Altkleidersammlung: Augen auf – nicht nur beim Kauf!

Die neue Frühjahrsmode ist da. Viele schaffen jetzt Platz im Kleiderschrank. Wer gebrauchte Klamotten nicht bei Ebay oder auf dem Flohmarkt verkaufen will, für den sind Kleiderkammern oder Sammlungen die Alternativen. Doch ist nicht alles Gold, was glänzt. Deshalb gilt: Augen auf – nicht nur beim Kauf! Hier sind die Tipps.

Gefaltete Waesche JEAN FRANCOIS PERBOIRE - Fotolia.com_.jpg

Gefaltete Wäsche

Jährlich geben die Deutschen etwa 750.000 Tonnen nicht mehr benötigte Hosen, Jacken, Mäntel und Co. bei Altkleidersammlungen ab und denken, dass sie bedürftigen Menschen zugute kommt. Viele fragen sich: Woran erkenne ich seriöse Sammler? Was passiert mit den gespendeten Altkleidern?  Neben karitativen Sammlern gibt es auch viele gewerblich orientierte Sammler. 

Was passiert mit der Altkleidersammlung?

Nur das wenigste wird an bedürftige Menschen verschenkt, das meiste wird verkauft, wie folgende Zahlen belegen:

  • Nach Schätzungen der Altkleidersammelbranche werden nicht mehr als fünf Prozent der Spenden an bedürftige Menschen verschenkt.
     
  • Nach Angaben eines deutschen Sortierbetriebes ist knapp die Hälfte der eingesammelten Kleidungsstücke noch tragbar und wird weiterverkauft, häufig nach Osteuropa und Afrika. Weitere 45 Prozent werden zu Putzlumpen oder Dämmmaterial weiterverarbeitet: Der Rest von etwa zehn Prozent muss teuer entsorgt werden. 

Zwei Siegel für seriöse Altkleidersammler

  • „FairWertung“-Siegel - ein Siegel für seriöse karitative Altkleidersammlungen
    Wer verhindern möchte, dass seine nicht mehr gebrauchte Kleidung bei einer Altkleidersammlung von kommerziellen Sammlern profitorientiert weiterverwendet wird, sollte die dazugehörigen Wurfzettel sorgfältig durchlesen und sich auch nicht scheuen, auf der angegebenen Telefonnummer anzurufen, um sich über die Sammelaktion zu informieren. Gleiches gilt, wenn Altkleidung in Container geworfen wird, denn auf dem Container sollten auch Kontaktdaten sehen. Ein „FairWertung“-Siegel auf dem Container ist ein sicheres Zeichen, dass die Altkleidung Bedürftigen zugute kommt oder aber aus dem Verkauf soziale Projekte unterstützt werden. Mitglied ist unter anderem die bekannte „Brockensammlung“ der diakonischen Von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die über evangelische Kirchengemeinden in ganz Deutschland rund 11.000 Tonnen Kleidung und Schuhe im Jahr einsammelt. Auch OXFAM, evangelische und katholische Kirchengemeinden, die Berliner Stadtmission oder der CVJM gehören dazu.
     
  • bvse-Qualitätssiegel - ein Siegel für seriöse gewerbliche Altkleidersammlungen
    Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse) vergibt ein neu eingeführtes Qualitätssiegel an seriös arbeitende gewerbliche Textilsammler, die sich dadurch von illegal arbeitenden Textilsammlern abgrenzen können. Mitgliedsbetriebe erhalten das Siegel, wenn sie im Rahmen eines Zertifizierungsprogramms die Einhaltung von Qualitätsstandards sicherstellen. Sie können dann das Siegel auf ihren Containern anbringen. Verbraucher wissen dann: Diese Sammlung ist seriös. Zum Schutz vor Missbrauch wird das Siegel für jedes zertifizierte Unternehmen individuell angefertigt.
    mehr Infos zum Qualitätssiegel  des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

     

Wie lassen sich die Altkleider-Sammler einteilen?

