Pflege-Bahr: Was bringt die geförderte Pflegezusatzversicherung?

Circa 1.500 bis 3.000 Euro kostet ein Platz in einem hessischen Pflegeheim pro Monat. Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung decken nur einen Teil der Pflegekosten ab. Pflegebedürftige oder deren Angehörige müssen damit rechnen, einen großen Teil der Kosten selbst zu tragen. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig privat vorzusorgen. Die geförderte Pflegezusatzversicherung ist eine Möglichkeit. Doch lohnt sich eine solche Versicherung tatsächlich?

RS9837_Junge Frau misst Blutdruck alter Dame © Monkey Business - Fotolia.com_.jpg

Pflegerin mit älterer Frau

Staatlicher Zuschuss zur Pflegezusatzversicherung

Immer weniger Menschen können sich die Kosten einer guten Pflege leisten. Die 1995 eingeführte gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Pflegekosten. Seit Beginn des Jahres 2013 bezuschusst der Staat den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung – auch Pflege-Bahr genannt – mit fünf Euro pro Monat. Voraussetzung ist, dass diese Pflegezusatzversicherung bestimmten Vorgaben genügt. Als geförderte Pflegezusatzversicherungen bietet der Markt  überwiegend nur Pflegetagegeldversicherungen an.

Voraussetzungen

Die Zulage für eine Pflegetagegeldversicherung kann jeder bekommen, der

  • mindestens achtzehn Jahre alt ist,
  • nach dem 1.1.2013 eine den Vorgaben genügende private Pflegetagegeldversicherung abgeschlossen hat,
  • mindestens zehn Euro monatlich für diese Versicherung zahlt,
  • über seine gesetzliche oder private Krankenversicherung pflegepflichtversichert ist,
  • nicht bereits als pflegebedürftig eingestuft worden ist.

Das Versicherungsunternehmen darf den Abschluss des Vertrages nicht von einer Gesundheitsprüfung abhängig machen. Außerdem muss es auf sein ordentliches Kündigungsrecht verzichten. Lediglich eine Wartezeit von fünf Jahren, in der keine Leistungen erbracht werden, dürfen die Versicherer vereinbaren. Zudem müssen die Einstufungen im Pflegefall denen der gesetzlichen beziehungsweise der privaten Pflegepflichtversicherung entsprechen.

Leistungen

Die Versicherung muss vorsehen, dass Geldleistungen bei jedem Pflegegrad (Grad 1 bis 5) gezahlt werden. Diese müssen monatlich

  • bei Pflegegrad 1 mindestens 60 Euro,
  • bei Pflegegrad 2 mindestens 120 Euro,
  • bei Pflegegrad 3 mindestens 180 Euro,
  • bei Pflegegrad 4 mindestens 240 Euro
  • und bei Pflegegrad 5 mindestens 600 Euro betragen.

Im Übrigen dürfen die Leistungen aus der geförderten Pflegetagegeldversicherung nicht über die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung hinausgehen – also zum Beispiel 2005 Euro im Monat bei Pflegegrad 5. Höhere Leistungen darf der förderfähige Tarif nicht vorsehen. Lediglich eine Dynamisierung der Leistungen bis zu Höhe der allgemeinen Inflationsrate kann vereinbart werden, so dass die Leistungen regelmäßig angepasst werden.

Wichtig für den Vertragsschluss

Leistungsanpassung

Im Vertrag sollte vereinbart sein, dass die Leistungen des Versicherers während der Laufzeit angehoben werden. Anderenfalls verliert der Vertrag durch die Inflation an Wert, die Finanzierungslücke wird unter Umständen nur unwesentlich verkleinert.

Beitragsentwicklung

Beitragssteigerungen sind grundsätzlich bei allen Verträgen zu erwarten. Der Verband der Privaten Krankenversicherungen e.V. hat in seinen Musterbedingungen vorgesehen, dass der Versicherer regelmäßig seine Tarifkalkulation hinsichtlich Veränderungen bei der Pflegedauer, der Häufigkeit von Pflegefällen oder aufgrund steigender Lebenserwartung überprüft. Kommt es bei Gegenüberstellungen für eine Beobachtungseinheit zu einer Abweichung von mehr als fünf Prozent, können die Beiträge nach Zustimmung eines unabhängigen Treuhänders angepasst werden.

Wichtig

  • Mit diesen zu erwartenden Beitragssteigerungen sind keine Leistungssteigerungen verbunden.
  • Da es in zulagengeförderten Tarifen keine Gesundheitsprüfung gibt und auch Menschen mit Vorerkrankungen und jeden Alters aufgenommen werden müssen, sind die Prognosen für die notwendigen zukünftigen Beitragsanpassungen ungünstiger als bei herkömmlichen Tarifen. Es ist davon auszugehen, dass die relativ geringe Zulage von 60 Euro pro Jahr diesen Nachteil bei der zu erwartenden Beitragssteigerung nicht ausgleichen kann.
  • Des Weiteren sind Verträge empfehlenswert, die eine Beitragsbefreiung im Leistungsfall vorsehen. Dies bedeutet, dass man, wenn man als Pflegebedürftiger Leistungen aus der Versicherung bezieht, keine Beiträge mehr zu zahlen hat. Geförderte Verträge sehen regelmäßig keine Beitragsbefreiung vor.

