Irreführung durch angebliche Angebotsverknappung

Viele Hotelvermittlungsportale nutzen routinemäßig Hinweise auf eine angeblich nur noch geringe Verfügbarkeit von Hotelzimmern. Einige Anbieter haben ihre Werbepraxis abgeändert, nachdem sie von Verbänden erfolgreich abgemahnt oder von Gerichten zur Unterlassung der Verwendung entsprechender Formulierungen verurteilt wurden. Doch neue Tricks bleiben nicht aus.

Hotel Schlüsselboard - Hans Braxmeier - pixabay.com_.jpg

Schlüsselboard an der Hotelrezeption

Die Portale werben häufig mit Formulierungen wie "Nur noch ein Zimmer verfügbar" oder "Gleich ausgebucht - jetzt sichern". Der Nutzer wird unter Druck gesetzt, weil er befürchtet, dass das gewünschte Hotel zum beworbenen Preis nicht mehr verfügbar ist, wenn er nicht sofort bucht. Ein solches Verhalten verstößt gegen die Vorgaben des Wettbewerbsrechts, soweit es tatsächlich einen falschen Eindruck über die Verfügbarkeit der vermittelten Leistungen erweckt.[1]

Tricksereien bei der Hotelsuche

Die Suche nach einem Hotelzimmer führt immer häufiger über Hotelvermittlungsportale. Dieser Weg ist jedoch selten frei vom Versuch, den Verbraucher zu einem möglichst schnellen Buchungsabschluss zu bewegen. Dabei bedienen sich Buchungsportale oft solcher Methoden, die einen Entscheidungsdruck beim Kunden aufbauen. Unter Druck werden Entscheidungen aus dem Bauch heraus gefällt und wirtschaftliches Kalkül wird zurückgedrängt. Mitunter sind diese psychologischen Tricks jedoch wettbewerbswidrig. In den Suchergebnissen weisen Hotelvermittlungsportale zuweilen mit geschickten Formulierungen eine angeblich geringe Verfügbarkeit von Zimmern einer bestimmten Kategorie aus. Sie erwecken so den Eindruck, dass der Interessent möglichst schnell buchen müsse, da andernfalls das Zimmer in der gewünschten Kategorie nicht mehr verfügbar sei.

Tatsächlich ist es oft vollkommen gleichgültig, welche Buchungsanfrage gestellt wird. In der Vergangenheit haben Stichproben unterschiedlicher Organisationen[2] auf verschiedenen Vermittlungsportalen und Hotels immer wieder zu einer recht hohen Anzahl angeblich nur noch gering verfügbarer Zimmer geführt, und zwar auch zu Terminen und in Orten, an denen üblicherweise nicht von einer sehr hohen Belegung auszugehen war.

Es ist daher anzunehmen, dass die beschriebenen werblichen Einblendungen routinemäßig vorgenommen werden, ohne eine tatsächliche Prüfung der generellen Verfügbarkeit des Hotels. Doch selbst wenn die angezeigten knappen Verfügbarkeiten der Realität entsprächen, so haben es viele Vermittlungsportale oft versäumt, in den Suchergebnissen auf ihren Seiten darauf hinzuweisen, dass sich die Verfügbarkeitsanzeige lediglich auf das zwischen ihnen und dem jeweiligen Hotel vereinbarte Kontingent bezieht. Die tatsächlich beim Hotel direkt abrufbaren Verfügbarkeiten werden dadurch „unter den Teppich gekehrt“.

Bei einigen bekannten Portalen hat sich das zwischenzeitlich leicht geändert. Dort heißt es jetzt beispielsweise "Nur noch ein Zimmer auf unserer Seite verfügbar", "Nur noch sieben Zimmer zu diesem Preis" oder​ "sechsmal gebucht ​für Ihre Daten in den letzten zwölf Stunden"​.

Was sagen die Gerichte?

Unlautere Werbepraktiken waren in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand wettbewerbsrechtlicher Auseinandersetzungen vor Gericht.

Das Oberlandesgericht Köln etwa hielt es in einem Urteil aus dem Jahr 2011 für irreführend, wenn Vermittlungsportale durch die Angabe eigener Verfügbarkeiten den Eindruck erwecken,  das Hauptkontingent, also die Gesamtverfügbarkeiten des jeweiligen Hotels, sei im betreffenden Zeitraum bereits ausgebucht [3]. Eine solche Aussage steht reinen Hotelvermittlern aber nicht zu, sie haben in der Regel gar keinen Zugriff auf die Verfügbarkeiten des Hotels selbst.

Auch das Landgericht Nürnberg bejahte in einem Verfahren gegen ein bekanntes Hotelbuchungsportal eine Täuschung über Zimmerkontingente [4]. Das Portal warb mit Hinweisen auf eine begrenzte Verfügbarkeit (zum Beispiel mit der Aussage „nur noch ein Zimmer verfügbar“). Tatsächlich hatte es sich bei dem Zimmerkontingent lediglich um das eigene gehandelt. Weitere Zimmer waren über andere Buchungskanäle (Direktvertrieb des Hotels, andere Buchungsportale, Reisebüros) buchbar gewesen.

Was tun bei irreführenden Geschäftspraktiken?

Die Verbraucherzentralen können gegen Wettbewerbsverstöße vorgehen, indem sie die wettbewerbswidrig handelnden Unternehmen auf Beseitigung oder bei Wiederholungsgefahr auf Unterlassung in Anspruch nehmen. Die Beweisführung gestaltet sich dabei oft recht aufwändig, da sie mit erheblichem Rechercheaufwand verbunden ist.

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V.

Stand: September 2021
 

[1] § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1, sowie § 3 Abs. 3 in Verbindung mit Nr. 7 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)

[2] Stichproben haben sowohl die Stiftung Warentest, diverse Verbraucherzentralen sowie die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg durchgeführt.

[3] OLG Köln, Urteil vom 01.06.2011, Az.: 6 U 193/10

[4] Versäumnisurteil vom 03.02.2016, Az.: 4 HK O 5203/15