Welche Rechte haben Reisende?

Der Coronavirus breitet sich in China und in zahlreichen anderen Ländern weiter aus. Viele Menschen sind versunischert und möchten ihre Reise nicht antreten. Lassen sich bereits gebuchte Urlaubsreisen kostenfrei stornieren oder bleibt man auf den Kosten sitzen?

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Coronavirus - Frau mit Mundschutz

Eine Epidemie wie jetzt beim Coronavirus ist ein unvermeidbares Ereignis (so genannte "höhere Gewalt") – wie auch Erdbeben, Hurrikan oder Feuer. Ein solches Ereignis muss die Pauschalreise erheblich erschweren, gefährden oder vereiteln – dann kann man kostenfrei zurücktreten.

Auf eine subjektive Einschätzung kommt es dabei nicht an. Wer aus Angst zurücktritt, kann sich nicht auf höhere Gewalt berufen. Entscheidend ist eine objektive Einschätzung der Lage vor Ort.

Ein starkes Indiz für eine solche Gefährdung der Reisenden sind die Einschätzungen des Auswärtigen Amtes und die daraus folgenden Reisewarnungen, an denen sich regelmäßig die Gerichte orientieren. Eine solche Reisewarnung wegen des Coronavirus liegt im Moment aber nur für Hubei vor. Für andere Ziele in China gilt das bislang nicht. Nicht notwendige Reisen nach China sollten nach Möglichkeit verschoben werden. ".

Sonderfall: Falls versprochene Bestandteile der Reise nicht stattfinden

Bei Reisen in andere Regionen Chinas kommt es darauf an, ob die Reise im Wesentlichen so stattfinden soll wie versprochen. Wenn beispielsweise wesentliche Sehenswürdigkeiten einer Chinareise wegen des Coronavirus nicht besichtigt werden können (derzeit sind etwa die verbotene Stadt oder Teile der Mauer gesperrt) und es dadurch im Einzelfall zu einer erheblichen Änderung der Reise kommt, kann auch das ein Grund sein, von der Pauschalreise kostenfrei zurückzutreten.

Die Verbraucherzentrale Hessen rät dazu, bei einer anstehenden China-Reise Kontakt mit dem Veranstalter aufzunehmen und sich regelmäßig zu informieren, ob Flüge stattfinden und ob der Veranstalter an der Reise als Ganzes festhält.

Ungeachtet der rechtlichen Einschätzung räumen einige Anbieter von Pauschalreisen ihren Kunden das Recht ein, die Reise zu stornieren oder umzubuchen. DER Touristik bietet nach einer Pressemitteilung vom 27. Januar 2020 für ihre Marken Dertour, Meiers Weltreisen und ADAC Reisen kostenlose Umbuchungen und Stornierungen für China-Reisen mit Abreisetermin bis 31. März 2020 an. TUI teilte auf Anfrage am 27. Januar 2020 mit, dass der Konzern seinen Kunden, die in den nächsten zwei Wochen eine China-Reise geplant haben, anbietet, diese gebührenfrei auf einen anderen Reisetermin umzubuchen.

Was tun bei Annullierung des Fluges?

Freiwillige Angebote umzubuchen oder zu stornieren, machen auch zahlreiche Fluggesellschaften. Damit haben auch Individualreisende eine Handhabe, die wegen höherer Gewalt und einer Gefährdung ansonsten kein rechtliches Instrument haben und im Zweifel auf einem Schaden selbst sitzen bleiben, wenn sie die Reise absagen / abbrechen. Sind die Flüge gestrichen, wird zumindest der Flugpreis erstattet. Bei weiteren Reiseleistungen wie Hotel, Ausflügen oder Mietwagen muss man  sich als Individualreisender aber selbst erkundigen, ob ein Rücktritt / eine Erstattung möglich sind.

Ob Reisenden Entschädigungszahlungen nach der Fluggastrechteverordnung zustehen, hängt auch davon ab, ob sich das Flugunternehmen bei der Annullierung auf höhere Gewalt berufen kann. Da das für ganz China wegen der fehlenden Reisewarnung in Frage gestellt werden muss, empfiehlt es sich jedenfalls einen Antrag zu stellen. Das geht zum Beispiel mit der kostenlosen Flugärger-App (Appstore und Playstore) . Damit können ggf. die Schäden durch die bereits gebuchten Reiseleistungen wie Hotel, Ausflüge oder Mietwagen abgedeckt werden, die nicht wegen höherer Gewalt kostenfrei stornierbar sind.

Quelle: Verbraucherzentrale Hessen

Stand: Februar 2020