Was tun, wenn man ein Wildschwein trifft?

Im Herbst ist beim Joggen oder Spazierengehen im Wald die Begegnung zwischen Mensch und Wildschwein keine Seltenheit. Eckzähne und Körpermasse des sogenannten Schwarzwilds wirken bedrohlich. Doch ab wann geht tatsächlich eine Gefahr für den Menschen aus, wenn er auf Wildschweine trifft und wie verhält man sich richtig?

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Wildschwein im Wald

Wie gefährlich sind Wildschweine tatsächlich?

Wer beim Joggen und Spazierengehen auf den Waldwegen bleibt und sich nicht durch das Dickicht schlägt, wird nur in den seltensten Fällen auf ein Wildschwein treffen. Wer dennoch eins zu Gesicht bekommt, braucht nicht sofort in Panik auszubrechen, denn grundsätzlich handelt es sich bei den borstigen Waldbewohnern um friedliche Tiere, die eher Angst vor Menschen haben. Nichtsdestotrotz gilt das Wildschwein als das letzte wehrhafte Tier in deutschen Wäldern und in Extremsituationen kann dieses aggressiv und somit auch gefährlich werden, etwa wenn es Junge hat, verletzt ist oder sich in die Enge getrieben fühlt und keinen Fluchtweg mehr hat.

Wie verhalte ich mich im Wald auf Spaziergängen und Wanderungen?

  • Bleiben Sie immer auf den Wegen. Das dient nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern schützt auch den natürlichen Lebensraum der Waldtiere.
  • Essensreste gehören in den Mülleimer. Auf den Waldwegen entsorgte Lebensmittel locken das Schwarzwild an und nehmen ihm die Scheu vor den Menschen.
  • Füttern Sie die Tiere auch nicht bewusst. Diese falsch verstandene Tierliebe ist überdies strafbar.
  • Nehmen Sie den Hund im Wald an die Leine. Bei einem Zusammenstoß ist der Hund dem Schwarzwild immer unterlegen und kann mitunter lebensgefährlich verletzt werden.
  • Meiden Sie Hochsitze oder andere Einrichtungen zur Jagd.
  • Spazieren Sie nicht bei Dämmerung oder Nacht durch den Wald, denn zu dieser Nachtzeit sind die Wildschweine aktiv und erwarten keinen menschlichen Besuch an ihren Rückzugsorten.

Was tun, bei einer Wildschweinbegegnung?

  • Treffen Sie beim Waldspaziergang auf ein Wildschwein, bewahren Sie Ruhe. Ziehen Sie sich langsam und leise zurück und vermeiden Sie hektische Bewegungen. Helfen kann außerdem, während des Rückzugs ruhig und leise vor sich hin zu sprechen. Auf keinen Fall sollten Sie versuchen das Wildschwein zu verscheuchen.
  • Generell gilt: Wildschweine sind an und für sich keine gefährlichen Tiere. Finden die Wildschweine einen Fluchtweg, greifen Sie den Menschen nicht an. Aber aus genau diesem Grund ist es wichtig, den Tieren immer eine Rückzugsmöglichkeit zu geben. Engen Sie Wildschweine nicht ein und drängen Sie es auf keinen Fall in eine Zaun- oder Hausecke.
  • Es kann passieren, dass Wildschweine zunächst aus Versehen auf den Menschen zu rennen. Sie hören und riechen, dass mögliche Gefahr besteht, können allerdings, auf Grund ihrer schlechten Augen, nicht genau erkennen wo sich der vermeintliche Gegner befindet. In diesem Falle hilft es, laut zu rufen oder in die Hände zu klatschen.
  • Vorsicht ist geboten, wenn Sie auf ein Muttertier (Bache) mit Jungtieren (Frischlingen) stoßen, auch wenn diese sehr niedlich aussehen. Nähern Sie sich auf keinen Fall und fassen Sie die Frischlinge nicht an. Eine Bache verteidigt ihre Jungen um ihr Leben.
  • Treffen Sie auf ein verletztes Tier, weil es beispielsweise vom Auto angefahren oder bei der Jagd angeschossen wurde, ist äußerste Vorsicht geboten, denn diese Tiere verhalten sich oft aggressiv und greifen an. Wer auf ein solches Tier trifft, sollte schnellstmöglich die Polizei und die örtliche Ordnungsbehörde informieren.
  • Schnaubt das Wildschwein durch die Nase, sollten Sie sich besser in Acht nehmen. Dies ist als Drohung zu verstehen und bedeutet so viel wie: „Komm nicht näher!“.

Wenn die wilde Sau zu Besuch kommt –Tipps bei Schwarzwild im Garten

Wer nahe am Waldrand wohnt, kann gelegentlich Besuch von den borstigen Waldbewohnern bekommen, denn diese wittern mit ihrer guten Nase gewisse Leckereien schon von weitem, darum:

  • Fallobst, Blumenzwiebeln und Gemüseabfälle auf dem Komposthaufen sind für Wildschweine im wahrsten Sinne des Wortes „ein gefundenes Fressen“. Daher: Machen Sie mögliche Nahrungsquellen unzugänglich! Sammeln Sie das Fallobst auf oder nutzen Sie stabile Gehäuse für Biotonne oder Komposthaufen.
  • Ein Zaun ums Grundstück kann zusätzlichen Schutz bieten. Dieser sollte aber mindestens 1,50 m hoch sein, einen massiven Betonsockel aufweisen und etwa 40 cm tief in die Erde eingebracht werden, sonst können die Tiere den Zaun mit ihren Rüsseln anheben und kleine Zäune sogar überspringen.
  • In sogenannten „befriedeten Gebieten“, also in Wohngegenden, Parks und Gartensiedlungen ist die Jagd auf Wildschweine gesetzlich verboten. Lediglich in Ausnahmefällen, wie etwa die Gefahrenabwehr, ist das Schießen eines geschulten Jägers auf Wild erlaubt.
  • Auf keinen Fall sollte man versuchen, die Tiere auf eigene Faust zu vertreiben. Im Zweifel kontaktiert man lieber die Polizei, die Jagd- oder Naturschutzbehörde.
  • Wichtig: Für Schäden im Garten durch die Borstentiere, muss der Garteneigentümer leider selbst aufkommen, denn die Schweine haben keinen Halter, der mögliche Schäden übernehmen kann. Auch Versicherungen springen hier nicht ein: Zwar gibt es Policen gegen Beschädigungen durch Tiere, jedoch kommen diese nur bei Golfplätzen zum Einsatz, nicht jedoch bei Privatleuten.

Stand: Oktober 2018