Ungeförderte Pflegezusatzversicherung

Schon lange auf dem Markt sind private Pflegerentenversicherungen und Pflegetagegeldversicherungen, für die es keine staatlichen Zulagen gibt. Auf dem freien, nicht geförderten Markt sollten sich Menschen umschauen, die keine Vorerkrankungen haben und die sich auf Dauer die Beiträge für eine ungeförderte Pflegezusatzversicherung leisten können.

Tipp
In jedem Fall gilt: Die Versicherungsverträge sind im Einzelfall genau zu prüfen. Sowohl die geförderte als auch die ungeförderte Pflegetagegeldversicherung sind Risikoversicherungen. Kündigt der Versicherte seinen Vertrag, werden die Beiträge nicht erstattet. 

Vorteile der geförderten Tarife

Die staatlich geförderten Pflegetagegeldtarife sind in einem Punkt unschlagbar: Der Versicherte muss sich keiner Gesundheitsprüfung unterziehen. Die Versicherer dürfen niemanden über 18 Jahren wegen Krankheit ablehnen, es sei denn, er ist bereits pflegebedürftig. Ein weiteres Plus der geförderten Pflegetagegeldversicherung ist, dass die Verträge bis zu drei Jahre ruhen können, wenn der Versicherte hilfebedürftig im Sinne der Hartz-IV-Gesetze wird. Beiträge und Zulagen sind in dieser Zeit nicht zu zahlen. Wartezeiten und Fristen werden aber nicht unterbrochen.

Bei Pflegetarifen, die gefördert sind, kann der Versicherer keine Leistungsausschlüsse festlegen oder Risikozuschläge verlangen.

Nachteile der geförderten Tarife

Die geförderten Tarife sehen meist eine relativ lange Wartezeit von fünf Jahren vor, bis der Versicherte erstmals Leistungen erhält. Bei den ungeförderten Verträgen verzichten viele Versicherer auf eine Wartezeit oder geben nur eine dreijährige Wartezeit vor.

Zudem prognostizieren Finanzexperten, dass die Beiträge in geförderten Tarifen schneller steigen als in ungeförderten Tarifen. Denn letztere werden in der Regel nur nach einer Gesundheitsprüfung abgeschlossen, während geförderte Pflegetagegeldversicherungen niemanden wegen einer Vorerkrankung ausschließen dürfen.

Viele der heute auf dem Markt befindlichen geförderten Tarife lassen keine ausreichende Absicherung zu. Um förderungsfähig zu sein, muss der Versicherer in Pflegegrad 5 nur eine Leistung von mindestens 600 € im Monat zahlen. Das ist zu wenig, um die Lücke zwischen den Pflegekosten und den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung zu schließen.

Wer eine geförderte Pflegetagegeldversicherung abgeschlossen hat, muss in der Regel auch im Pflegefall die laufenden Beiträge zahlen. Bei den meisten geförderten Tarifen wird damit im Pflegefall die Leistung unterm Strich durch den Versicherungsbeitrag reduziert. Bei vielen ungeförderten Tarifen ist dies nicht der Fall.

Geförderte Pflegetagegeldversicherungen ohne Leistungsanpassung verlieren an Wert. Denn die Verträge bestehen häufig sehr lange und am Ende wird, bedingt durch die Inflation lediglich eine relativ geringe Leistung ausgezahlt.

Kombination eines geförderten Tarifs mit einem ungeförderten Tarif

Die Versicherer haben Baukastentarife entwickelt, die sie ihren Kunden anbieten. Der zulagengeförderte Tarif als erster Baustein bietet in vielen Fällen abhängig vom Eintrittsalter lediglich die gesetzlichen Mindestleistungen. Jüngeren wird häufig zusätzlich ein Tarif mit höheren Leistungen angeboten. Da große Preisunterschiede bestehen, sollte man im Einzelfall vergleichen, ob solch eine Kombination tatsächlich Vorteile bringt.

Weitere Informationen

Informationen aus anderen Quellen

  • Stiftung Warentest: „Die staatlich geförderten Tarife taugen wenig“ 
  • Stiftung Warentest: „Gesetzliche Pflegeversicherung bleibt ein Teilkaskoschutz“

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Persönliche Beratung zur Versicherungen oder Altersvorsorge in den meisten Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen nach Terminvereinbarung.
  • Telefonische Beratung zu Verbraucherrecht montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Fest-netz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Homepage: www.verbraucherzentrale-hessen.de  
     

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: Januar 2019