Enkeltrick

„Hallo Tante Erna. Rate mal, wer dran ist“, hört es die alte Dame aus dem Telefonhörer. „Ich weiß es nicht“, sagt sie. „Komm schon. Denk an deine Verwandtschaft“, sagt die Stimme am Telefonhörer. „Anette?“, fragt die Seniorin. „Ja, richtig“, bestätigt das Gegenüber. Enkeltrick nennt man diese Masche, die ganz harmlos anfängt und die Angerufenen im schlimmsten Fall in den finanziellen Ruin treibt.

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Alte Frau gibt Kontodaten am Telefon weiter

Woran Sie falsche Anrufer erkennen können und wie Sie richtig reagieren, verrät Christoph Schulte vom Hessischen Landeskriminalamt im dritten Teil der Serie „Verbraucherschutz und Sicherheit für Senioren.“

VF: Wie kann es passieren, dass immer wieder Senioren in die Enkeltrick-Falle tappen?

Schulte: Die Senioren werden in ein harmlos wirkendes Gespräch verwickelt, reden sich heiß und erkennen irgendwann gar nicht mehr, in welcher Lage sie sich befinden.

VF: Aber ich kenne doch meine eigene Verwandtschaft. Wie schaffen es die Betrüger, bei den Senioren überhaupt Gehör zu finden.

Schulte: Die Anrufer melden sich gar nicht mit Namen. Sie beginnen oft mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder „Du glaubst nicht, wer dran ist“ oder „Hallo, wie geht es dir?“ oder ähnlichen Formulierungen.  Die Betrüger wollen, dass das Opfer selbst einen Namen nennt, den sie dann verwenden können.

VF: Aber ich weiß doch wie meine Verwandtschaft spricht oder sich anhört. Daran müsste ich es doch erkennen.

Schulte: Auch dieses Problem kann man umgehen. Auf den Einwand “Du hörst Dich aber anders an“, entgegen die Täter dann oft, dass sie erkältet seien oder eine schlechte Verbindung hätten. Das klingt für die Opfer dieser Masche plausibel. Ist der erste Bann gebrochen, wird erst harmlos über das Wetter, den Geburtstag oder Weihnachten geplaudert, bevor eine finanzielle Notlage vorgetäuscht wird.

VF: Wie geht das?

Schulte: Der Angerufene sagt, dass er dringend Bargeld braucht, weil er einen finanziellen Engpass hat oder sich in einer Notlage befindet. Beispielsweise benötigt er dringend ein neues Auto, weil er einen Unfall hatte. Auch die Finanzierung einer Wohnung ist ein häufig genannter Grund. Die Lage wird als äußerst dringlich dargestellt.

VF: Aber spätestens dann, wenn es um das Finanzielle geht, müssten  die Alarmglocken klingeln oder?

Schulte: Eigentlich ja. Aber die Täter verstehen es, durch eine psychologische Gesprächsführung ihre Opfer an sich zu binden und so eine persönliche Beziehung aufzubauen. Durch Worte wie „Verstehst du meine Lage“ oder „Nur du kannst mir jetzt helfen“ werden sie in das Gespräch verwickelt.

VF: Aber man denkt doch nach, wenn man so etwas hört.

Schulte: Diese Zeit hat man oft gar nicht. Die Kriminellen rufen wiederholt an, bauen immensen Druck auf, sagen Ihnen genau was zu tun ist und bringen Sie zum Geld abheben. In manchen Fällen organisieren die Betrüger sogar noch das Taxi für das Opfer, wenn es schlecht zu Fuß ist. Zum Nachdenken bleibt da oft gar keine Zeit.

VF: Und wie entkomme ich dann dieser Masche?

Schulte: Legen Sie gleich beim Anruf auf, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt und Sie die Nummer oder den Namen nicht kennen. Spätestens wenn Geldforderungen an Sie gerichtet werden, sollten Sie die Beenden-Taste drücken. Schalten Sie in jedem Fall die Polizei ein, wenn Ihnen so etwas passiert. Rufen Sie bei der Verwandtschaft an und erkundigen Sie sich, ob diese gerade angerufen hat. Wenn dies nicht der Fall ist, erkennen Sie sofort den Betrug. Gehen Sie auf keinen Fall zur Bank, um Geld abzuheben. Wenn ein Bote ins Spiel gebracht wird, der das Geld abholen soll, ist oberste Vorsicht angebracht.

VF: Wie suchen sich die Betrüger ihre Opfer aus?

Schulte: Meist schauen sie ins Telefonbuch und rufen Namen an, die Rückschlüsse auf das Alter zulassen wie z.B. Erna, Otto, Heinz, Amalie. Eher alt klingende Namen. Betrüger wenden die Masche vor allem auch bei älteren Menschen aus den ehemaligen Sowjetstaaten an. Sie melden sich dann in russischer Sprache, per Telefon, bei ihren Opfern und behaupten, dass ein Enkel oder ein anderer naher Verwandter in einen Verkehrsunfall oder ein Strafverfahren verwickelt sei und sich deshalb in Polizeigewahrsam befinde und nur gegen Geld entlassen werde. Sie kündigen an, dass das Geld von einer Person im Auftrag des Gerichts oder der Behörde abgeholt werde.

VF: Welche Folgen hat der Anruf für die Betroffenen?

Schulte: Im schlimmsten Fall können sie um ihre gesamten Ersparnisse gebracht werden. Nicht zu unterschätzen sind natürlich auch die psychischen Belastungen, die solch ein Ereignis mit sich bringt.

VF: Vielen Dank für das Gespräch.

Stand: Mai 2017

Richtiges Verhalten beim versuchten Enkeltrick
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt.
  • Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert.
  • Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist: Rufen Sie die jeweilige Person unter der bisher bekannten und benutzten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.
  • Informieren Sie sofort die Polizei über die 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt.
  • Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.