Vertickt und abgezockt: Mal ist die Eintrittskarte ungültig, mal gibt es die Veranstaltung gar nicht

Beim Kauf und Tausch von Online-Tickets können Verbraucher ihr blaues Wunder erleben: Oft warten überhöhte Preise, unzulässige Gebühren oder sogar gefälschte Tickets auf die Fans. Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Bayern hat die Ticketbörse Viagogo inzwischen vor dem Landgericht München verklagt.

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Ausschnitt einer Konzertkarte

Online-Ticketbörsen wie Viagogo bieten im Internet eine Plattform an, auf der private Verkäufer Konzert- oder Fußballtickets anbieten können, wenn sie selbst nicht an der Veranstaltung teilnehmen können. Oft findet man hier noch Karten für ein bereits ausverkauftes Konzert. Klingt erstmal gar nicht so schlecht, allerdings sind die Geschäftspraktiken solcher Online-Marktplätze eher verbraucherunfreundlich.

Ticketbörse ist nur Vermittler

So fungiert Viagogo lediglich als Vermittler zwischen Verkäufer und Käufer. An der Verkaufsabwicklung sind die Ticketbörsen nicht weiter beteiligt. Auf den ersten Blick macht die Secondhand-Ticketbörse allerdings einen offiziellen Eindruck – das kann beim Kunden zu Verwirrungen führen. Grund ist, dass die Plattformen bei der gesamten Kaufabwicklung die Identität des Verkäufers nicht angibt. So entsteht der Anschein, es würde sich um eine offizielle Ticketverkaufsseite handeln.

Gesalzene Ticketpreise und versteckte Kosten

Auf den Plattformen handeln nicht bloß Privatleute mit einzelnen Tickets. Häufig sind hier professionelle Weiterverkäufer tätig, die frühzeitig ein großes Kontingent an Karten von offiziellen Ticketverkaufsstellen erwerben, um diese dann zu deutlich höheren Preisen in den Ticketbörsen anzubieten. Dies ist ein besonders lukratives Geschäft, wenn die Veranstaltung begehrt und die Tickets schnell ausverkauft sind.

Neben den überteuerten Kartenpreisen bei bereits ausverkauften Veranstaltungen, nimmt die Online-Ticketbörse noch eine Vermittlungsgebühr, deren Höhe dem Käufer erst mitgeteilt wird, nachdem er die Zahlungsinformationen eingegeben hat. So schießen die Kosten für Konzerttickets schnell ohne ersichtliche Vorwarnung in die Höhe.

Zeitdruck bei der Kaufentscheidung

Zusätzlich weist eine Anzeige darauf hin, wie viele Kunden vermeintlich ebenfalls gerade an denselben Konzerttickets interessiert sind oder die Eintrittskarten werden in roter Schrift mit „nur noch wenige Tickets verfügbar“ deklariert. Ob diese Aussagen tatsächlich der Wahrheit entsprechen, lässt sich nur schwerlich nachprüfen. Dennoch sollen die Anzeigen Druck auf die Kaufentscheidung des Kunden ausüben und zu Spontankäufen anspornen.

Ist das Ticket erstmal gekauft, gibt es kein Zurück

Hat der Kunde sich für die Tickets entschieden und den Bestellvorgang abgeschlossen, ist ein Widerruf nicht mehr möglich. Dies ist sogar nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) §312g rechtens. Demnach besteht kein Widerrufsrecht bei Dienstleistungen, die in „Zusammenhang mit Freizeitbeschäftigungen stehen und der Vertrag für die Erbringung einen spezifischen Termin oder Zeitraum vorsieht.“

Veranstaltung fällt aus – und nun?

Wenn die Veranstaltung kurzfristig ausfallen muss, trägt der Viagogo-Kunde die zusätzlichen Kosten. Denn erstattet wird nur der Betrag, den das Ticket an der offiziellen Verkaufsstelle gekostet hat. Vermittlungsgebühren und weitere Kosten, die der Verkäufer auf das Ticket geschlagen hat, sieht der Kunde nicht mehr wieder.

Betrügerei mit falschen Tickets

Immer häufiger kommt es auch vor, dass gefälschte Tickets zu horrenden Preisen auf den Plattformen angeboten werden. So wurden noch vor dem offiziellen Verkaufsstart durch die FIFA bereits Karten für die Fußball-WM in Russland angeboten oder Tickets für ein Konzert verkauft, welches nie geplant gewesen war.

Die Veranstalter reagieren allerdings bereits. So werden inzwischen häufiger Veranstaltungstickets nur noch personalisiert verkauft. Das bedeutet, dass auf dem erworbenen Ticket der Name des Käufers vermerkt ist. Wer dann eine solche bereits personalisierte Karte aus zweiter Hand erwirbt, muss damit rechnen, die Veranstaltung nicht besuchen zu dürfen und am Einlass abgewiesen zu werden.

Zudem verkaufen die Veranstalter oft nur noch eine begrenzte Anzahl an Tickets pro Person. Auf diese Weise soll den professionellen Weiterverkäufern das Handwerk gelegt werden.

Worauf sollte man achten beim Ticketkauf über Online-Ticketbörsen?

  • Werfen Sie zunächst einen Blick auf die Website des Künstlers, dessen Veranstaltung Sie besuchen möchten. Findet das Konzert tatsächlich statt, für welches in der Ticketbörse Karten angeboten werden?
  • Schauen Sie auf die Websites der offiziellen Ticketerstanbieter wie beispielsweise Eventim oder Ticketmaster. Oftmals werden bereits Tickets aus zweiter Hand auf den Online-Ticketbörsen angeboten, obwohl es noch Karten in den offiziellen Verkaufsstellen gibt.
  • Haben Sie tatsächlich ein gefälschtes Ticket erworben, sollten Sie umgehend Strafanzeige erstatten, denn Sie haben theoretisch Anspruch auf die Rückerstattung des Ticketpreises.
  • Der sicherste Weg für Verbraucher an Konzerttickets zu kommen, ist der Kauf über offizielle Verkaufsstellen.

Stand: September 2018

Übrigens...

Wer seine Eintrittskarten zu Hause selbst ausdruckt, darf dafür nicht zur Kasse gebeten werden. Dies hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil gegen Eventim entschieden! Wer solche Gebühren in der Vergangenheit bezahlt hat – auch bei anderen Händlern – kann diese zurückfordern.

Die Verbraucherzentrale bietet hierzu einen Musterbrief an.