Betreuungskräfte aus Osteuropa

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen sowie der Wunsch nach Betreuung rund um die Uhr im eigenen Haushalt wachsen. Viele Angehörige können diese Aufgabe im Alltag nicht leisten. Von der Pflegekasse zugelassene Pflegedienste für eine 24-Stunden-Betreuung sind teuer und für viele Haushalte nur schwerlich finanzierbar. Betreuungskräfte aus osteuropäischen Ländern können daher eine praktikable Lösung darstellen. Wer eine Pflegekraft aus Osteuropa beschäftigen möchte, muss einige Dinge beachten.

RS9578_Altes Ehepaar mit Pflegerin © deanm1974 - Fotolia.com_.jpg

Pflegerin mit altem Ehepaar

Osteuropäische Pflegekräfte als Retter in der Not

Mehr als zwei Drittel der pflegebedürftigen Menschen werden bereits in den eigenen vier Wänden umsorgt und die Nachfrage nach Pflege- und Betreuungskräften wird in den nächsten Jahren wohl weiter ansteigen. Für viele Familien und Freunde pflegebedürftiger Personen ist eine 24-Stunden-Betreuung jedoch unbezahlbar. Hilfe kommt nun immer häufiger aus osteuropäischen Ländern, vorwiegend Polen und Rumänien.

Arbeitszeitvorschriften gelten auch für das Pflegepersonal

Wer eine Betreuungshilfe legal beschäftigen möchte, sollte sich bewusst sein, dass eine einzelne Pflegekraft keine 24-Stunden-Betreuung erbringen kann. Solch eine Art der Betreuung ist nach den Arbeitszeitvorschriften nur umsetzbar, wenn verschiedene Pfleger in drei Schichten arbeiten. Dies bedeutet natürlich im Umkehrschluss, dass die Kosten für die Angehörigen deutlich höher ausfallen.

Doch innerhalb von acht Arbeitsstunden täglich kann eine Hilfskraft Betreuung und pflegerische sowie hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen. Die Arbeitszeit kann hier auch flexibel eingeteilt werden, wenn die Hilfskraft mit im Haushalt wohnt.

Der Pflege- und Betreuungsumfang sollte gut überlegt sein

Zunächst sollte der tatsächliche Pflegeaufwand gut bedacht werden. Häufig können auch ehrenamtliche Helfer und ambulante Pflegedienste gemeinsam mit Familienangehörigen die benötigte Pflege und Betreuung der bedürftigen Person abdecken. Wer eine Betreuungsperson aus osteuropäischen Ländern einstellen möchte, hat vier Varianten:

  •  Festanstellung der Hilfskraft im Haushalt
  • Entsendung des Personals über ausländische Unternehmen
  • Anstellung über eine Vermittlungsagentur
  • Beschäftigung von selbstständigem Betreuungspersonal

Private Haushalte als Arbeitgeber

Betreuungskräfte aus dem osteuropäischen Raum brauchen in der Bundesrepublik Deutschland für die Pflegetätigkeiten keine  Arbeitserlaubnis.

Die Anstellung im Privathaushalt gehört zum sichersten, aber auch aufwendigsten Beschäftigungsverhältnis: Der Haushalt ist dabei der Arbeitgeber und stellt das Betreuungspersonal sozialversicherungspflichtig bei sich an und ist verpflichtet

  • den Mindestlohn zu zahlen (8,84 Euro seit Januar 2017)
  • Steuern abzuführen
  • Sozialabgaben, Umlagen an die Krankenkasse und Beiträge für die Unfallversicherung zu zahlen
  • die Höchstarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche und die Mindestruhezeit von elf Stunden täglich einzuhalten
  • 24 Werktage Urlaub zu gestatten
  • den Lohn auch bei Urlaub und Krankheit fortzuzahlen

Vermittlungsagenturen helfen bei der Suche

Die Arbeitsagentur arbeitet mit den europäischen Arbeitsvermittlungen zusammen und ist bei der Suche nach geeigneten Personal behilflich. Der Vorteil für die Haushalte bei der Direktanstellung ist das flexible Abkommen über die Arbeitseinsätze und Zeiten innerhalb des tariflichen und gesetzlichen Rahmens. Die Haushalte sollten allerdings Arbeitszeiten dokumentieren, um einen Nachweis für die Zahlung des Mindestlohns erbringen zu können.

Vorsicht bei Scheinselbstständigkeit der Betreuungskräfte

Bei selbstständigem Pflegepersonal aus Osteuropa sollte darauf geachtet werden, dass hier keine Scheinselbstständigkeit vorliegt. Denn ist dies der Fall, können die Haushalte rückwirkend zum Arbeitgeber werden und die Beschäftigung gilt dementsprechend nachträglich als Arbeitsverhältnis. Beiträge zur Sozialversicherung sowie Einkommenssteuer werden somit fällig.

Entsendung von Pflegepersonal durch osteuropäische Dienstleistungsunternehmen

Anstatt eine Pflegeperson selbst anzustellen, besteht auch die Möglichkeit über osteuropäische Dienstleistungsunternehmen Pflegekräfte entsenden zu lassen. Das Arbeitsverhältnis besteht dann zwischen dem Unternehmen und seinen abgeordneten Mitarbeitern, folglich unterliegen diese auch dem Weisungsrecht ihres Heimat-Arbeitgebers. Das bedeutet, dass die Dienstleistungsunternehmen Arbeitszeiten und Art der auszuübenden Betätigung bestimmen. Die privaten Haushalte verstehen sich in dem Falle als Kunden und haben wenig Einfluss. Änderungen und Wünsche müssen mit dem Dienstleister abgesprochen werden.

