Schöner Bernstein oder gefährlicher Phosphor?

Die goldgelben Klümpchen erinnern an Bernstein, doch können sich die vermeintlichen Strandschätze der Ost- und Nordsee als giftig und gesundheitsgefährdend entpuppen – die Rede ist von weißem Phosphor. Doch woher kommt die angespülte Chemikalie? Was kann bei einer Verwechslung mit Bernstein passieren? Auf was sollte man bei der Bernsteinsuche achten?

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Bernsteinsuche an der Ostsee

Auch wenn insgesamt betrachtet das Risiko einer Verletzung eher gering ist, sollten Strandurlauber über die Verwechslungsgefahr von Bernstein mit Phosphor informiert sein. Eltern wird geraten, mit ihren Kindern darüber zu sprechen, denn Kinder sammeln mit Eifer gern auffallende Steine.

An den Küsten der Ostsee kommt es vor allem beim Sammeln von Bernstein immer wieder mal zu Verletzungen, da statt Bernstein Phosphorbrocken gefunden werden. Auch an der Nordseeküste heißt es: Vorsicht! Auch hier ist Bernstein und Phosphor zu finden – wenn auch in geringeren Mengen.

Beim Strandspaziergang gefundene Sachen werden oft in die Jacken- oder Hosentasche gesteckt. Handelt es sich bei dem Fund um Phosphor, so entzündet sich dieser selbst und es kommt zu einer Stichflamme, die Kleidung in Brand setzt und zu schlimmen Hautverletzungen bis hin zum Tod führen kann.

Was ist weißer Phosphor?

Im Zweiten Weltkrieg wurde der hochreaktive weiße Phosphor als Bestandteil von Brandbomben oder als Nebelmunition eingesetzt. Aufgrund seiner farblos-durchsichtigen bis gelblichen, wachsartigen Gestalt sieht er Bernstein zum Verwechseln ähnlich. Allerdings ist der Phosphor nicht so transparent wie sein ungefährlicher Doppelgänger. In Verbindung mit Luft entzündet sich der Phosphor, wobei eine bis zu 1300 Grad Celsius heiße Flamme unter starker Rauchentwicklung entsteht.
Weißer Phosphor ist unbegrenzt haltbar, sofern er unter Paraffin und Luftabschluss aufbewahrt wird.

Woher kommt der weiße Phosphor?

Während des 2. Weltkrieges verfehlten phosphorhaltige Brandbomben eigentliche Ziele an den Küsten der Nord- und Ostsee und fielen ins strandnahe Meer. Zudem wurden nach Kriegsende etwa 85 Prozent der in Deutschland vorgefundenen Chemiewaffen im Meer versenkt. Im Laufe der Jahrzehnte fingen diese Bomben an zu rosten, so dass Bestandteile, wie etwa Phosphor, austraten und ins Wasser gelangten. Bei stürmischen Wetterlagen kommt es nun vor, dass einzelne Klumpen des Kampfmittels vom Meeresgrund an die Strände von Ost- und Nordsee gespült werden. Besonders betroffen sind die Küsten von Mecklenburg-Vorpommern und Usedom, aber auch die von Schleswig-Holstein.

Was ist beim Bernstein sammeln zu beachten?

Wer sich auf die Suche nach Strandgut begibt, sammelt vermeintliche Bernsteinfunde am besten in Dosen oder anderen metallischen Behältern. Da Phosphor erst im trockenen Zustand brennen kann, ist es bis zur genauen Identifikation sinnvoll, den Fund feucht zu lagern. Alternativ kann auch ein mit Wasser gefülltes Glasgefäß mit Deckel als Transportgefäß dienen. Abzuraten ist vom Aufbewahren in der Hosentasche. Ist es doch kein Bernstein, sondern ein Phosphorklumpen, trocknet dieser und kann sich selbst entzünden und somit zu Verletzungen führen. Zur Bestimmung des Fundes sollte dieser auf einen Porzellanteller oder ein anderes nicht brennbares Teil gelegt werden.

