Reisende aufgepasst bei Online-Hotelbewertungen

Nach einem Urteil des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) vor dem Landgericht Hamburg gegen den Reisevermittler opodo.de müssen Buchungsportale die Kriterien offenlegen, nach denen sie Treffer bei der Hotelsuche sortieren. Auch im Buchungssektor muss eine größtmögliche Transparenz herrschen. Dies schreibt unser Redaktionsmitglied, Ass.iur. Nikolai Schmich, LL.M., in seiner Kolumne „Ihr gutes Recht“. Hier informiert er über aktuelle Gerichtsentscheidungen.

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Hotelbuchung im Internet

Worum geht es bei der Entscheidung?

Hier klagte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen die Firma opodo.de auf Offenlegung der Rankingkriterien bei Hotelbewertungen.

Wenn man bei opodo.de ein Hotel suchte, musste man zunächst seine Reisedaten eingeben und bekam dann die Suchergebnisse unter der Rubrik „Unsere Top-Tipps“ angezeigt. Man konnte nun alternativ eine Sortierung der Trefferliste nach „Preis“ (niedrigster zuerst), „Bewertung und Preis“, „Sterne“ oder „Sterne und Preis“ auswählen.

Deutlich erkennbar war für den Kunden nur, dass bei einer Sortierung nach dem Preis zunächst die preisgünstigsten Hotels und bei einer Sortierung nach Sternen zuerst die Hotels mit den besten Kundenbewertungen angezeigt wurden. Für die Kunden war es nicht erkennbar, wie die Reihenfolge unter den anderen Rubriken zustande kam. Dies wurde dem Kunden auch nicht erläutert.

Welche Positionen vertreten die beteiligten Parteien?

Die Beklagte ist hier zunächst der Ansicht, dass sie mit ihrem Internetangebot einen wichtigen Dienst für den Verbraucher bereitstelle. Auch lässt sich die Reihenfolge in der Preissortierung und in die Bewertungssortierung gut nachvollziehen. Alle weiteren Kategorisierungen sind für den potentiellen Kunden nur von sekundärem Interesse und die Reihenfolge in der Kategorisierung muss deshalb für den Verbraucher nicht offensichtlich erkennbar sein.  

Der Kläger ist hier der Auffassung, dass die Beklagte den potentiellen Kunden wesentliche buchungsentscheidende Informationen vorenthalte, wenn sie die Kriterien für die Reihung der Hotels in allen Rubriken nicht offenlege. Der Rubrik „Unsere Top Tipps“ mangelt es an einem transparenten und für alle Kunden nachvollziehbaren Beurteilungskriterium. Auch den beiden Rubriken „Beurteilung und Preis“ sowie „Sterne und Preis“ mangelt es an der für den Kunden erforderlichen Transparenz. Auch hier ist es für den Kunden nicht klar, nach welchen Kriterien die betreffenden Ranglisten (Rankings) erstellt werden. Grundsätzlich verlässt man sich als Verbraucher darauf, dass die in einer Reihenfolge als erstes angezeigten Treffer am besten zu der eigenen Suche passen und besondere Vorteile für einen bieten. Dies ist jedoch hier nicht der Fall. Hier ist es häufig völlig unklar, wie das Ranking in der Reihenfolge zustande kommt und es steht zu befürchten, dass die Kundenwünsche nicht immer die Priorität haben.

Letzter Argumentation ist auch das Landgericht gefolgt und hat die Beklagte dazu verurteilt, die Kriterien offenzulegen, nach denen sie Treffer bei der Suche nach Hotels sortieren.

Ist die Sache höchstrichterlich entschieden?

Hier hat das Landgericht Hamburg in erster Instanz entschieden. Theoretisch könnte noch Berufung zum Oberlandesgericht (OLG) Hamburg eingelegt werden. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass sich ein anderes Gericht gegen mehr Transparenz im Hotelbuchungssektor entscheiden würde.  Deshalb wird wahrscheinlich gegen die Entscheidung des Landgerichts keine Berufung eingelegt.

Wie wirkt sich die Entscheidung am Ende auf die Verbraucher aus?

Die potentiellen Besucher von Hotelvergleichsportalen (hier: opodo.de) dürfen sich in Zukunft darauf verlassen, dass ihnen die Rankingkriterien in den jeweiligen Rubriken transparent mitgeteilt werden, sodass sie nicht einem durch die Reihung erzeugten Irrtum unterliegen können.

Ist das Urteil gut?

Ja, uneingeschränkt Daumen nach oben. Hier hat sich das Landgericht Hamburg zu mehr Transparenz im Hotelbuchungssektor entschieden. Dies war wünschenswert und ein wichtiger erster Schritt.

Dabei darf es jedoch nicht bleiben. Darüber hinaus sollte man alle EU-Vergleichsportale verbindlich dazu verpflichten, nur produktvergleichsrelevante Kriterien bei der Erstellung ihrer Rankings zu benutzen.  Externe Kriterien (wie z.B. Geschäftsbeziehungen oder Provisionen) sollten keinen Einfluss auf das Ranking haben dürfen. Außerdem ist es wichtig „gekauften“ Bewertungen einen Riegel vorzuschieben, da sich Verbraucher darauf verlassen können müssen, dass Rankings und Suchergebnisse nicht durch finanzielle Zuwendungen manipuliert werden. Falls Anbieter Buchungs- und Vergleichsportalen Geld geben, sollte dies zumindest an sichtbarer Stelle bekannt gemacht werden.

Was können Verbraucher jetzt tun?

Verbraucher sollten sich immer einen kritischen Blick auf Rankings von Hotels in entsprechenden Hotelbuchungsportalen bewahren. Nach diesem Urteil müssen die entsprechenden Rankingkriterien für den Kunden stets nachvollziehbar sein. Kann der potentielle Kunde diese nicht nachvollziehen, so sollte er unmittelbar seine Verbraucherzentrale vor Ort kontaktieren, damit von dort aus weitere Schritte unternommen werden können.

Wo ist das Urteil zu finden?

Das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 07.11.2019 hat das Aktenzeichen Az 327/19.

Stand: Januar 2020

Nikolai Schmich

Nikolai Schmich