Tauchen – Tipps, damit die Entdeckungstour in Gewässern nicht zum Albtraum wird

Wie wär´s mal mit Tauchen anstatt Schwimmen? Aber Vorsicht: Damit der Blick in die Unterwasserwelt unvergessliche Bilder produziert und kein Albtraum wird, gibt es einige Dinge zu beachten – nicht nur im Ausland, sondern auch beim Tauchen in heimischen Seen. Das Verbraucherfenster gibt Ihnen die wichtigsten Tipps für Ihre Erkundungstour.

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Drei Taucher mit Schnorcheln an der Wasseroberfläche

Eine Woche Malediven für 1000 Euro, Gran Canaria für knapp die Hälfte und eine Woche Mallorca schon ab 300 Euro: Da bekommen selbst hartgesottene Heimatliebende Lust, sich in den nächsten Flieger zu setzen und ins kühle Nass zu stürzen. Weißer Sandstrand, blaues Meer – was will man mehr? Wie wär`s mal mit Tauchen anstatt Schwimmen? Tauchermaske, Flossen und Schnorchel gibt es im Urlaubsort oft am nächsten Kiosk oder in der professionellen Tauchschule. Aber Vorsicht: Damit der Blick in die Unterwasserwelt unvergessliche Bilder produziert und kein Albtraum wird, gibt es einige Dinge zu beachten – nicht nur im Ausland, sondern auch beim Tauchen in heimischen Seen. Das Verbraucherfenster gibt Ihnen die wichtigsten Tipps für Ihre Erkundungstour. VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke hat hierfür mit Ilka Willand gesprochen. Sie ist Tauchlehrerin und Pressesprecherin beim Hessischen Tauchsportverband.

VF: Flossen, Schnorchel, Brille und Badeanzug und los geht`s. Oder fehlt noch etwas fürs Tauchen in den heimischen Gewässern? 

Willand: Was die meisten unterschätzen, aber mit am wichtigsten ist, ist der Sonnenschutz. Beim Schnorcheln ist man der Sonne direkt ausgesetzt und das Wasser reflektiert die Strahlen zusätzlich. 

VF: Ist das wirklich so wichtig?

Willand: Ja! Denn sonst droht Sonnenbrand. Um diesem vorzubeugen, kann man ein ganz normales T-Shirt oder ein Neoprenshirt über die Badesachen anziehen. Beine und Kniekehlen sollte man unbedingt mit wasserfester Sonnencreme einreiben. 

VF: Ok. Sonnenschutz ist das eine. An was muss ich noch denken?

Willand: Wenn man beim Schnorcheln tiefer abtauchen will als zwei Meter, reicht eine Schwimmbrille nicht mehr aus. Dann braucht man eine Tauchermaske, die auch die Nase mit umfasst, damit man im Bereich der Augen einen Druckausgleich machen kann.

VF: Was passiert sonst?

Willand: Im Bereich der Augen kann ein Unterdruck entstehen: die Folge sind geplatzte Blutgefäße und rote Augen.

VF: Wie teile ich meine Luft am besten ein, wenn ich tiefer als zwei Meter tauchen will? 

Willand: Am besten ganz ruhig etwa drei Mal tief aus- und einatmen. Dann im 90-Grad-Winkel ganz gerade abtauchen, damit man Kraft spart. Direkt nach dem Abtauchen muss man den Druckausgleich in den Ohren machen. Jeder kennt das unangenehme Gefühl von Druck auf den Ohren. Dann ist es eigentlich schon zu spät. 
Für den Druckausgleich gilt: Nase zuhalten und dagegen ausatmen, bis es leicht in den Ohren knackt. Das kann man an der Oberfläche schon mal trocken üben. Um den Druckausgleich in der Maske zu machen, einfach durch die Nase in die Tauchermaske ausatmen.

VF: Und den Schnorchel, schiebe ich den bei tieferem Tauchen einfach zur Seite?

Willand: Den Schnorchel sollten Sie bei längeren Tauchstrecken oder beim tieferen Tauchen aus dem Mund nehmen. Wenn man auftaucht, kann man erst mal ohne Schnorchel tief einatmen. Dann ist die Gefahr nicht gegeben, dass man sich durch den Schnorchel verschluckt.

VF: Verschlucke ich mich denn beim Schnorcheln? 

Willand: Das kann passieren, wenn Wasser von oben hinein schwappt. Deshalb muss man den Schnorchel regelmäßig kräftig auspusten. 

VF: Eine Sauerstoffflasche bekomme ich ja nicht einfach so, richtig? 

Willand: Um mit Flasche und Gerät zu tauchen, muss man einen Tauchschein haben. 

VF: Ist der Neoprenanzug ein Muss? 

Willand: Beim Schnorcheln ist er kein Muss, schützt aber sehr effektiv vor Sonnenbrand und Auskühlung. Beim Gerätetauchen ist er ein Muss, denn die Temperaturen sinken in den heimischen Seen ab etwa sieben Metern Tiefe rapide ab, so dass die Gefahr der Auskühlung ohne Anzug zu groß ist. 

