Vorsicht im Freien: Dieses Jahr lauern mehr Zecken

Während die Nützlinge unter Insekten und Spinnentieren abnehmen, nehmen unerwünschte Plagegeister zu. Dieses Jahr werden besonders viele Blutsauger erwartet. Auch neue Arten kommen dazu, die größer sind und Mensch und Tier noch einige Meter verfolgen können. Wie schützt man sich vor Zecken?

Zecke Haut Blut © Stefan Schejok - Fotolia.jpg

Zecke auf Haut

Die Natur ist ein Erholungsraum. Doch die Freude am Spaziergang durch den Wald, bei der Radtour durch die Felder oder dem Ausruhen auf der Gartenbank kann durch Zecken getrübt werden. Mit „Zecke“ ist meist der Gemeine Holzbock gemeint, der zwei bis vier Millimeter groß ist. Eine vollgesaugte weibliche Zecke kann bis zu 12 Millimeter groß werden, die Männchen bleiben etwas kleiner.

2019 wird zeckenreich

Zecken brauchen nicht viel Wärme, um aktiv zu werden. Sobald das Wetter an mehreren Tagen über sieben Grad liegt, verlassen sie ihr Winterquartier. Das war dieses Jahr bereits im Februar der Fall. Da die Winter in den letzten Jahrzehnten immer kürzer und wärmer geworden sind, hat sich auch der Zeitraum, in dem die Zecken aktiv sind, ausgedehnt.

Weil sich heiße Sommer und milde Winter günstig auf das Vorkommen der Zecken auswirken, werden für das Jahr 2019 viele Zecken erwartet. Somit ist auch das Risiko für Zeckenstiche und den damit verbundenen Infektionen höher.

Zecken brauchen Blut für ein langes Leben

Ohne Blut können Zecken sich nicht entwickeln. Damit sie sich vom Ei zur Larve, von der Larve zur Nymphe und von der Nymphe zur erwachsenen Zecke entwickeln können, brauchen sie für jeden Entwicklungsschritt Blut. Das Weibchen benötigt noch eine weitere Blutverpflegung für die Eiablage.

Zecken sind aber auch genügsame Lebewesen. Mit einer einzigen Blutmahlzeit können sie bis zu zehn Jahre überleben, zumindest im Laborversuch. In der freien Natur halten sie ohne Wirt drei bis fünf Jahre durch. Doch sobald sie sich um die Fortpflanzung gekümmert haben, sterben sie - das Männchen nach der Begattung und das Weibchen nach der Eiablage.

Zecken übertragen gefährliche Krankheiten

Zecken bilden selbst keine Gifte. Sie können jedoch mit Krankheitserregern infiziert sein, die sie bei einem Stich auf Mensch und Tier übertragen.

Daher können Zecken die Krankheiten Borreliose und Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) übertragen. Letztere ist eine Gehirnhautentzündung, vor der eine Impfung schützt. Gegen Borreliose gibt es keinen Impfschutz, jedoch lässt sich die Krankheit mit Antibiotika gut behandeln.

Neue Risikogebiete in Deutschland

Die Zecken haben sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland von Süden aus Richtung Norden weiter ausgebreitet. Derzeit gehören zu den Risikogebieten 161 der 294 Landkreise Deutschlands. Zu den betroffenen Gebieten gehören große Teile von Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Regionen in Süd- und Mittelhessen, Sachsen und Thüringen. Erstmals ist mit dem Emsland in Niedersachsen auch ein Landkreis in Norddeutschland davon betroffen.
Wer also Urlaub in Deutschland macht und sich bei Waldspaziergängen und Radtouren im Freien aufhält, sollte sich vorher erkundigen, ob der Urlaubsort in einem Risikogebiet für Zecken liegt.

Wie kann man sich vor Zecken schützen?

