Spielen Sie noch alleine oder „loopen“ Sie schon?

Musizieren macht Spaß! Besonders dann, wenn man Musik gemeinsam mit anderen macht. Nur hat nicht jeder die Möglichkeit oder die Zeit, in einer Gruppe oder in einer Band zu spielen. Was also tun? Die Lösung lautet: man kauft sich einen Looper! Looper sind Geräte, mit denen man eigene Musiksequenzen aufnehmen, wiederholend in einer Schleife (englisch = Loop ) hintereinander wiedergeben und dazu spielen oder singen kann.

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Looper

Was ist und was macht ein Looper?

Ein Looper ist ein Gerät oder eine Software für den Zweck, „mehrere nicht oder nur schwierig gleichzeitig spielbare Parts gleichzeitig erklingen zu lassen“ (Wikipedia). Insofern liegt auf der Hand, dass Looper häufig von Solokünstlern eingesetzt werden. Zum Beispiel kann der Musiker damit beginnen, einige Akkorde auf der Gitarre zu spielen und diese aufzuzeichnen. Diese Sequenz wird nun „auf Knopfdruck“ abgespielt bzw. wiedergegeben. Nun können beispielsweise auf dem Korpus der Gitarre oder einer Trommel geklopfte Rhythmen dazu aufgenommen werden. Schließlich werden Rhythmus und Gitarre durch Gesang und/oder eine Solomelodie komplettiert. Diese aus der Studiotechnik bekannte Aufnahmetechnik im „Schichtbetrieb“ nennt man „Overdub“. Das Ergebnis hört sich dann – entsprechende Übung und Erfahrung vorausgesetzt - wie eine richtige Live-Band an.

Wie funktioniert das technisch?

Die ersten Looper waren vor mehr als 40 Jahren Tonbandgeräte, auf denen zusammengeklebte Stücke eines Tonbandes mit aufgenommener Musik in einer Endlosschleife in Mono abgespielt wurden. In späteren Jahren kamen kleinere digitale Geräte auf den Markt, die zunächst wenige Sekunden dauernde Mono-Sequenzen aufnehmen und beliebig oft wiedergeben konnten. Auf die gleiche Spur konnten dann weitere Stimmen oder Instrumente in Mono aufgezeichnet werden, so dass bei der Wiedergabe der Eindruck eines größeren Ensembles entstand. Eingesetzt wurden diese Geräte vorwiegend für Bass, Rhythmusinstrumente (Percussion), begleitende Gitarre oder kurze Gesangs- oder Melodienphrasen.

Mit den Jahren wurden die Geräte immer leistungsfähiger, so dass inzwischen Looper auf dem Markt sind, die auf mehreren Spuren gleichzeitig oder zeitversetzt Musik und Gesang in Stereo aufzeichnen und wiedergeben können – und das in CD-Qualität! Hinzu kommen oft diverse eingebaute Klang-Effekte wie Hall oder Echo sowie meist auch eine mehr oder weniger gut klingende Rhythmusbegleitautomatik.

Die Digitaltechnik macht möglich, dass die aufgenommenen Sequenzen automatisch mit dem gewählten Tempo synchronisiert (=quantisiert) werden. Den richtigen Einsatz punktgenau zu treffen, ist somit kein Problem mehr. Hat man nach einigem Probieren den Dreh heraus, lassen sich mit einem Looper erstaunliche Resultate erzielen. Auf jeder Spur lassen sich jeweils per so genanntem Overdub weitere Stimmen bzw. Instrumente sinngemäß darüber „schichten“. Die Overdubs können per „undo“-Funktion bei Bedarf auch wieder weggenommen und erneut hinzugefügt werden („redo“), so dass man als Alleinunterhalter den Eindruck erwecken kann, mit einem ganzen Chor oder Orchester im Rücken aufzuspielen. Hierbei bedarf es jedoch eines gewissen Fingerspitzengefühls, damit kein undefinierbarer Klangbrei entsteht.

Allein die Speicherkapazität der Geräte setzt dem Treiben eine physikalische Grenze, die bei modernen Geräten etwa bei 100 Liedern und einer Spieldauer von drei Stunden liegt. Dies sollte im Normallfall ausreichen. Für Anwender, die höhere Ansprüche an Aufnahmedauer und/oder Speicher haben, gibt es Computer-basierte Softwarelösungen, deren Einsatz aber eher dem Profibereich – auch aus Kostengründen – zuzuordnen sind.

Looper - nur was für Profis oder auch für Amateure?