VF: Sollte ich vor dem Tauchen in heimischen Gewässern einen Kurs belegt haben oder geht das auch so? 

Willand: Man sollte auf jeden Fall einen Kurs belegt haben, bevor man mit Gerät ins Wasser geht. In Hessen gibt es viele Tauchsportvereine, bei denen man das Tauchen sicher und preiswert lernen kann. Oft kann man dort auch die Ausrüstung leihen. Auf der Website des Hessischen Tauchsportverbands kann man sich informieren, welche Vereine es in der Nähe des eigenen Wohnortes gibt. (Link siehe unten unter https://htsv.org/ausbildung/tauchen-lernen/)

VF: Gut zu wissen. Nach welchen Kriterien suche ich mir denn vor Ort eine gute Tauchschule aus? 

Willand: Wenn man zu Hause tauchen lernen will, empfehle ich, sich einen Verein zu suchen, der nach den Regeln des Verbands Deutscher Sporttaucher (VDST) und des Welttauchverbandes (CMAS) ausbildet. Die Tauchlehrer in den Vereinen nehmen sich für die Tauchkurse Zeit und haben nicht den Druck, damit Geld verdienen zu müssen. Auch an den Urlaubsorten findet man CMAS-Tauchbasen, die vor Ort eine gute Ausbildung vermitteln.

VF: Und was lerne ich in dem Kurs?

Willand: In einem Tauchkurs für Anfänger stehen Theorie und Praxis auf dem Programm. Man lernt, welche Auswirkungen der steigende Wasserdruck auf den Körper hat, wenn man tiefer abtaucht. Man lernt in der Praxis, wie man mit Tauchflasche, Atemregler und Tarierweste umgeht, damit man sich sicher unter Wasser bewegen kann.

VF: Also bin ich dann für einen Tauchgang bestens gerüstet? Oder gibt es trotz Kurs Dinge, auf die ich achten sollte?

Willand: Nach einem Anfängerkurs sollte man auf jeden Fall erst einmal mit erfahrenen Tauchern in den heimischen Seen tauchen gehen und Erfahrungen sammeln. Oft ist die Sicht hier schlechter als in den Urlaubsorten und es ist kälter. Man braucht Neoprenanzug, Kopfhaube und Handschuhe, an die man sich gewöhnen muss. Es gibt aber auch hier viele tolle Fische und Pflanzen zu entdecken und wenn man dann in einen Urlaubsort fährt, fällt einem alles umso leichter. 

VF: Und für das Schnorcheln?

Willand: Für das Schnorcheln braucht man nicht unbedingt einen Kurs. Allerdings kann man für das Schnorcheln beim regelmäßigen Schwimmbadtraining im Tauchverein viel lernen. Dort stehen regelmäßig Flossentechnik, effektives Abtauchen und der Umgang mit Schnorchel und Maske auf dem Programm.

VF: Was spricht fürs Tauchen – oder lässt sich auch mit Schnorcheln viel erkunden? 

Willand: Beim Tauchen mit Gerät hat man mehr Möglichkeiten als beim Schnorcheln. Man kann länger unter Wasser bleiben, tiefer gehen und auch interessante Orte wie Wracks oder Riffe erkunden, die bis zu 40 Meter tief liegen. Andererseits braucht man dafür eben auch spezielle Ausrüstung und eine entsprechende Ausbildung.

VF: Worauf muss ich beim Tauchen mit Gerät und beim Schnorcheln achten? 

Willand: Beim Tauchen mit Gerät gilt: Tauche nie alleine. Tauchen ist ein Team- und Partnersport. Falls es unter Wasser Schwierigkeiten gibt, hat man seinen so genannten „Tauchbuddy“, der einem in jeder Situation helfen kann. Außerdem macht es viel mehr Spaß, sich nach dem Tauchgang mit jemandem über das, was man erlebt und gesehen hat, zu unterhalten. Auch beim Schnorcheln sollte man – gerade im Meer – nicht unbemerkt alleine losschwimmen und sich vor allem nicht zu weit vom Land entfernen. 

VF: Haben Sie Tipps im Umgang mit dem Schnorchel oder läuft alles ganz automatisch, wenn ich im Wasser bin? 

Willand: Wichtig ist, dass man durch den Schnorchel gut ein- und ausatmen kann. Wenn Wasser von oben in den Schnorchel eindringt, muss man es mit einem kurzen, starken „Puster“ oben wieder heraus befördern. Dazu muss man noch nicht einmal den Kopf aus dem Wasser heben.

VF: Dass ich schwimmen können muss, versteht sich von ganz alleine. Aber mit welchen Gefahren muss ich rechnen, wenn ich hierzulande ins Wasser gehe? 

Willand: In Flüssen sollte man die Strömung im Auge behalten. In Flüssen und Baggerseen muss man gegebenenfalls auch auf Schiffs- und Bootsverkehr achten. 

VF: Kann ich ertrinken, weil ich beispielsweise in einen Strudel oder eine Strömung gezogen werde?