Am besten ist es natürlich, wenn man nicht von einer Zecke gestochen wird. Passiert es dennoch, ist rasches Handeln wichtig. Schutz vor Zeckenstichen und seinen Folgen erreicht man durch folgende Maßnahmen:

  • Zeckenstich vermeiden:
    * Bei einer Kleidung mit langen Ärmeln, langen Hosen und mit über die Hosenbeine gezogenen Socken haben Zecken wenig Chance, Hautkontakt zu bekommen. Optimal ist helle Kleidung, da sich die Zecken besser erkennen lassen. Gummistiefel schützen ebenfalls vor Zecken.
    * Auftragen von Insektenschutzmitteln auf die Haut
     
  • Zeitnah den ganzen Körper nach Zecken absuchen
    Der ganze Körper ist nach einem Aufenthalt im Freien nach den winzigen Zecken abzusuchen, da sie auf dem Körper herumkrabbeln, bis sie eine gute Einstichstelle gefunden haben. Diese finden sie vor allem an dünnen und warmen Hautstellen, also in den Kniekehlen, im Bauch- und Brustbereich sowie im Schritt. Bei Kindern, gelegentlich auch bei Erwachsenen, sind Zecken außerdem am Kopf, am Haaransatz oder im Nacken zu finden.

    Die FSME-Erreger gelangen beim Stich sofort in die Wunde. Die Übertragung der Borreliose-Bakterien beim Zeckenstich braucht 12 bis 24 Stunden. Je länger die Zecke im Körper haften bleibt, desto höher ist also das Risiko einer Borreliose-Infektion. Deshalb ist ein sofortiges Absuchen der Kleidung bzw. des Körpers nach Zecken so wichtig.
     
  • FSME-Impfung

Zecken richtig entfernen

Zur Entfernung einer Zecke auf der Haut eignen sich Hilfsmittel wie Pinzette oder eine Zeckenzange. Damit den Zeckenkörper so nah wie möglich an der Haut fassen und langsam und gerade aus der Haut ziehen. Anschließend die Einstichstelle desinfizieren.

Neue Zeckenarten infolge milder Temperaturen

Die milden Temperaturen der letzten Jahre haben noch andere ungünstige Auswirkungen. Sie sorgen dafür, dass sich auch neue Zeckenarten bei uns wohlfühlen. Hierzu gehören die tropische Hyalomma-Zecke und die Auwaldzecke.

Diese Zecken werden deutlich größer als der Gemeine Holzbock, weshalb man sie leicht mit einer Spinne verwechseln kann. Sie warten auch nicht, bis ein Mensch oder ein Tier vorbeikommt um sich von einem Strauch abstreifen zu lassen, sondern gehen selbst auf die Jagd. Auch diese Zecken übertragen gefährliche Erreger wie Fleckfieber-Bakterien oder das Krim-Kongo-Fieber-Virus. Die Auwaldzecke überträgt zudem Erreger, die beim Hund Babesiose, auch Hundemalaria genannt, auslöst.

Zecken sind wahre Überlebenskünstler – auch in der Wohnung

Nach dem Spaziergang im Wald oder der Gartenarbeit wird geschaut, ob sich nicht im Haar oder auf der Haut eine Zecke festgebissen hat. Doch was ist mit den Zecken, die sich noch in der Kleidung befinden oder mit Haustieren in die Wohnung eingeschleppt werden?

Bei Härtetests mit Zecken in unterschiedlichen Entwicklungsstadien gab es folgende Ergebnisse:

  • Zecken werden erst bei 60 Grad Celsius oder im Wäschetrockner abgetötet. Beim Waschen bei 40 Grad Celsius war die Überlebensrate der Nymphen und der erwachsenen weiblichen Zecken sehr hoch.
  • Niedrige Minusgrade machen Zecken wenig aus. So überlebten die meisten Zecken einen Tag im Tiefkühlfach bei minus 12 Grad Celsius.
  • Zecken können auch bis zu drei Wochen unter Wasser überleben.
  • Für Zecken ist die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung viel zu niedrig. Dennoch können auch nicht vollgesogene Zecken nach dem Einschleppen durch Mensch oder Haustier in der Wohnung noch einige Tage überleben. Im Zeckenhärtetest überlebten Nymphen bei 55 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit drei bis fünf, erwachsene Zecken sogar bis zu zehn Tage.

Übrigens: Vögel freuen sich über Zecken

In der Natur haben Zecken durchaus ihren Nutzen. Zecken sollen die Population von Lebewesen regulieren. Auch sollen sie für Vögel eine nahrhafte Futterquelle sein. (fra)

Stand: April 2019