Thermen in Hessen – Wohltat für Körper und Seele

Nicht nur wenn es draußen ungemütlich ist locken fast 30 Thermalbäder in Hessen mit einem Wohlfühlprogramm. Hier erfahren Sie mehr über die verschiedenen Angebote und die gesundheitlichen Wirkungen der Anwendungen.

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Leute in der Sauna
Leute in der Sauna

Römisch-irische Bäder

Schon die alten Römer wussten um die wohltuende und heilende Wirkung der Thermen. Überall in den römischen Provinzen entstanden vor rund 2.000 Jahren römische Bäder, die teilweise prächtig ausgestaltet waren. Der Ablauf des Baderituals folgte bestimmten Vorschriften, die größtenteils noch heute Gültigkeit haben. Allerdings war es den Badenden freigestellt, die Reihenfolge selbst zu wählen.

Nach der körperlichen Reinigung begann man zunächst mit dem Caldarium. Dies war ein Raum, dessen Wände, Boden und Sitzbänke mittels heißer Luft (durch ein so genanntes Hypokausten-System) gleichmäßig auf bis zu 50°C aufgeheizt wurden. Anschließend ging man in das Tepidarium. Dieser Raum wurde gleichermaßen beheizt, allerdings mit etwas geringerer Wärme um die 40°C. Dort hielt man sich länger auf.

In einigen Bädern gab es ein Sudatorium, das als Dampfschwitzbad bezeichnet werden kann. Die ebenfalls mit dem Hypokausten-System beheizten Fußboden-Steine des Raumes wurden mit Wasser besprengt, so dass ein feucht-heißes Klima erzeugt werden konnte. Eine Abwandlung dieses Baderaums wurde Laconium genannt. Dieser halbrunde oder runde Raum besaß zusätzlich zur Fußbodenheizung meist ein Kohlebecken und in der Mitte ein flaches Becken mit Wasser, mit dem sich die Badenden besprengten. Zur anschließenden Abkühlung ging man ins Frigidarium. Dies war ein Kaltbaderaum mit einem Kaltwasserbecken, in das man sich eintauchte. 

In der Antike war es üblich, sich zwischen den Badegängen einzuölen und das Öl mit einem Schaber wieder abzustreifen. Damit wurden Schweiß und mit ihm ausgeschwemmte Stoffe von der Haut entfernt.

Auch heutzutage hat sich an den Grundzügen dieser römisch-irischen Badekultur nichts Wesentliches geändert. Auf Wärme folgt Kälte und umgekehrt. In der Antike waren für die Erhitzung der Baderäumlichkeiten Sklaven zuständig, heutzutage erledigen durch moderne Elektronik gesteuerte Heiz- und Luftbefeuchtungssysteme diese Arbeit.

Sauna

Eine Abwandlung der oben beschriebenen Heißluft-Badekultur ist die finnische Sauna. Auch dort wechseln sich heiße und kalte Anwendungen ab. Die Wärmekabine bzw. der Wärmeraum besteht in der Regel aus Holz, die Beheizung erfolgt mittels eines im Raum befindlichen Ofens. Dieser besteht heutzutage aus einem elektrischen Heizelement und darauf geschichteten Lavasteinen. Die Luft wird auf eine hohe Temperatur meist zwischen 80 und 100 °C aufgeheizt. Die Luftfeuchtigkeit in der Sauna ist sehr gering und wird je nach persönlichen Vorlieben lediglich gegen Ende des etwa zehn- bis zwölf-minütigen Badegangs durch den so genannten Aufguss kurzzeitig erhöht. Beim Aufguss wird mit einer Holzkelle eine geringe Menge Wasser, dem nach Bedarf ätherische Duftstoffe bzw. -öle zugesetzt wurden, auf die Steine des Saunaofens gegeben. Dieses Wasser verdampft sofort und der eventuell aromatisierte Dampf verstärkt das Wärmegefühl auf der Haut und führt zu verstärkter Schweißproduktion.

Nach jedem Saunagang – bis zu drei sind empfehlenswert – geht man zunächst an die frische Luft und kühlt sich danach mit kaltem Wasser aus einem Schlauch oder einer Schwallbrause ab. Soweit vorhanden, kann man sich auch zusätzlich in ein Tauchbecken mit kaltem Wasser begeben. Nach dem Abtrocknen wird eine etwa zehnminütige Ruhephase in ruhiger Umgebung empfohlen, bevor man den nächsten Saunagang beginnt.