Willand: In unseren heimischen Seen besteht diese Gefahr in der Regel nicht. In größeren Flüssen wie dem Rhein sollte man auf keinen Fall zu weit vom Ufer wegschwimmen oder Schnorcheln, da es Verwirbelungen unter der Wasseroberfläche gibt, die man zunächst mal gar nicht sieht. Auch in der Nähe von Booten entstehen Strömungen, die auch für sehr gute Schwimmer gefährlich werden können. Durch starke Auskühlung im Wasser kann neben der Erschöpfung auch Kreislaufversagen zum Problem werden.

VF: Wie verhalte ich mich, wenn ich Tierarten unter Wasser begegne? 

Willand: Die meisten Fische und Krebse in den heimischen Baggerseen sind recht scheu und suchen schnell das Weite. Im heimischen Baggersee kann man mit etwas Glück einem Wels begegnen, der immerhin zwei Meter und größer sein kann.

VF: Und im Ausland? Ist es realistisch, dass der berühmte Hai auf mich zukommt?

Willand: Je nachdem wo man hinfährt, ist das durchaus möglich. Auf den Malediven zum Beispiel gibt es kleinere Riffhaie, die einem beim Schnorcheln sehr nahe kommen. Sie sind aber harmlos und schön zu beobachten. 

VF: Und wenn dann doch ein richtig großer Hai auf mich zukommt? Habe ich da eine Chance?

Willand: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Ja. In Ägypten kann man beim Tauchen durchaus auf einen Weißspitzen-Hochseehai treffen, der ist in der Regel immerhin zwei Meter lang. Eins dieser Exemplare umkreiste meine Tauchpartnerin und mich ziemlich lange, was für diesen Hai nicht ungewöhnlich ist. 

VF: Und wie haben Sie reagiert?

Willand: Instinktiv haben wir uns im Wasser Rücken an Rücken gestellt, um ihn im Auge zu behalten. Wir waren in der Nähe des Tauchbootes und sind dann zügig aus dem Wasser gestiegen, um keine Gefahr einzugehen. Es ist toll diese Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, aber Respekt ist auf jeden Fall angebracht. 

VF: Wenn ich nun vor dem azurblauen Meer stehe: Maske auf, Schnorchel in den Mund, Flossen an und rein ins Wasser? Oder worauf kommt es beim Tauchen im Meer an? 

Willand: Im Meer sollte man darauf achten, nichts anzufassen und beim Schnorcheln auch auf umherschwimmende Quallen zu achten, um Vernesselungen vorzubeugen. Damit man sich die Füße nicht an Steinen oder scharfkantigen Korallenresten am Strand aufschneidet, sind zusätzlich zu T-Shirt oder Neoprenshirt auch Neoprenschuhe, so genannte „Füßlinge“ zu empfehlen.

VF: Ist in warmen Urlaubsgebieten das Wasser immer warm oder gibt es hier Überraschungen?

Willand: Der Körper gibt beim Schnorcheln oder Tauchen immer Wärme an das umliegende Wasser ab, das kälter ist, als unsere Körpertemperatur. Man merkt manchmal gar nicht, dass man auskühlt, weil das Wasser mit 25 Grad zunächst sehr warm scheint. Auch kältere Strömungen in der Tiefe können dazu beitragen, dass der Körper auskühlt. Das wird schon durch ein ganz normales T-Shirt oder durch einen Neoprenanzug deutlich abgeschwächt.

VF: Das heißt, ich brauche zum Schnorcheln nicht unbedingt den Neoprenanzug?

Willand: Zum Schnorcheln reichen auf jeden Fall Füßlinge und T-Shirt oder Neoprenshirt bzw. ein so genannter „Shorty“ (Neoprenanzug mit kurzen Armen und Beinen). Gerätetaucher müssen ihren Anzug danach wählen, wo sie hinfahren und was sie dort vorhaben. Wenn man zum Beispiel in Kroatien lange Wracktauchgänge von 30 und mehr Metern Tiefe unternehmen will, sollte man auf jeden Fall einen Neoprenanzug einpacken, der mehr als 5 Millimeter dick ist. Durch den steigenden Umgebungsdruck in der Tiefe wird das Neopren zusammengepresst und verliert an Wärmewirkung. Das eigene Kälteempfinden spielt bei der Wahl des Anzugs eine wichtige Rolle – wer schon eine isolierende Schicht aus Biopren mitbringt, ist im Wasser generell nicht so empfindlich gegen Kälte.

VF: Biopren – was ist das?

Willand: Das eigene Körperfett.

VF: Ok. Dann kann es ja jetzt losgehen. Vielen Dank für die vielen Tipps.

Weiterführende Links:

www.htsv.de 
www.dlrg.de 
https://htsv.org/ausbildung/tauchen-lernen/ 
http://www.vdst.de/mitglieder/tauchschulen-in-deutschland.html 
htttps://www.mallorca-4you.de/reiseservice/tauchen-auf-mallorca
https://www.madeira-a-z.com/die-insel/lokalitaeten/insel-porto-santo/tauchen.html
http://www.kreta.org/lexikon/tauchschulen/ 
https://www.kroati.de/kroatien-infos/tauchen-in-kroatien.html 
http://badeseen.hlug.de/ 
 

Stand: August 2015