Mehrgenerationenhaus: Jung und Alt unter einem Dach

Niemand ist gerne einsam – doch gibt es Situationen oder Schicksalsschläge im Leben, die das familiäre Zusammenleben verändern können. Mehrgenerationenhäuser können eine Möglichkeit darstellen mit Menschen unterschiedlicher Altersklassen in Kontakt zu treten – nicht nur für einen Nachmittag sondern sogar nachbarschaftlich Tür an Tür.

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Junger Mann trinkt mit älterer Dame Kaffee

Jüngere unterstützen Ältere und umgekehrt

Eine feststehende Definition für Mehrgenerationenhaus gibt es nicht. Doch in der Regel versteckt sich hinter dem Begriff ein generationenübergreifendes Begegnungshaus, das für offene Treffs und gemeinsame Aktivitäten genutzt wird. Diese Mehrgenerationenhäuser stehen allen Menschen offen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft.
Der Gedanke hinter einer solchen Begegnungsstätte ist: Jüngere unterstützen Ältere und umgekehrt. Jeder kann sich mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten einbringen und gleichzeitig vom Wissen und Können der anderen profitieren, neue Kontakte knüpfen und sich in eine Gemeinschaft begeben.

Träger der Mehrgenerationenhäuser sind häufig Kirchengemeinden, Kommunen, Vereine oder Sozialverbände.

Offene Treffs und gemeinsame Aktivitäten

Bei den sogenannten offenen Treffs kommen Jung und Alt zusammen, um bei einer Tasse Kaffee nette Gesprächspartner oder motivierte Mitspieler für Gesellschaftsspiele zu finden. Viele Treffpunkte verfügen zudem über einen offenen Bücherschrank, der zum Büchertauschen und Schmökern einlädt. Des Weiteren treffen sich in den Begegnungshäusern regelmäßig offene Gruppen wie etwa zum Handarbeiten, Englisch lernen, Singen im Chor oder kreativen Gestalten. Auch Repair-Cafés oder Hausaufgabenhilfe können zu den Aktivitäten gehören, die in den Häusern stattfinden.

Neben diesen regelmäßigen Veranstaltungen bieten viele Mehrgenerationenhäuser zusätzlich noch Vorträge und Kurse an. Diese können von Kochkursen, Autogenem Training und Sprachkursen für Migranten über Musikunterricht, Unterstützung für Pflegebedürftige und Angehörige und Schwangerschaftsrückbildung zu Kreativangeboten für Kinder und Jugendliche und Hilfe bei der Steuererklärung reichen.

Nichts geht ohne Ehrenamt

In den Mehrgenerationenhäusern leisten viele freiwillig Engagierte gemeinsam mit Hauptamtlichen unverzichtbare Arbeiten, um das Angebot in den Häusern auf die Beine stellen zu können. So bieten sich Freiwillige zur Kinderbetreuung an, geben Kurse oder betreuen die offenen Treffs. Jeder kann sich mit seinen Fähigkeiten und Talenten einbringen und so für andere Menschen da sein. Ohne die ehrenamtliche Arbeit gäbe es kein Mehrgenerationenhaus.

Mehrgenerationenhäuser werden bundesweit gefördert

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) fördert im Rahmen des „Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus“ die generationenübergreifenden Begegnungsstätten. Ziel des Bundesprogramms ist es, einen sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt und so ein friedliches Zusammenleben, unabhängig von Alter, Religionszugehörigkeit, Herkunft und Bildungsstand, zu unterstützen. Damit möchte das BMFSFJ den demografischen Wandel in Deutschland und die Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte bestmöglich gestalten.

Wo finde ich ein Mehrgenerationenhaus?

Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland Mehrgenerationenhäuser. Bundesweit nehmen 540 Häuser am Bundesprogramm „Mehrgenerationenhaus“ teil. Ob eines der Häuser auch in Ihrer Nähe ist, können Sie sich auf der Seite www.mehrgenerationenhaeuser.de auf einer interaktiven Karte anzeigen lassen. Dort erhalten Sie direkt auch Kontaktdaten und Links zu den Websites der Häuser.

Mehr-Generationen-Wohnen wie zu Omas Zeiten

Ein Mehrgenerationenhaus kann darüber hinaus auch ein festes Zuhause sein, indem zum Beispiel Alleinstehende, junge Familien, Paare, deren Kinder bereits aus dem Haus sind oder Senioren, deren Angehörige weit entfernt wohnen, zusammen leben.

Dabei kann es sich um eine sehr große Wohnung handeln, in der die Bewohner ein persönliches Zimmer haben, oder um ein ganzes Haus mit verschiedenen Wohnparteien. Darüber hinaus gibt es häufig Sauna, Hobbyraum, Gästezimmer, Wohnzimmer, Keller oder Gartenflächen, die von allen Bewohnern gemeinschaftlich genutzt werden.

Auch bei dem Wohnprojekt geht es um ein Miteinander von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen und -phasen sowie gegenseitige Unterstützung, die manchmal über einen familiären Rahmen hinausgeht. So kann zum Beispiel Altenpflege, Hausaufgabenhilfe und Kinderbetreuung effizient organisiert werden, Senioren können länger zu Hause wohnen bleiben und für jeden Bewohner besteht die Möglichkeit zu sozialen Kontakten.

Eigentlich ist diese Idee nicht neu. Doch früher war es eher üblich, dass Familien mit mehreren Generationen unter einem Dach zusammenlebten. Während die Großmutter auf das Enkelkind aufpasste, haben Vater und Mutter auf dem Feld gearbeitet. Später wurde die Großmutter von Kindern und Enkeln gepflegt, wenn diese nicht mehr alle Aufgaben im Alltag alleine meistern konnte.

Wie komme ich zum Mehr-Generationen-Wohnen?

Interessierte kommen über Annoncen im Internet oder in der Zeitung zu der Wohnform. Allerdings steckt das Projekt dann manchmal erst noch in der Planungsphase und es wird gemeinschaftlich nach passenden Wohnungen, Häusern oder Bauplätzen Ausschau gehalten. Des Weiteren gibt es mittlerweile auch gewerbliche Anbieter, die direkt Mehrere-Generationen-Wohnungen und –Häuser bauen und vermieten. Diese Wohnungen sind zum Beispiel direkt barrierefrei eingerichtet.

Auch für diese Wohnprojekte gibt es Unterstützung und Beratungsstellen, zum Beispiel hier.

Stand: Februar 2019