Die „110“ ruft niemals an!

„Die Polizei – dein Freund und Helfer“ – so heißt ein bekannter Slogan der Polizei. Doch nicht jeder Uniformierte ist auch echt und ein Freund. Manche wollen auch nicht helfen, sondern klauen. Wie sehen die Maschen der falschen Polizisten aus? Wie verhalte ich mich richtig und wann schalte ich die richtige Polizei ein? Antworten auf diese Fragen gibt der Experte des Hessischen Landeskriminalamts, Christoph Schulte, im Gespräch mit VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke.

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Polizeikelle und Polizist

VF: Falsche Polizisten – dass Kriminelle so eine dreiste Masche anwenden, ist kaum vorstellbar. Wie treten die Betrüger denn auf?

Schulte: Es gibt mehrere Varianten. Teils werden die Opfer: telefonisch unter der Notrufnummer 110 angerufen, um ihre Opfer vor einem geplanten Diebstahl zu warnen, ein anderes Mal klingeln Sie direkt an der Wohnungstür.

VF: Was passiert dann?

Schulte: Beim Telefonanruf sagen die Täter beispielsweise, dass sie Hinweise hätten, dass der Angerufene in den nächsten Tagen Opfer eines Einbruchs werde und die Wertsachen von der Polizei in Sicherheit gebracht werden müssen. Die Bewohner sollen das Geld und Wertgegenstände in ihrer Wohnung sammeln. Ein Kriminalbeamter würde das Geld abholen und an einen sicheren Ort bringen, selbstverständlich versprechen die Täter, das Geld zurückzubringen, sobald die Gefahr gebannt ist.

VF: Was Sie natürlich nicht tun.

Schulte: Selbstverständlich nicht. Die Masche ist leider immer wieder erfolgreich, da die Angst der Opfer, ihr Geld und ihre Wertgegenstände bei einem Einbruch zu verlieren, ausgenutzt wird. Senioren werden besonders häufig Opfer, da sie Vertrauen darin haben, dass echte Amtspersonen agieren. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Polizei niemals mit der „110“ anruft. Diese Telefonnummer ist für die Bürgerinnen und Bürger als Notrufnummer reserviert. Wenn Sie die „110“ im Display sehen, ist klar, dass es sich um einen Betrüger handelt.  

VF: Wenn das alles so glaubhaft dargestellt wird, woher weiß man, dass es nicht doch ernst ums Geld steht?

Schulte: Die Polizei würde nie bei Ihnen Geld oder Wertsachenabholen. Wenn Sie also eine solche Forderung am Telefon hören, rufen Sie umgehend bei der echten Polizei an und melden Sie den Vorfall. Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamter aus, lassen Sie sich dessen Namen geben und rufen Sie Ihre örtliche Polizeidienststelle an und erkundigen Sie sich, ob dieser dort auch arbeitet und wie er erreichbar ist. Geben Sie am Telefon auf keinen Fall Informationen zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis. Wenn die Betrüger schon vor Ihrer Tür stehen, lassen Sie diese warten und rufen Sie ebenfalls bei der Polizei an.

VF: Wie werden Senioren noch in den Bann der Betrüger gezogen?

Schulte: Die Täter appellieren an die Hilfsbereitschaft der alten Menschen. Ihnen wird versichert, dass sie Ermittlungen der Polizei oder des Landeskriminalamts unterstützen können. Die Täter liefern eine große Schauspielleistung ab und wenden wirklich alle möglichen Mittel an, um ihr Handeln glaubhaft zu machen – sei es durch die Verwendung der Amtssprache, den Anruf eines vermeintlichen Staatsanwaltes oder beim Erscheinen vor der Tür mit gefälschten Dienstausweisen.

VF: Wie kann ich denn einen gefälschten Ausweis von einem richtigen unterscheiden?

Schulte: Das ist für den Laien nicht immer einfach. Genau hierfür haben wir eine Broschüre erstellt, die den Dienstausweis der hessischen Polizei klar beschreibt. Wenn Sie trotzdem Zweifel an der Echtheit des Dienstausweises haben, rufen Sie einfach ihre örtlich zuständige Polizeidienststelle oder die „110“ an. 

VF: Neulich las ich in der Zeitung, dass die falschen Polizisten auf offener Straße agieren. Wie läuft das?

Schulte: Die falschen Polizisten sprechen die Passanten an, dass Falschgeld im Umlauf sei und sie Kontrollen durchführen müssten. Wenn der Passant dann sein Portemonnaie vorlegt und die Scheine „kontrolliert“ werden, fehlt nachher die Hälfte. Auch durch die falschen Polizisten angekündigte „Ausweiskontrollen“ entlocken den Opfern das Geld aus der Tasche. Seien Sie also skeptisch und lassen sich die Dienstausweise vorlegen, vor allem, wenn die falschen Polizisten in Zivil auftreten. Wenn Sie sich nicht sicher sind, rufen Sie auch hier die Polizei an.

VF: Vielen Dank für das Gespräch.

Wie ein echter Dienstausweis der hessischen Polizei auszusehen hat, können Sie hier nachlesen:

Der neue Dienstausweis bei der hessischen Polizei

Christoph Schulte
Christoph Schulte

Stand: Mai 2017