Reiseversicherte aufgepasst!

Geht bei einer Flugreise das Gepäck verloren, muss die Reise vorzeitig abgebrochen werden oder ist eine ärztliche Behandlung im Urlaub nötig, übernimmt die Reiseversicherung die Kosten. Doch muss sie auch bezahlen, wenn Ausweispapiere und Tickets gestohlen werden? Das Landgericht Hildesheim hat geurteilt.

RS10237_Reisepass und Geld © Andre Bonn - Fotolia.com_.jpg

Reisepass und Geldscheine

Nach einem Urteil des Landgerichts Hildesheim muss die Reiseversicherung bei dem Verlust von Reisepapieren nach einem Überfall nicht eintreten.Der Diebstahl von Reiseunterlagen und Ausweispapieren stellen demnach kein versichertes Ereignis dar.

Dies schreibt unser Redaktionsmitglied, Ass.iur. Nikolai Schmich, LL.M., in seiner Kolumne „Ihr gutes Recht“. Hier informiert er über aktuelle Gerichtsentscheidungen. Er beantwortet dabei die wichtigsten Fragen.

Worum geht es bei der Entscheidung?

Im vorliegenden Fall hatte der in Nordstemmen wohnende und auch einen chilenischen Reisepass innehabende Kläger sich im Jahr 2015 auf eine Reise nach Chile begeben. In Chile wurde er Opfer eines Überfalls und Raubes. Hierbei wurden ihm sein Reisepass und seine Flugtickets entwendet. Der Kläger konnte deshalb seinen Rückflug nicht antreten. Er musste sich sowohl ein neues Flugticket kaufen als auch einen neuen Reisepass ausstellen lassen. Hierfür sind Kosten in Höhe von 1.800€ entstanden, die er von seiner Reiseversicherung ersetzt haben möchte. Nach den Versicherungsbedingungen der Beklagten sind erhebliche Schäden am Eigentum u. a. durch strafbare Handlungen mitversichert.

Die Vorinstanz des Amtsgerichts Elze hatte dem Begehren des Klägers in erster Instanz überwiegend stattgegeben. Zweitinstanzlich wird die Rechtslage noch einmal durch das Landgericht überprüft.

Welche Positionen vertreten die beteiligten Parteien?

Der Kläger und Berufungsbeklagte hält an seinem ursprünglichen Vortrag fest und möchte eine Bestätigung, dass er von der Beklagten und Berufungsklägerin einen Ersatz für den ihm entstandenen Schaden in Höhe von 1.800€ erlangen möchte.

Die Beklagte und Berufungsklägerin ist der Ansicht, dass bei den vorgenannten Diebstählen gar kein versichertes Ereignis vorliege. Bei einem Diebstahl von Reiseunterlagen, Pässen und Fahrkarten/Flugtickets liege kein erheblicher Schaden unmittelbar am Eigentum der versicherten Person vor. Es käme hier nur auf den reinen Sachwert der Papiere an, der relativ gering sei. Die geltend gemachten 1.800€ seien lediglich nicht mitversicherte Folgekosten.

Ist die Sache höchstrichterlich entschieden?

Hier hat das Landgericht Hildesheim in einem Berufungsverfahren geurteilt.

Eine weitere Entscheidung in dieser Angelegenheit wird es nicht geben, da

Rechtsfrieden (unanfechtbarer Beschluss) hergestellt wurde.

Wie wirkt sich die Entscheidung am Ende auf die Verbraucher aus?

Verbraucher müssen sich darüber klar sein, dass sie das Diebstahl- bzw. Raubrisiko auf Reisen nicht mit einer Reiseversicherung abfangen können, sondern hierfür gegebenenfalls eine separate Versicherung abschließen müssen.

Ist das Urteil gut?

Nein. Daumen nach unten. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Reiseversicherung umfassend das Diebstahlrisiko getragen und den Schaden des Verbrauchers ersetzt hätte.

Was kann der Verbraucher jetzt tun?

Der Verbraucher kann das Diebstahlrisiko an seinen Papieren, aus denen geldwerte Rechte erwachsen (wie z.B. Ticket) nur durch eine gesonderte, darauf gerichtete Diebstahlversiche-rung absichern.


Wo ist das Urteil zu finden?

Das Urteil des Landgerichts Hildesheim vom 06.01.2017 hat das Aktenzeichen Az 7 S 136/16.

Letztinstanzliche Entscheidung.

Stand: März 2017