  • Vor dem Dienstbeginn sollte man sich informieren, ob die Betreuungskraft in ihrem Heimatland sozialversichert ist. Dies kann das Betreuungspersonal über die Bescheinigung A1 nachweisen, welche im jeweiligen Heimatland ausgestellt und bereits am Anreisetag vorgelegt werden sollte. Für den Fall, dass diese Bescheinigung nicht vorliegt, kann bei einer Zollkontrolle festgestellt werden, dass keine gültige Entsendung durch das Unternehmen vorliegt. In dem Fall müssen dann Beiträge zur Sozialversicherung und Steuern in Deutschland abgeführt werden.
  • Arbeits- und Ruhezeiten sowie Urlaubsregelungen gelten für die Pflegekräfte nach den deutschen Bedingungen, auch wenn das Arbeitsverhältnis im Ausland besteht.
  • Das ausländische Dienstleistungsunternehmen ist verpflichtet, den in Deutschland gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen. Je nach Umfang der pflegerischen Tätigkeiten erhalten die Beschäftigten Anspruch auf den speziellen Mindestlohn der Pflegebranche (seit Januar 2017: 10,20 Euro in den alten Bundesländern; 9,50 Euro in den neuen Bundesländern pro Stunde).

Vermittlungsagenturen – nicht immer seriös

Über Anzeigen in Zeitungen oder im Internet kann man außerdem auf deutsche Vermittlungsagenturen stoßen, welche kostenpflichtig Kontakte zu osteuropäischen Dienstleistungsunternehmen oder aber selbstständigen Kräften herstellen. Eine gute Agentur schlägt mehrere Pflegekräfte vor, nachdem sie die Pflegesituation mittels mehrerer Telefonate, Vor-Ort-Besuchen und Fragebögen ermittelt hat. Die Kunden können zudem Wünsche z.B. bezüglich des Geschlechts, des Alters oder der Sprachkenntnisse äußern.

Wer eine solche Agentur in Anspruch nehmen möchte, sollte sich unbedingt nach der Berufsausbildung, Erfahrungen und den Sprachkenntnissen der Betreuungskräfte erkundigen. Die Vermittlungsagenturen sollten außerdem Angaben über das jeweilige ausländische Dienstleistungsunternehmen machen können.

Über die Agenturen vermitteltes Personal wechselt etwa alle zwei bis drei Monate.

Auch dies sollten Sie bedenken, wenn sie eine osteuropäische Pflegekraft einstellen möchten:

  • Können Sie der Betreuungskraft ein möbliertes Zimmer stellen, evtl. auch mit eigenem Bad? Besteht für die Hilfskraft die Möglichkeit, Internet und Telefon zu nutzen, um Kontakt zum Heimatland aufnehmen zu können?
  • Die Finanzierung sollte vorab unbedingt geklärt werden, denn trotz Pflegegeld bei anerkannter Pflegebedürftigkeit kommen noch Kosten auf die Haushalte zu, die selbst getragen werden müssen. Kosten wie etwa Verpflegung, An- und Abreise können nur bis zu einem gewissen Teil (< 4000 Euro) steuerlich abgesetzt werden. Nach einer Untersuchung von Stiftung Warentest können Gesamtausgaben von 1500 bis zu 3400 Euro monatlich entstehen durch Vermittlungsgebühren der Agenturen u.a. .
  • Sprechen die Betreuungskräfte fließend Deutsch, sind die monatlichen Kosten noch einmal höher.
  • Bei Schwarzarbeit drohen hohe Bußgelder und Steuer- sowie Sozialabgabennachzahlungen.
  • Nutzen die Pflegekräfte auch das Auto für Einkäufe oder Arzttermine, sollte vorab mit der Haftpflichtversicherung die Nutzung des Wagens durch diese Person abgeklärt werden. Dienstleistungsunternehmen sollten außerdem bei grober Fahrlässigkeit des Pflegepersonals für mögliche daraus entstehende Schäden haften.
  • Verträge sollten immer gut gelesen und sorgfältig geprüft werden!
  • Versuchen Sie aufkommende Schwierigkeiten zunächst im direkten Gespräch zu lösen. Gute Agenturen bieten außerdem auch nach der Vermittlung noch ihre Hilfe bei aufkommenden Problemen an.
  • Betreuungskräfte verrichten in der Regel die folgenden Arbeiten: Kochen, Putzen, Einkaufen, den Bedürftigen Gesellschaft leisten sowie Körperpflege und Hilfe bei der Nahrungsaufnahme. Sogenannte Behandlungspflege, wie Spritzen geben oder Verbände wechseln, gehören nicht zum Vertragsinhalt mit Betreuungskräften. Hierfür sollte ein spezieller Pflegedienst hinzugezogen werden. Die so entstehenden Kosten werden bei ärztlicher Verordnung von der Krankenkasse des zu Pflegenden übernommen. Auch Aufgaben, wie Kellerentrümpeln oder Gartenarbeit gehören nicht zu den Aufgabenfeldern der Betreuungskräfte.

Stand: Juni 2017