzten Kellers, der zwar etwas unansehnlich geworden ist, sich aber ansonsten in einem baulich akzeptablen Zustand befindet. Was würden Sie in diesem Fall raten?

Steinmüller: Auch für diesen so genannten Normallfall gilt: es muss geprüft werden, ob beispielsweise vorhandene Stockflecken an den Wänden aufgrund von Kondensationsfeuchtigkeit oder durch aufsteigende oder von Außen eingedrungene Feuchtigkeit entstanden sind. Um dies abzuklären, messen wir beispielsweise mit speziellen Geräten den Feuchtigkeitsgehalt des Mauerwerks und ermitteln weitere Daten wie zum Beispiel die Wandoberflächen- und Lufttemperatur sowie die relative Luftfeuchte. Wenn es sich um das oft vorkommende Problem der Kondensationsfeuchtigkeit handelt, ist dem durch Heizung, Lüftung sowie spezielle Wandbehandlungsmethoden, die auch im Malerbetrieb zur Verfügung stehen, beizukommen. Aber auch größere Abdichtungsmaßnahmen – wie bereits geschildert – können von einem qualifizierten Malerbetrieb ausgeführt werden, oder dieser verweist an die entsprechenden Fachbetriebe beziehungsweise Anschlussgewerke.

VF: Einen wichtigen Punkt – die Be- und Entlüftung – hatten sie erwähnt. Was kann man denn tun, damit diese gewährleistet ist?

Steinmüller: Schlicht und einfach: es sollten in aller Regel neue Fenster eingebaut werden. Meistens findet man in Kellern die typischen „Mäusegitter-Fenster“ aus Metall, die zudem einfach verglast sind. Die müssen raus, nicht nur damit es im Keller heller und freundlicher, sondern auch wärmer wird beziehungsweise bleibt. Mit etwas Glück findet man im Baumarkt passende Exemplare. Aber in Altbauten sind selten Standardmaße vorhanden, deshalb lässt man sich in dem Fall eine Maßanfertigung vom Fensterbauer machen. Diese gibt es heutzutage in vielen Farben und Ausführungen, und das muss nicht einmal besonders teuer sein. Und der Fensterbauer ist in der Lage die Fenster so einzubauen, dass dabei kein „Kollateralschaden“ entsteht.

VF: Was kommt nach dem Fenstereinbau und den Abdichtungsmaßnahmen?

Steinmüller: Im Anschluss an die Abdichtungsarbeiten und einer anschließenden Trocknungsphase, oder auf das vorhandene trockene Mauerwerk, wird als nächstes idealer Weise ein Putz aufgetragen.

VF: Moment bitte…ist es denn nicht notwendig, zunächst die Wände zu dämmen?

Steinmüller: Nun, eine Dämmung der Kellerräume ist dann notwendig, wenn die Nutzung als Wohnraum geplant ist. Dies ist aber nicht immer der Fall. Viel häufiger erfolgt aufgrund unserer Erfahrung die Nutzung als Hobbykeller, und da kann gegebenenfalls auf eine aufwändige Dämmung verzichtet werden. Ob gedämmt werden soll oder nicht, hängt also individuell von der Nutzung ab.

VF: Zurück zum Putz…

Steinmüller: Hierfür eignen sich mineralische Putze. Ich verwende hier am liebsten Kalkputze. Denn diese sind in der Lage, entstehende Luftfeuchtigkeit in ausreichendem Maße aufzunehmen und beim Lüften wieder abzugeben. Im „Fachjargon“ spricht man von hoher Wasserdampfdiffusionsfähigkeit.

VF: Und wenn der Putz aufgebracht ist, soll ja in aller Regel auch noch gestrichen werden. Welches Farbenmaterial würden Sie empfehlen?

Steinmüller: Ein anschließender Anstrich ist je nach Putz nicht zwingend notwendig. So gibt es beispielsweise auch einen reinen Kalkputz, der bereits werkseitig weiß eingestellt ist. Hier ist Streichen nicht unbedingt notwendig. Sollen die Flächen aber farbig akzentuiert werden, oder der verwendete Putz benötigt einen Anstrich, eignen sich als Material zur Farbgestaltung insbesondere Silikat- oder Mineralfarben. Diese erlauben eine hohe Feuchtigkeitsdiffusion, so dass der Putz seine Aufgabe des Feuchtigkeitsaustauschs weiter gut erfüllen kann. Jedoch gibt es je nach Untergrund auch verschiedene Silikatfarben, die sich durch die entsprechenden Bindemittel unterscheiden. Hier sollten Sie den Fachmann, oder einen Fachhandel befragen, dieser sucht Ihnen das entsprechende Produkt heraus.

VF: Okay…die Wände sind nun schön , was aber geschieht mit dem Boden? Dieser ist ja auch oft in einem nicht wirklich wohngerechten Zustand…

Steinmüller: Das hängt wieder von dem vorhandenen Untergrund und dem Nutzungsanspruch ab. Hier gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Vom neuen Estrich, über Trockenschüttungen, Ausgleichsmassen und Spachtelungen bis hin nur zum Anstrich mit speziellen Bodenbeschichtungen und –farben. Nach der entsprechenden Untergrundvorbereitung kann dann auch ein Belag wie Fliesen, Teppichboden, Laminat und Designböden oder – ganz edel - Parkett verlegt werden.

VF: Frau Steinmüller, wir bedanken uns für das Gespräch.