Knigge im Krankenhaus: Tipps für Angehörige und Besucher

Besuch ist für Patienten im Krankenhaus mindestens genauso heilsam wie Medikamente und Untersuchungen. Allerdings gilt es als Besucher ein paar kleine Verhaltensregeln zu beachten, damit die Stippvisite wirklich für alle Beteiligten angenehm ist. Zu welcher Tageszeit stattet man am besten seinen Besuch ab? Muss das Handy in der Klinik ausgeschaltet sein? Besser Topfpflanze oder Schnittblumen als Mitbringsel?

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Krankenbesuch in der Klinik

Wann ist die beste Tageszeit für einen Krankenbesuch?

Zwar gibt es in den Krankenhäusern kaum noch feste Besuchszeiten, dennoch sollten Sie auf der Station nachfragen, welche Uhrzeiten sich für einen Krankenbesuch eignen, denn oftmals sind am Vormittag Arztvisiten oder wichtige Untersuchungen (meist vor 9:30 Uhr). Ebenso sollte die Mittagsruhe (ca. ab 11:30 Uhr) und die Nachtruhe (ca. ab 20:00 Uhr) akzeptiert werden. Wenn Sie vorab mit den Pflegekräften die Uhrzeiten absprechen, zu denen Sie Ihren Besuch abstatten wollen, vermeiden Sie zusätzlich Wartezeiten.

Kann ich mit Kind und Kegel zu Besuch kommen?

Am besten kommen Sie alleine oder zu zweit für einen Krankenbesuch in die Klinik. Größere Gruppen können für den Patienten, die Zimmergenossen und auch die Pflegekräfte schnell anstrengend werden. Wenn Sie doch einmal mehrere Besucher sein sollten, betreten Sie, aus den oben genannten Gründen, immer nur zu zweit das Krankenzimmer. In jedem Krankenhaus gibt es außerdem Cafeterien und Aufenthaltsräume zum Verweilen größerer Besuchergruppen. Je nach Krankheitszustand kann man den Erkrankten auch für eine gewisse Zeit hierhin mitnehmen.

Ist ein Überraschungsbesuch tatsächlich so eine gute Idee?

Melden Sie Ihren Besuch am besten vorher beim Patienten an. So kann dieser sich darauf einstellen. Wenn Sie in Begleitung kommen, sollte Sie auch dieses den Patienten mitteilen. Überraschungsbesuche können für den Erkrankten Stress bedeuten, denn je nach Krankheitszustand ist es auch möglich, dass der Patient Ruhe braucht oder nicht gestört werden möchte. Akzeptieren Sie auch, wenn der Patient nach einiger gewissen Besuchsdauer wieder etwas Ruhe haben möchte.

Mit welcher Aufmerksamkeit mache ich dem Patienten die größte Freude?

Blumen sind ein beliebtes Mitbringsel von Besuchern im Krankenhaus. Doch sollte darauf geachtet werden, dass es sich hierbei um keine Topfpflanze handelt. Diese kann nämlich in der Erde Keime enthalten. Besser eignet sich ein schöner bunter Strauß Schnittblumen. Jedoch Obacht bei Calla oder Nelken! Diese Blumen gelten als Trauerblumen und sind am Krankenbett eher unpassend.

Des Weiteren ist sicher jedes Geschenk prima, was dem Patienten die Zeit ein wenig vertreibt, wie Bücher, Zeitschriften, Rätselhefte oder Fotoalben. Bei Lebensmitteln ist es sinnvoll das Pflegepersonal vorab zu fragen, was der Patient essen darf. Lebensmittel die eine Kühlung brauchen, wie etwa Joghurt sind ebenfalls eher ungünstige Mitbringsel.

Darf man sich beim Patienten aufs Bett setzen?

Das Krankenbett ist für die Besucher tabu! Schließlich ist es der einzige persönliche Raum des Patienten im Krankenhaus. Lediglich wenn der Patient es sich wünscht, ist es in Ordnung Platz zu nehmen. Am besten nehmen Sie sich einen Stuhl und setzten sich ans Bett ran. Vor dem Patienten zu stehen und auf ihn herunterzuschauen, sollten Sie vermeiden.

Darf man die Krankenpflegerin „Schwester“ nennen?

Da man auch sonst niemanden mit der Berufsbezeichnung anspricht und es sich um keine gleichberechtigte Anrede handelt, ist diese Titulierung unangemessen. Für einen respektvollen Umgang mit den Pflegerinnen und Pflegern ist die Anrede mit Nachnamen angebracht. Ist dieser nicht direkt durch ein Namenschild ersichtlich – einfach nachfragen.

Ist telefonieren mit dem Handy im Krankenhaus verboten?

Auf manchen Stationen sind Handys nicht erlaubt, da sie die sensible Technik stören können. Ist dies jedoch nicht der Fall, darf das Handy angeschaltet bleiben. Nichtsdestotrotz: Telefonieren im Krankenzimmer sollte man tunlichst vermeiden, denn Zimmergenossen und auch der besuchte Patient können sich davon massiv gestört fühlen. In wirklich dringenden Fällen auf den Flur oder in einen Gemeinschaftsraum gehen oder noch besser: Vor die Klinik. Schöner ist es aber allemal, dem Erkrankten die volle Aufmerksamkeit zu schenken und einfach mal das Handy ausgeschaltet sein zu lassen.

Ist es ok, über die Erkrankung mit dem Patienten zu sprechen?

Löchern Sie den Erkrankten nicht mit Fragen. Wenn er über seine Krankheit aus freien Stücken reden möchte, schenken Sie ihm Ihr Ohr, seien Sie dabei aber nicht zu neugierig. Am besten überlegen Sie sich schon vor dem Besuch, was Sie dem Patienten erzählen möchten oder ob es Neuigkeiten gibt. Die Krankheit ist schon tagein tagaus Thema für den Patienten, ein paar lustige Geschichten oder Neuigkeiten heitern hingegen auf.

Und auf was sollte man außerdem achten?

Privatsphäre: Bevor Sie das Krankenzimmer betreten, sollten Sie immer zunächst anklopfen und auf ein „Herein“ warten. Es könnte sein, dass gerade pflegerische Maßnahmen oder eine Arztvisite stattfinden. Außerdem sollten Sie das Zimmer kurz verlassen, wenn sich Pflegepersonal und Ärzte zwecks Behandlungen ankündigen.

Hygiene: Im Krankenhaus gibt es viele Keime, deswegen sollte man sich vor Eintritt ins Krankenzimmer die Hände waschen und desinfizieren. Wer sich selbst mit einer Erkältung herum schleppt, sollte auf den Krankbesuch in der Klinik lieber verzichten, denn hier hilft auch der Desinfektionsmittelspender nicht.
Patiententoiletten sind übrigens ebenfalls aus hygienischen Gründen für die Besucher tabu. Auf den Krankenhausgängen finden sich spezielle Besucher-Toiletten.

Stand: September 2018