Dampfbad

Stellvertretend für die vielen verschiedenen Varianten des Dampfbades wird hier vereinfachend der Begriff „Dampfbad“ verwendet. Die Innenauskleidung des Raums für ein Dampfbad besteht aus feuchtigkeitsunempfindlichem Material wie Kunststoff oder Fliesen. Die Badetemperatur ist deutlich geringer als bei der Sauna und beträgt zwischen 40 und 45 °C. Dafür ist die Luftfeuchtigkeit im Dampfbad sehr hoch und kann bis zu 100 Prozent erreichen. Der Wasserdampf entströmt aus einem elektrisch betriebenen Verdampfersystem, die Beheizung erfolgt ebenfalls elektrisch. Die Verweildauer im Dampfbad ist in der Regel länger als in der Sauna und kann je nach Vorlieben 15 bis 20 Minuten oder länger betragen. Nach dem Dampfbad kühlt man sich durch die Anwendung von kaltem Wasser ab.

Gesundheitliche Wirkungen

Allen Badeformen ist gemein, dass sie auf dem Wechsel zwischen warmen und kalten Anwendungen beruhen. Durch die über der Körpertemperatur liegende Raumwärme erweitern sich die Blutgefäße, die Durchblutung der Haut und der darunter liegenden Muskulatur wird verbessert. Die Körpertemperatur erhöht sich gegebenenfalls, bei der Sauna zum Beispiel um bis zu zwei Grad. Dieses kurzzeitige „künstliche Fieber“ soll das Immunsystem anregen. Die Haut beginnt zu schwitzen. Das führt dazu, dass die entzogene Flüssigkeit aus dem Blut durch Gewebsflüssigkeit samt der darin enthaltenen Stoffwechselabbauprodukte ersetzt wird. Diese werden über den Urin ausgeschieden. Übrigens: Dieser Mechanismus würde gestoppt, wenn man während oder zwischen den Badegängen trinkt. Deshalb soll erst nach Beendigung des Bades getrunken werden, dann jedoch bitte reichlich Mineralwasser (und keinen Alkohol) zu sich nehmen!

Die Abkühlung zwischen und nach den Badegängen führt dazu, dass sich die Blutgefäße wieder zusammenziehen und das Blut wieder zurück in den Körper fließt. Das ist ein Fitnessprogramm für den Kreislauf.

Welche gesundheitliche Auswirkungen den verschiedenen Badeformen auch zugeschrieben werden: Sie wirken sämtlich wohltuend und entspannend. Und in der feucht-kalten Jahreszeit sind regelmäßige Besuche von Sauna, Dampfbad & Co. ideal, um Erkältungskrankheiten vorzubeugen.

Wobei helfen Wärmebäder nicht? Und wer sollte besser davon Abstand nehmen?

Kurz gesagt: Sauna & Co. helfen nicht beim Abnehmen, auch wenn sich dieses Gerücht hartnäckig hält. Die durch den Flüssigkeitsverlust kurzzeitig wahrnehmbare Gewichtsreduktion wird durch Trinken schnell wieder ausgeglichen.

Vorsichtig sollten Personen sein, die an chronischen Erkrankungen oder Bluthochdruck leiden. Auch wer akute Entzündungen oder eine schon ausgebrochene Erkältung hat, sollte Thermalbäder oder Saunabesuche vermeiden. Im Zweifel sollte der behandelnde Arzt befragt werden.

Thermen in Hessen und Deutschland

In Hessen gibt es zahlreiche und vielfältige Thermal- und Erlebnisbäder, die Erholung, Badespaß und Entspannung und noch viel mehr bieten können. Imposante Saunalandschaften sowie diverse Wellness- und Erlebnistempel verwöhnen Körper und Geist.

Informationen über die in Hessen vorhandenen Thermen und Wellness-Bädern sind auf folgenden Internetseiten zu finden:

Thermen in Deutschland sind nach Bundesland gegliedert auf der Internetseite "Thermenverzeichnis" zu finden.

Stand: Oktober 2018