Mit den etwas lieblos als „Bodentreter“ bezeichneten Hardware-Loopern kann nahezu jeder Hobbymusiker oder Semi-Profi eine beeindruckende Performance auf die Bühne oder ins heimische Wohnzimmer zaubern. Die Einbindung von so genannten Samples – also aus der Konserve stammenden Musik-„Schnipseln“ – ist mit aufwendigeren Geräten über eine Audio-Schnittstelle möglich. Häufig können mit diesen Loopern Musikdateien auch via USB-Schnittstelle zum oder vom Computer überspielt werden. Sofern vorhanden, erlaubt ein spezieller Anschluss (MIDI = Musical Instrument Digital Interface) die Synchronisierung des Loopers mit einem zweiten Gerät bzw. die Ansteuerung des Loopers durch ein Keyboard oder einen Drumcomputer.

Looper sind nicht nur ideale Begleiter für Singer/Songwriter, sondern ebenfalls für jeden kreativen Musiker, der Ideen und Kompositionen im Moment festhalten möchte. Die „write“-Funktion erlaubt zudem die dauerhafte Archivierung der Aufzeichnung, die – sofern ein USB-Anschluss vorhanden ist – anschließend zu Speicher- oder Weiterverarbeitungszwecken auf den Computer überspielt werden kann. Auch die Möglichkeit für (Hobby-)Musiker, schnell und ohne aufwendige Technik das eigene Spiel zu kontrollieren und Fortschritte zu dokumentieren, sorgt für mehr Spaß und Erfolg beim Üben im heimischen Musikzimmer.

Einsatz in einer Band

In kleinen Bands oder Ensembles kann der Looper nötigenfalls einen Bassisten, Keyboarder oder Rhythmusgitarristen ersetzen – vorausgesetzt, der fehlende Part kann von einem der Mitmusiker eingespielt und später im Live-Betrieb abgerufen werden. Hierbei empfiehlt sich, ein mitlaufendes Metronom-Signal („klick“) auszugeben, das entweder alle über das Monitoring eingespielt bekommen oder das zumindest der Schlagzeuger (bzw. derjenige, der den Takt bestimmt) hören kann. Diese Technik setzt allerdings voraus, dass alle übrigen Musiker taktsynchron spielen (können) und bereit sind, sich auf den elektronischen „Kollegen“ einzulassen.

Welches Gerät für welchen Zweck?

Einfache Looper, die überwiegend dazu dienen, „auf unkomplizierte Weise spontane Ideen zu skizzieren und für die spätere Verarbeitung festzuhalten“ (Wikipedia), sind schon für Preise zwischen 80 und 150 Euro im Musikalienhandel zu erhalten.

Künstler, die durch so genanntes „Realtime-Looping“ mit ihrer One-Man-Show bekannt geworden sind, gibt es inzwischen einige. Beeindruckende Videos dazu findet man auf YouTube. In allen diesen Fällen wird der Looper selbst zum Instrument, dessen scheinbar mühelose Beherrschung allerdings viel Übung erfordert. Dazu benötigt man jedoch einen Looper mit Mehrspurtechnik und/oder erweiterten Funktionsumfängen. Hierzu zählen unter anderem Optionen wie Veränderung der Abspielgeschwindigkeit, der Tonhöhe und des Klangbildes (Verzerrung, Modulation etc.). Auch die Einbindung externen Audiomaterials, wie diverse Samples von Klängen, Geräuschen und Instrumenten, kann für bestimmte Effekte hilfreich sein. Geräte, die diese Funktionen unterstützen, sind im Preisbereich von 250 bis 500 Euro angesiedelt.

Software-Looper im engeren oben beschriebenen Sinn existieren zwar nicht, aber einige Software-Sequenzer haben in ihrem Programmpaket sehr umfangreiche und leistungsfähige Looper-Funktionen integriert. Dies bedeutet jedoch, dass der Musiker zu Hause oder auf der Bühne stets einen Rechner/Laptop in Betrieb und in Reichweite haben muss. Zudem wird in aller Regel auch ein Zusatzteil („Controller“) benötigt, um die Software im Live-Betrieb steuern zu können. Die Preise für komplette Sets (Software plus Controller, ohne Computer) beginnen bei etwa 1.000 Euro. Aufgrund der Komplexität solcher Systeme ist deren Anwendung und Einsatz eher im Profibereich anzutreffen.

Fazit: Looper gibt es in verschiedenen Preisklassen, Ausstattungen und Klangqualitäten. Bevor man ernsthaft erwägt, sich einen Looper anzuschaffen, sollte sorgfältig geprüft werden, welchem Zweck er dienen soll. Anwender, die mit einem Looper eine „Band-in-the-Box“ erzeugen wollen, sollten sich besser gleich den (auch preislich) aufwendigeren Geräten zuwenden, um Fehlkäufe zu vermeiden. Dies gilt umgekehrt erst recht, da ein komplexes, technisch anspruchsvolles und teures Gerät demjenigen den Spaß verderben kann, der lediglich ein schnell und einfach zu bedienendes, musikalisches „Notizbuch“ braucht. Ein ausgiebiger Test im gut sortierten Musikladen des Vertrauens ist in jedem Fall anzuraten.

Stand: Oktober 2018