Hundebesitzer aufgepasst!

Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe haftet eine Hundehalterin nicht für die Folgen des Sturzes eines Reiters infolge der Pfiffe mit der Hundepfeife. Dies schreibt unser Redaktionsmitglied, Ass.iur. Nikolai Schmich, LL.M., in seiner Kolumne „Ihr gutes Recht“. Hier informiert er über aktuelle Gerichtsentscheidungen. Er beantwortet dabei die wichtigsten Fragen.

pet-423398_1280.jpg

grauer Hundewelpe

Worum geht es bei der Entscheidung?

Dem sich in der Berufung vom Urteil des Landgerichts Karlsruhe befindlichen Rechtsstreit liegt der folgende Sachverhalt zugrunde:

Der Kläger und seine Begleiterin erlitten im Jahr 2014 infolge eines Abwerfens bei einem Ausritt erhebliche Verletzungen. Die Pferde hatten sich infolge der plötzlichen Anwesenheit des Hundes der Beklagten und des Pfeifens der Beklagten mit der Hundepfeife erschreckt und den Kläger sowie die Begleitung des Klägers abgeworfen. Nunmehr macht der Kläger klageweise 5.000 € Schadensersatz und Schmerzensgeld gegen die Beklagte geltend.

Welche Positionen vertreten die beteiligten Parteien?

Der Kläger ist der Ansicht, dass die Pferde  wegen des herannahenden Hundes und der Pfiffe gescheut hätten. Es habe für die beklagte Hundehalterin eine erhöhte Sorgfaltspflicht bestanden, da in einem Waldstück immer mit Reitpferden zu rechnen sei. Die Ursache der Pfiffe für das Abwerfen sei hier offensichtlich. Auch wenn es Pferde gibt,  die auf Hundepfiffe nicht mit Abwerfen reagieren, so war das leider hier der Fall und die Beklagte ist als Hundehalterin für die Folgen des Abwerfens haftbar.

Die Beklagte ist der Ansicht, dass sich ihr Hund völlig normal und hundegerecht verhalten habe. Außerdem habe sie durch das Pfeifen zur Deeskalation der Situation beitragen wollen. Schließlich sei es ja auch gestattet, Hunde im Waldstück naturgerecht und unangeleint laufen zu lassen. Dass die Pferde des Klägers auf Hundepfiffe mit Abwerfen reagieren war für sie weder zu erwarten noch zu erahnen.

Letzterer Ansicht hat sich auch der 7. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe angeschlossen und die Klage abgewiesen. Es konnte nicht geklärt werden, ob das Abwerfen durch den Hund oder die Hundepfiffe veranlasst wurden. Bei letzteren handelt es sich jedoch um ein komplett sozialadäquates Verhalten.
 

Ist die Sache höchstrichterlich entschieden?

Das Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe ist rechtskräftig. Eine weitere Entscheidung in dieser Sache wird es nicht geben.
 

Wie wirkt sich die Entscheidung am Ende auf die Verbraucher aus?

Hundehalter müssen einerseits nicht durch eine eventuelle zivilrechtliche Haftung von dem Hundepfeifengebrauch zurückschrecken. In der Nähe eines Reitplatzes, einer Reithalle oder eines Reitweges kann jedoch die mitmenschliche Rücksichtnahmepflicht anzeigen, von einem entsprechenden Pfeifengebrauch abzusehen.

Ist das Urteil gut?

Daumen waagerecht. Einerseits wäre es hier wünschenswert gewesen, wenn das Gericht stärker auf die mitmenschliche Rücksichtnahmepflicht abgestellt hätte und Pfeifenden eine gewisse Mitschuld an dem Sturz des Reiters gegeben hätte, damit dieser neben seinen Verletzungen nicht auch noch die Kosten zur Behandlung derselben tragen muss. Andererseits ist es eigentlich auch nur konsequent den Hundehalter für von ihm nicht vorhersehbare Eventualitäten auch nicht haften zu lassen.

Was können Verbraucher jetzt tun?

Hundehalter sollten Hundepfeifen in der Nähe von Reitplätzen, Reithallen und Reitwegen äußerst sparsam einsetzen. Pferde könnten  hiervon erheblich gestört werden. Dies gebietet schon alleine die mitmenschliche Rücksichtnahme. Zivilrechtliche Konsequenzen sind jedoch nicht zu befürchten,  sollte ein Einsatz dennoch erfolgen.

Wo ist die Entscheidung zu finden?

Das Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 03.08.2017 hat das Aktenzeichen 7 U 200/16

Stand: September 2017

Nikolai Schmich

Nikolai Schmich