  • Karitative Sammler
    Karitative Anbieter sammeln meist für bedürftige Menschen. Da aber mehr Kleidung eingesammelt als für soziale Zwecke benötigt wird, wird ein Teil der gesammelten Kleider verkauft und mit dem Erlös gemeinnützige Zwecke unterstützt. 
     
  • Gewerblich-kommerzielle Sammler
    Diese Sammler sammeln Altkleidung mit dem Ziel, sie an Textilverwerter im In- und Ausland weiter zu verkaufen. Diese veräußern sie dann als Second-Hand-Ware. Gewerbliche Sammlungen lassen sich nicht immer leicht erkennen, da Firmen ganz legal bei Wohlfahrtsverbänden gegen eine Lizenzgebühr so genannte Altkleidersammellizenzen kaufen können und dann in deren Namen Kleidung sammeln. Diese wird dann komplett verkauft, wobei der erzielte Gewinn meist höher ist als die Lizenzgebühr. 
     
  • Mischformen
    Bei Mischformen aus gewerblich-kommerziellen und karitativen Sammlungen werden mit einem Teil des Gewinnes soziale Projekte unterstützt und der Rest ist der Verdienst der gewerblichen Sammler.

     

Woran erkenne ich unseriöse Sammler?

Unseriöse Altkleidersammler lassen sich meist an einigen Merkmalen erkennen. Diese fasst der Dachverband „FairWertung e.V.“ wie folgt zusammen:

  • Sehr gefühlsbetonte Angaben wie z.B. „Helfen Sie, damit wir helfen können“ sollen zu höheren Spenden aufrufen. Je mehr gespendet wird, desto mehr kann verkauft werden. Seien Sie also kritisch!
     
  • Altkleider-Sammler verwenden gerne emotional klingende Namen wie „Hilfe für Flutopfer“, da diese die Spendenbereitschaft erhöhen.
     
  • Bei Straßensammlungen steht auf dem Sammelzettel nur eine Handynummer, jedoch keine Adresse.
     
  • Es werden Symbole wie eine Kirche oder eine Weltkugel auf dem Sammelzettel abgebildet, da sie an kirchliche und karitative Einrichtungen erinnern. 


Das Aufstellen der Altkleider-Container muss von der Stadt oder Gemeinde genehmigt werden. Doch es werden häufig auch illegal Container von Altkleidersammlern aufgestellt. Dafür müssen sie eine Geldstrafe bezahlen – theoretisch. Praktisch nicht immer, da sie schwer zu ermitteln sind, denn die illegal aufgestellten Container werden nicht immer abgeholt. Scheinbar ist es für die Täter billiger, auf das Abholen des Containers zu verzichten als die Geldstrafe zu bezahlen. Die Gemeinde oder Stadt muss dann aber den Container auf eigene Kosten verschrotten. 

 

Der Verbraucherfenster-Tipp, damit Ihre Kleiderspende bei den Bedürftigen ankommt

Kleiderkammer
Wer seine Kleidung an Kleiderkammern von gemeinnützigen Einrichtungen gibt, kann sicher sein, dass die Kleidung an Bedürftige kostenlos oder für ganz wenig Geld abgegeben wird. 

 

Secondhand-Kleidung aus Westeuropa ist in Afrika beliebt

Während in den 1990er Jahren noch die Meinung vertreten wurde, dass Altkleiderlieferungen aus Europa die Textilwirtschaft in Afrika nachteilig beeinflussen, ist man heute anderer Meinung aus mehreren Gründen:

  • Viele Afrikaner können mit Secondhand-Kleidung sich qualitativ bessere Kleidung leisten. Die Gebrauchtware aus Europa ist beliebter als neue Textilien im eigenen Land, da diese oftmals einen hohen Kunstfaseranteil haben und aus Asien stammen.
     
  • Der Markt mit Secondhand-Kleidung schafft neue Arbeitsplätze im Handel und bei Änderungsschneidereien.

Wer sich noch weiter zum Thema Kleidersammlung und Secondhand-Kleidung informieren möchte, erhält viele nützliche Informationen auf der Homepage des Dachverbandes FairWertungwww.fairwertung.de    oder beim Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. 

Stand: März 2016