Trickdiebstahl in Wohnungen und Haustürbetrug

Der Trickdiebstahl in Wohnungen ist nach dem Taschendiebstahl auf der Straße die vermutlich häufigste Straftat, von der ältere Menschen betroffen sein können. Vermeintliche Handwerker oder falsche Funktionsträger haben viele Tricks auf Lager. Wie verhalte ich mich richtig? Diese Frage hat der Experte Christoph Schulte vom Hessischen Landeskriminalamt im Gespräch mit VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke geklärt.

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Türklingel

VF: Trickdiebe und -betrüger sind anscheinend gute Schauspieler. Mir kam zu Ohren, dass in einer Wiesbadener Kirche zwei als Handwerker verkleidete Betrüger am helllichten Tag zielsicher in die Kirche marschierten, den Opferstock abschraubten und mitnahmen. Mit welchen Tricks müssen Senioren daheim rechnen?

Schulte:  Es gibt zahlreiche Maschen, mit denen Straftäter versuchen, die Arglosigkeit von Senioren auszunutzen. Auch vor Ihrer Wohnung kann der falsche Handwerker stehen, der vorgibt, Reparaturarbeiten erledigen zu müssen und um Einlass in Ihre Wohnung bittet.

VF: Was kann ich tun?

Schulte: Schauen Sie vor dem Öffnen der Tür durch den Tür-Spion oder durchs Fenster. Öffnen Sie die Tür nur bei vorgelegtem Sperrriegel. Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung und bestellen Sie Unbekannte zu einem späteren Zeitpunkt wieder, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.

VF: Und wenn die Tür schon offen ist?

Schulte: Wehren Sie sich gegen zudringliche Besucher, sprechen Sie sie laut an oder rufen Sie um Hilfe. Lassen Sie sich von dem Fremden den Firmen- oder Dienstausweis zeigen und prüfen Sie ihn sorgfältig auf Druck, Foto und Stempel. Wenn das Gegenüber keinen Firmen- oder Dienstausweis vorlegen kann, rufen Sie bei Zweifeln vor dem Einlass die entsprechende Firma oder Behörde an und suchen Sie die entsprechende Telefonnummer selbst heraus. Im Falle der Handwerker lassen Sie diese bitte nur ins Haus oder die Wohnung, wenn Sie diese selbst bestellt haben oder sie von der Hausverwaltung angekündigt worden sind.

VF: Mit wem muss ich vor meiner Tür noch rechnen außer dem Handwerker?

Schulte: Der gut gekleidete Geschäftsmann kann genauso vor der Tür stehen wie eine angebliche Amtsperson, ein Vertreter von der Kirche, der Rentenversicherung, der Krankenkasse, der Post oder Hilfebedürftige oder auch vermeintlich Schwangere. Im Gegensatz zu ausländischen Tätern täuschen deutsche eher eine offizielle Funktion oder eine sonstige Befugnis zum Betreten der Wohnung vor.

VF: Habe ich richtig gehört: Schwangere?

Schulte: Ja, die Täterinnen täuschen Schwangerschaft, Übelkeit oder die Notwendigkeit einer Arzneimitteleinnahme vor, bitten um ein Glas Wasser, huschen dann in Ihre Wohnung und lassen wertvolle Gegenstände mitgehen. Ähnliche Situationen bei denen wegen scheinbarer Hilfebedürftigkeit um Einlass gebeten wird, sind, dass wegen einer Autopanne oder Erkrankung das Telefon benutzt werden müsse oder die Frage, ob die Toilette benutzt oder ein Baby gewickelt oder gefüttert werden kann.

VF: Welche Tricks werden noch angewendet?

Schulte: Der Papier- oder Bleistift-Trick. Täter oder Täterinnen wollen für angeblich nicht angetroffene Nachbarn eine Nachricht hinterlassen. Dazu fragen sie nach Schreibzeug sowie Papier und drängen auf eine Schreibunterlage in der Wohnung oder bitten das Opfer, die Nachricht selbst zu verfassen. Beim Blumen-Trick will der Täter für angeblich nicht angetroffene Nachbarn Blumen oder ein Geschenk abgeben. Dabei drängt er darauf, die Blumen zu versorgen oder das Geschenk selbst zu verwahren.

