Musiker aufgepasst: Artenschutzauflagen gelten auch für Musikinstrumente

Viele Pflanzen- und Tierarten sind weltweit in ihrem Bestand gefährdet. Zu ihrem Schutz existiert das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, das auch für alle EU-Staaten umgesetzt wurde. Anfang 2017 sind die Verordnungen auf Hölzer zum Bau von Musikinstrumenten ausgedehnt worden. Was bedeuten die Änderungen für Verbraucher, insbesondere für den privaten Handel oder Reisen mit Instrumenten, die aus diesen Hölzern hergestellt sind?

Gitarre lehnt am Baum © Alik Mulikov - Fotolia.com_.jpg

Gitarre lehnt an einem Baum

Was ist CITES?

Der Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten wird über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) geregelt und beschränkt. Auf der 17. CITES-Vertragsstaatenkonferenz in Johannesburg wurde die Ausdehnung auch auf Hölzer zur Herstellung von Musikinstrumenten beschlossen.

Betroffen sind vorwiegend Palisander-Arten und –Unterarten. Dazu zählt das sehr weit verbreitete indische Palisander (Dalbergia latifolia). Betroffen sind auch die seltener verarbeiteten Hölzer Kosso (Pterocarpus erinaceus) und drei Arten von Bubinga (Guibourtia tessmannii, Guibourtia pellegriniana, Guibourtia demeusei). Vorgenannte Hölzer werden zur Herstellung beispielsweise von Holzblasinstrumenten, Gitarren, Bässen, Schlag- und Percussion-Instrumenten verwendet.

Die EU-Regelung ist bereits seit dem 4. Februar 2017 in Kraft, dennoch sind möglicherweise  noch viele (Hobby-)Musiker nicht mit den Regeln und ihren Auswirkungen vertraut.

Worauf müssen Verbraucher achten?

Die Branchenverbände BDMH (Bundesverband der deutschen Musikinstrumentenhersteller e. V.), GDM (Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte e. V.) und SOMM (Society Of Music Merchants e. V.) haben einen Leitfaden veröffentlicht. Dieser enthält Empfehlungen zum Umgang mit diesem Thema und richtet sich vorrangig an den Handel. Der Leitfaden enthält aber auch nützliche Hinweise für Verbraucher.

Der Musikalien-Handel hat dem Papier zufolge eine Nachweispflicht für alle Produkte im Bestand (auch für gebrauchte oder in Reparatur befindliche Instrumente, Retouren etc.), die vollständig oder zum Teil aus den genannten Hölzern hergestellt worden sind. Auf den Handels- oder Begleitdokumenten müssen notwendige Angaben zu den betroffenen Materialien, Verwendung und Gewicht vermerkt sein.  Zudem muss eine qualifizierte Rechnung bei jedem Verkauf erstellt werden. Einzelheiten zu den Rechtsgrundlagen sind auf der Seite des Bundesamtes für Naturschutz (siehe unten unter "Links") nachzulesen.

Für Verbraucher ist der reine Besitz eines mit den genannten Hölzern - auch vor Eintritt der Neuregelung - hergestellten Instrumentes zunächst unkritisch. Das heißt, es sind keine Nachweisdokumente, Rechnungen etc. vonnöten, wenn die Instrumente im Besitz verbleiben.

Rechnungen für Instrumente aus betroffenen Hölzern, die nach dem 4. Februar 2017 erworben wurden oder künftig erworben werden, müssen indes eine Bestätigung über den Verbrauch legaler Hölzer (siehe Nachweispflicht des Handels) enthalten. Diese Dokumente sollten sicherheitshalber gut aufbewahrt werden. Dies gilt auch für Rechnungen über Instrumente, die vor dem Eintritt der Neuregelung gekauft wurden. Damit können Kunden im Zweifel belegen, dass sie die Instrumente als so genannte Vorerwerbsware erworben haben.

Was ist bei Reisen mit Instrumenten zu beachten?

„Bei Reisen innerhalb der EU sind keine Vorkehrungen zu treffen”, so die Branchenverbände. Bei Reisen in ein Nicht-EU Land „ist die Mitnahme von Musikinstrumenten, die betroffene Hölzer beinhalten, ohne Vorlage von Dokumenten gestattet, sofern das Gewicht der von CITES II betroffenen Hölzer in allen Musikinstrumenten zusammen weniger als 10 kg beträgt. Das Gewicht von Transportbehältnissen und Zubehör wird nicht mit eingerechnet. Diese Regelung gilt nur für die persönliche Mitnahme aus nicht kommerziellen Gründen.“

Die überwiegende Anzahl der Instrumente dürfte allerdings nur einen geringen und damit leichten Anteil aus den betroffenen Hölzern aufweisen. Somit ist das Verreisen mit solchen Instrumenten unproblematisch.

Worauf sollen Verbraucher beim Verkauf betroffener Instrumente achten? 

Für den Verkauf innerhalb der EU wird von den Branchenverbänden ein Nachweisdokument (Handelsrechnung, siehe oben) empfohlen. Falls keine derartigen Nachweise geführt werden können, „kann der Zoll oder die örtliche zuständige Landesbehörde Produkte beschlagnahmen, wenn sie von privat zum Verkauf angeboten werden“.

Verbraucher, die ihr Instrument verkaufen wollen, müssen also eine Rechnung mit allen notwendigen Angaben besitzen oder anderweitig nachweisen, dass es sich um Vorerwerbsware handelt. Die Angabe der Seriennummer reicht hierfür nicht aus: Diese weist lediglich aus, wann das Instrument hergestellt wurde, aber nicht, wann der Kunde es gekauft hat. Das Nachsehen haben jene Verbraucher, die ihr Instrument von Privat gebraucht gekauft und keinen Kaufbeleg dazu haben. Das Erwerbsdatum im Nachhinein nachzuweisen ist unter Umständen sehr aufwändig.

Fazit

  • Sämtliche Musikinstrumente – neue wie alte - mit Anteilen von geschützten Hölzern sind von den Neuregelungen betroffen.
  • Instrumente mit Anteilen betroffener Holzarten darf man ohne Papiere besitzen.
  • Eine Nachweispflicht über den Anteil der verarbeiteten geschützten Hölzer tritt beim Kauf oder Verkauf ein.
  • Wer privat oder gewerblich beispielsweise ein Instrument mit Palisanderanteilen verkaufen will, benötigt eine Rechnung oder Vorerwerbsbescheinigung. Die für die Erteilung einer Vorerwerbsbescheinigung zuständigen Behörden können dieser Liste entnommen werden. Ausführliche Infos zu den Bescheinigungen finden Sie auf der Seite des Bundesamtes für Naturschutz (siehe unten unter "Links").

Stand: Januar 2018