Verbraucherberatung für Senioren

Wer in der Falle sitzt, weiß oft nicht, wie er wieder rauskommt. Die Verbraucherzentrale kann wichtige Hinweise geben, da sie aufgrund der verschiedenen Erfahrungen der Verbraucher einen Überblick über die Machenschaften sowie Betrügereien hat. VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke hat mit Katharina Lawrence gesprochen. Sie ist bei der Verbraucherzentrale Hessen in der Fachgruppe Recht tätig.

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Älteres Paar lässt sich beraten

VF: Gehören Senioren überhaupt zu Ihrer Zielgruppe – oder scheuen die sich eher davor, die Beratungsstelle aufzusuchen?

VZ: Nein. Senioren sprechen uns mit ihren Fragen und Problemstellungen gezielt an. Sie kennen die Verbraucherzentrale seit über 50 Jahren als verlässlichen Partner.

VF: Was sind die wichtigsten Probleme, die dabei zur Sprache kommen?

VZ: Der Markt und das Verbraucherumfeld haben sich in den letzten Jahren immer wieder verändert. Gerade die rechtlichen Rahmenbedingungen zu Onlinekäufen oder das vermehrte Aufkommen von Fakeshops führen zu Fragen, die aktive Senioren mit Interesse an aktuellen Themen wahrnehmen. Brisant bleibt der Klassiker Kaffeefahrt. Die niedrigen Zinsen und die damit verbundenen Schwierigkeiten, sicher Geld anzulegen, sorgen ebenfalls für Gesprächsbedarf. Viele Senioren machen sich Gedanken über bewusste, altersgerechte Ernährung. Das große Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln wirft in diesem Zusammenhang Fragen auf, die die Verbraucherzentrale fundiert beantwortet.

VF: Muss man Senioren speziell beraten?

VZ: Ein Grundsatz unserer Verbraucherberatung ist, jeden Einzelnen in seiner persönlichen Lebenssituation abzuholen. Bei gleichgelagerten Themen haben Senioren oft andere Fragestellungen als junge Familien. Wir erleben, dass Senioren fit sind in der digitalen Welt und daher unser vielfältiges Informationsangebot auf unserer Website nutzen. Aber auch Vorträge in den Beratungsstellen, wie zum Beispiel zu dem Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, werden rege besucht. Geschätzt wird das hessenweite Beratungstelefon. Es gewährleistet eine einfache Kontaktmöglichkeit in unserem Flächenland Hessen.

VF: Zu Ihnen kommen die meisten Leute erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Wie können Sie weiterhelfen?

VZ: Ja klar, die telefonische Beratung wird oft genutzt, wenn die dubiose Rechnung schon auf dem Tisch liegt. Aber gerade Senioren sind auch diejenigen, die Diskussionen oder Rechtsprechung zu Verbraucherthemen verfolgen und sich über Flyer und Veröffentlichungen zur Position der Verbraucherzentrale erkundigen. 

VF: Welche Machenschaften und kriminelle Handlungen widerfahren Senioren am meisten?

VZ: Senioren sind typischerweise eher zu Hause anzutreffen. Daher werden sie mehr als andere an ihrer Haustür überrascht oder am Telefon übervorteilt.

VF: Können sich die Senioren entsprechend schützen, damit sie nicht in die Falle tappen?

VZ: An sich wissen viele Senioren, dass Verträge auch mündlich geschlossen werden können. Wer also nicht so schnell „ja“ sagt – und sei es nur aus Höflichkeit – kann viel für sich tun. Telefonhörer kann man zum Beispiel einfach auflegen. Haustüren muss man nicht öffnen. Gute, preiswerte Busreisen kann man auch ohne Kaffeefahrt bekommen. Vereine vor Ort bieten so etwas zum Beispiel an. Und es bleibt der Appell: Wenden Sie sich ohne Scham an die Verbraucherzentrale. Gerade im Bereich Grauer Kapitalmarkt brauchen wir die Fälle für unsere politische Arbeit. Geldanlage ist bei uns kein Tabuthema.

VF: Sie kooperieren mit der Hessischen Polizei. Wie genau sieht diese Kooperation aus? Und was bringt das den Senioren?

VZ: Seit 2009 arbeiten wir mit der Polizei Hessen und dem LKA zusammen. Im Sommer 2014 haben wir diese Zusammenarbeit in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten. Wir klären die hessischen Bürgerinnen und Bürger gemeinsam darüber auf, welche Möglichkeiten sie haben, sich vor Eigentumsdelikten und Vermögensverlust zu schützen. Dazu finden gemeinsame Aktionstage und Vorträge in ganz Hessen statt. Eins meiner persönlichen Highlights in diesem Sommer war die Schulung der Seniorensicherheitsberater in Südosthessen. Hier begegnete ich interessierten, lebhaften Teilnehmern mit fordernden Fragen.

VF: Sind Sie in sonstiger Weise noch zum Schutz der Senioren tätig?

VZ: In diesem Jahr beteiligt sich die Verbraucherzentrale Hessen an den Dialogforen des Hessischen Sozialministeriums, „Hessen hat Familiensinn“. Am 26. Juni waren wir zum Thema Seniorinnen und Senioren in Bad Nauheim dabei.

Im November soll ein Verbrauchertag nur für Senioren stattfinden. Warum halten Sie das für sinnvoll?

VZ: Auf dem Stand der Dinge sein und bleiben, lokal und nah erleben, einen Tag zum Hingehen, sich umschauen, zuhören und vielleicht neu vernetzen – das sind Wünsche, die vor allem Menschen im dritten Lebensalter formulieren. Der Seniorentag in Gießen ist deshalb sinnvoll, weil die Verbraucherzentrale für anbieterunabhängige Informationen steht und garantiert keine Magnetmatten verkauft.

Was wird dabei geboten?

VZ: Informatives und Unterhaltsames zu aktuellen Verbraucherthemen aus erster Hand: Expertengespräche und Vorträge zur Digitalen Welt, Patientenverfügung, Kaffeefahrten und Rechtsirrtümern. Angefragt ist auch ein Erfahrungsbericht eines Senioren aus Hessen, der seinem Anlageberater vertraute, sein ganzes Vermögen verlor und nun einen Krimi darüber geschrieben hat.

VF: Was ist die allerwichtigste Regel für ältere Menschen, wenn sie sich nicht sicher sind, ob der Gesprächspartner seriös ist?

VZ: Nichts ist so eilig, dass es sofort entschieden werden muss. Wer mit Druck verkaufen will, mit überzogenen Versprechen lockt, Unsicherheit schürt oder Schreckgespenster an die Wand malt, arbeitet nicht seriös. Die Verbraucherzentrale bietet verlässliche Informationen und berät auch vor Vertragsschluss. 

Katharina Lawrence
Katharina Lawrence

Stand: Juli 2017