VF: Geht es noch dreister?

Schulte: Leider ja. Weitere vorgetäuschte Notlagen verbinden sich zum Beispiel mit der Bitte wegen eines Wasserschadens im Haus nach einem Rohrbruch in der Wohnung suchen zu dürfen oder auf dem Balkon seinen entflogenen Vogel oder die entlaufene Katze einfangen zu dürfen. Bei einer Variante des Haustürbetrugs kommen die Betrüger gar nicht mehr persönlich vorbei, sondern werfen namentlich ausgefüllte Benachrichtigungen ein: Weil angeblich niemand angetroffen wurde, sollen die Opfer dann „zur Vereinbarung eines Gesprächstermins in Ihrer Angelegenheit“ oder „zur Abholung Ihres Pakets“ eine kostenintensive Telefonnummer anrufen.

Wieso sind Senioren häufig Opfer des Trickdiebstahls in Wohnungen?

Schulte: Weil viele alleinstehend und/oder hilfebedürftig und eventuell auch nicht mehr so fit auf den Beinen sind. Zudem werden Betrugs-Delikte in Seniorenwohnhäusern und Wohnanlagen verzeichnet, da es immer weniger Pfortendienste gibt.

VF: Es tauchen immer wieder auch Organisationen vor der Haustür auf, die um Spenden bitten oder für Mitgliedschaften werben. Wie verhalte ich mich hier?

Schulte: Wie bereits genannt, schauen Sie erst einmal durch den Türspion oder das Fenster oder Öffnen die Tür bei Sperrverriegelung. Wenn die Tür schon offen ist, lassen Sie sich auch hier einen Ausweis von der Organisation zeigen und prüfen, ob so eine Sammelaktion tatsächlich stattfindet oder für Mitglieder geworben wird.

VF: Und wenn ich was unterschreiben soll?

Schulte: Dann müssen Sie das nicht. Sie sind der Herr des Geschehens. Wenn Sie einer wohltätigen Organisation keinen Dauer-Spende-Auftrag geben wollen, tun Sie es nicht. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, beeindrucken oder verwirren. Lesen Sie die Vertragsbedingungen gründlich durch, lassen Sie sich diese bei Bedarf erklären und bitten Sie denjenigen im Fall der Fälle wiederzukommen, damit sie mehr Zeit haben.

VF: Was muss ich noch beachten?

Schulte: Achten Sie bei der Unterschrift immer auf die Datumsangabe. Denken Sie daran, dass ein fehlendes oder falsches Datum die Durchsetzung Ihres Widerspruchs erschwert. Bei Haustürgeschäften haben Sie innerhalb von 14 Tagen das Recht ohne Angaben von Gründen zu widerrufen. Bedingung ist, dass Sie durch einen Vertreter am Arbeitsplatz, in der Privatwohnung, bei Freizeitveranstaltungen, bei Kaffeefahrten oder auf der Straße angesprochen und zur Abgabe einer Erklärung veranlasst wurden. Verlangen Sie immer eine Kopie des Vertrags mit deutlich lesbarer Adresse und ebenso gut erkennbarem Namen des Vertragspartners.

VF: Vielen Dank für das Gespräch.

    Christoph Schulte
    Christoph Schulte

    Stand: Mai 2017

    Achtung Trickdiebstahl

    Um eine persönliche Beziehung vorzutäuschen und in die Wohnung zu kommen:

    • rufen Täterinnen oder Täter vorher an und geben sich als lange nicht gesehene Verwandte – zumeist Enkelkinder – mit plötzlichem akutem Geldbedarf aus.
    • bestellen Täterinnen oder Täter angebliche Grüße von Bekannten oder Verwandten.
    • überbringen Täterinnen oder Täter eine angebliche Unglücksnachricht von Bekannten oder Verwandten.
    • geben sich Täterinnen oder Täter als entfernte Verwandte, als ehemalige Kollegen oder Nachbarn, als Pflegepersonal oder Bettnachbarn vom Krankenhausaufenthalt aus.