Lawinengefahr – wie verhält man sich richtig?

Lawinen können Lebensgefahr bedeuten – richtiges Handeln kann über Leben und Tod entscheiden. Gerät man im Skiurlaub selbst in eine Notsituation mit einer Lawine, sollte man die grundlegendsten Verhaltenstipps im Kopf haben. Was ist also zu tun?

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Neuschnee - Lawinengefahr

Was ist eine Lawine und wie entsteht sie?

Wo immer sich an steilen Gebirgshängen Schnee sammelt, kann er auch plötzlich abrutschen, als größere oder kleinere Lawine. Lawinen treten jedes Jahr auf und sind eine ernstzunehmende und unberechenbare Gefahr für alle Skifahrer, Tourengeher und Schneeschuhwanderer, die abseits der Pisten unterwegs sind. Generell unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Arten von Lawinen:

Schneebrettlawine:

Sie gilt als die größte Gefahr für Wintersportler und entsteht meist an steilen Hängen mit 30 bis 45 Grad Neigung. Mit jedem Schneefall lagert sich dort eine neue Schicht ab. Belastet ein Tier oder ein Mensch die Fläche, entsteht ein linienförmiger Abriss der gesamten oberen Schicht. Die komplette Schicht rutscht dann ungebremst nach unten.

Staublawine:

Dieser Lawinentyp kommt selten vor. Die Staublawine nimmt an Kraft zu, je steiler der Hang und je länger der Weg bis ins Tal ist.  Sie kann bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell werden und wirbelt dabei große Mengen Schnee auf, der sich mit Luft vermischt. Die Kraft der Lawine ist dann vergleichbar mit einem Wirbelsturm. Durch die Druckwelle können sogar Bäume und Häuser umgerissen werden.

Lockerschneelawine:

Sie entsteht meist natürlich durch große Mengen an Neuschnee. An bis zu 60 Grad steilen Hängen beginnen kleine Mengen Schnee zu rutschen, nehmen immer mehr Schnee mit und werden birnenförmig breiter. Meist ist eine solche Lawine eher langsam und bedeutet nicht so viel Gefahr.

Über Gefahrenstufen informieren

Trotz aller technischen Verbesserungen im Lawinenschutz und bei der Ausrüstung ist der beste Schutz, nur auf gesicherten Pisten fahren. Möchte man außerhalb der präparierten Piste fahren, gilt es sich gründlich vorzubereiten. Das sorgfältige Studieren des Lawinenlageberichts gehört dabei genauso dazu wie das regelmäßige Abrufen der Wettervorhersagen. Insgesamt unterscheidet man zwischen fünf verschiedenen Gefahrenstufen:

  • 1 = gering: „Allgemein sichere Verhältnisse“
  • 2 = mäßig: „Mehrheitlich günstige Verhältnisse. Vorsichtige Routenwahl, vor allem an Steilhängen der angegebenen Exposition und Höhenlage.“
  • 3 = erheblich: „Teilweise ungünstige Verhältnisse. Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich. Steilhänge der angegebenen Exposition und Höhenlage möglichst meiden.“
  • 4 = groß: „Ungünstige Verhältnisse. Viel Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich. Beschränkung auf mäßig steiles Gelände / Lawinenauslaufbereiche beachten.“
  • 5 = sehr groß: „Sehr ungünstige Verhältnisse. Verzicht empfohlen."

Welche Schutzmaßnahmen sollten getroffen werden?

Die Ausrüstung kann in einer Lawine über Leben und Tod entscheiden. Zu den drei wichtigsten Gegenständen zählen das Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), eine Lawinenschaufel und eine Sonde. Das LVS wird mit einem Gurt fest am Köper verzurrt, Schaufel und Sonde stecken griffbereit im Rucksack.

Weitere Lawinen-Schutzmaßnahmen sind:

  • Nie alleine gehen: Wer verschüttet wird, ist auf Hilfe angewiesen. Statistiken zeigen, dass die Chance, mit dem Leben davonzukommen, für Lawinenopfer in den ersten 15 Minuten sehr groß ist.
  • Regelmäßig Schulungen besuchen, die zum Beispiel von Skischulen und vom DSV angeboten werden.
  • Auf gefährdeten Hängen Abstand zu anderen Snowboardern und Skifahrern halten.
  • Aufmerksam sein, um Gefahren zum Beispiel durch Geräusche unter der Schneedecke frühzeitig zu erkennen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich den Lawinenabgang beobachte?

Sollten Sie eine Lawine beobachten, behalten Sie eine kühlen Kopf. Versuchen Sie die erfassten Personen nicht aus den Augen zu verlieren. Nachdem die Lawine zum Stillstand gekommen ist, müssen Sie den Erfassungspunkt und den möglichen Verschwindepunkt mit Skistöcken oder Kleidungsstücken markieren. Das spart Zeit bei der anschließenden Suche. (schl)

Stand: Januar 2020