Was tun, wenn vermeintlicher Bernstein plötzlich raucht?

Falls der gelbliche Fund plötzlich zu rauchen anfängt, sollte dieser auf keinen Fall eingeatmet werden, da er gesundheitsschädlich ist. Der brennende Phosphor kann nicht mit Wasser, sondern nur mit Sand oder besonderen Feuerlöschern gelöscht werden. Alternativ hierzu kann man den Phosphor auch kontrolliert abbrennen lassen. Wichtig ist dabei, genügend Abstand zu halten.

Bei Kontakt mit brennendem Phosphor wird empfohlen, sofort ins Wasser zu gehen und schnellstmöglich brennende Kleidung auszuziehen. Feuerwehr und Notarzt sind umgehend zu alarmieren, da akute Lebensgefahr besteht. Auch wenn es schwer fällt, sollten Betroffene bis zum Eintreffen der Rettungskräfte im Wasser bleiben. Wenn keine Möglichkeit besteht ins Wasser zu gehen, kann die Wunde auch mit nassem Sand abgedeckt werden.

Wer Kontakt mit weißem Phosphor hatte, sollte auf jeden Fall einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen, da Vergiftungssymptome oft erst einige Tage später auftreten.

Warnung der Touristen

In Mecklenburg-Vorpommern weisen Schilder am Strand auf die Verwechslungsgefahr von Bernstein mit Phosphor hin. Manche Gemeinden lassen den Strand regelmäßig nach Phosphorklumpen absuchen und bieten feuerfeste Behälter zum Sammeln an.

Weitere gefährliche Funde an den Küsten

Nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks liegen in der Nord- und Ostsee 1,6 Millionen Tonnen Altmunition. In den deutschen Bereichen der Nordsee sollen es 1,3 Millionen Tonnen an konventioneller und chemischer Munition sein. Im Ostseeraum vermutet man 300.000 Tonnen Altmunition im Meer.

Neben Phosphor werden auch Stangenpulver und Schießwolle an den Strand gespült:

  • Stangenpulver wurde in Granaten verwendet, damit die Geschosse schneller flogen. Angezündetes Stangenpulver brennt mit starker Stichflamme.
  • Die Hülsen von Minen und Torpedos sind während der über 60-jährigen Lagerung im Meer durchgerostet, so dass der Inhalt ausgetreten ist und an den Strand gespült werden kann. Deshalb sieht Schießwolle häufig wie ein Stein mit einer Maserung aus, der die Hände gelb färbt. Da Schießwolle hochgiftig, krebserregend und erbgutschädigend ist, ist ein Hautkontakt absolut zu vermeiden.

Stand: Mai 2018

Woran erkennt man Bernstein?

Bernstein ist 40 bis 50 Millionen Jahre altes Harz aus subtropischen Nadelwäldern. Im Vergleich zu anderen Steinen ist Bernstein sehr leicht, honiggelb bis rot oder bräunlich und glänzt in der Sonne. Ist sicher, dass es sich nicht um hochgiftigen Phosphor handelt, kann man durch leichtes Klopfen an den Zähnen einen Bernsteintest machen: Ein weicher Ton deutet auf Bernstein, härtere Töne weisen hingegen auf, ebenfalls ähnlich aussehende, Feuersteine hin. In stark salzhaltigem Wasser schwimmt echter Bernstein oben. Einen weiteren Bernsteintest kann man mit Hilfe eines Wolltuchs machen: Getrockneter Bernstein lässt sich durch Reiben an einem Wolltuch elektrostatisch aufladen. In diesem Zustand zieht er zum Beispiel Papierschnipsel an. Auch Nagellack hilft beim Identifizieren: Reibt man ein mit Nagellack getränktes Wattestäbchen am vermuteten Bernstein, sollte sich das Wattestäbchen nicht verfärben, sofern der Stein tatsächlich echt ist.