Reiserecht bei Schneechaos

Endlich Winterurlaub. Tagsüber schöner Pulverschnee, klare Luft und strahlender Sonnenschein - das sind Traumbedingungen für Wintersportler. Doch welche Rechte bestehen, wenn die Pisten und Straßen wegen zu viel Schnee oder Lawinengefahr gesperrt sind und die Anreise zum Urlaubsort unmöglich ist?

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Schneeglätte, Auto auf der Straße

Stornierung bei Privat- und Pauschalreise

Die Skiwoche ist schon lange gebucht, doch die Wintersportorte versinken im Schnee. Wer privat  gebucht hat, trägt laut Mietrecht das Risiko für die Anreise selbst. Gelangen Sie wegen gesperrter Straßen nicht an Ihren Urlaubsort, ist entscheidend, ob ein Katastrophenfall vorliegt. Sind nachweisbar alle Zufahrtsstraßen blockiert, bekommen Sie auch 100 Prozent der Reisekosten erstattet. Ausgefallene Züge oder Stau reichen dafür allerdings nicht aus.

Um den Katastrophenfall zu beweisen, sollten Sie Zeitungsberichte oder Meldungen aus dem Internet archivieren. Bei einer Pauschalreise müssen Sie dagegen nichts beweisen. Hier ist der Veranstalter verpflichtet, den Preis komplett zu erstatten, wenn die Reise ausfallen muss, da dieser auch für die An- und Abreise zuständig ist.

Das Amtsgericht Herne hat entschieden, dass bei Lawinengefahr der höchsten Stufe 5 die Reise vom Urlauber kurzfristig und ohne Stornokosten gekündigt werden kann (Az: 2 C 175/99).

Im Urlaubsort eingeschneit

Den Urlaubsort haben Sie erreicht, aber starker Schneefall hindert Sie an der Heimreise. In diesem Fall muss der Urlauber die Mehrkosten des Aufenthalts selbst bezahlen. Juristisch gesehen bereichert sich der Gast durch den längeren Aufenthalt, das heißt, alles was er konsumiert und in Anspruch nimmt, muss er auch bezahlen. Oftmals kommen die Hoteliers den Urlaubern mit individuellen Vereinbarungen entgegen. Dies ist aber keine Pflicht, sondern lediglich Kulanz.

Haben Sie eine Pauschalreise inklusive Rückreise gebucht, aber die Rückbeförderung ist aufgrund außergewöhnlicher Umstände nicht möglich, so trägt der Reiseveranstalter die Kosten für eine weitere Unterkunft allerdings maximal für drei Tage. Dies geht aus der Änderung der Pauschalreiserechtlinie zum  01.07.2018 hervor.

Die Lifte stehen still

Hoteliers, Reiserveranstalter, Tourismusverbände und Bergbahnbetreiber können keine guten Wetterverhältnisse garantieren. Der Urlauber bucht in diesem Fall nur das Hotel oder das Reisepaket, nicht aber die Berge mit den Pisten. Eine Möglichkeit die Unterkunft zu stornieren aufgrund stillstehender Lifte funktioniert daher nicht.

Sind die Pisten wegen Sturm oder Lawinengefahr geschlossen, hat der Urlauber wenige Chancen auf eine Erstattung des Skipasses. Skigebiet- und Liftbetreiber schließen das meistens in ihren Geschäftsbedingungen aus.

Bei einem schon im Vorfeld erworbenen Skipass sollte man die Liftbetreiber anfragen, in manchen Fällen ist eine Erstattung möglich.

Arbeitgeber informieren

Der Arbeitnehmer ist immer dafür verantwortlich, rechtzeitig am Arbeitsplatz zu sein. Sie können sich nicht auf höhere Gewalt berufen, auch nicht bei Stau oder Unwetter. Kontaktieren Sie in solchen Situationen immer Ihren Arbeitgeber und klären Sie ihn über die Situation auf. Oftmals besteht die Möglichkeit den Urlaub zu verlängern.  So umgehen sie mögliche Lohnkürzungen bei unentschuldigtem Fehlen. Sanktionen wie eine Abmahnung müssen Sie aber in der Regel nicht befürchten, da das Zuspätkommen nicht selbst verschuldet wurde.

Stand: Februar 2019