Kompostieren in der Wohnung? – Eine Wurmkiste macht’s möglich!

Ein Komposthaufen ist wirklich etwas Tolles, schließlich macht er aus Küchen- und Gartenabfällen humusreiche Erde, die hervorragend zum Düngen genutzt werden kann. Wer keinen Garten hat, muss auf „Gärtners Gold“ aber nicht verzichten, denn mit einer Wurmkiste, kann man sich einen kleinen Minikompostierer direkt in die heimische Küche stellen.

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Junge hält Regenwurm zwischen den Fingern

Was ist eine Wurmkiste?

Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich bei einer Wurmkiste um eine Kiste, in der Kompostwürmer leben. Die Würmer fressen diverse organische Abfälle, die in der Küche anfallen können, vermehren sich und scheiden wiederum Wurmhumus aus, der als natürlicher Dünger für Pflanzen aller Art verwendet werden kann. Die Wurmkiste ist somit eine kleinere Ausführung des herkömmlichen Komposthaufens – allerdings hat der Wurmhumus die fünf- bis siebenfache Düngewirkung und kann tiefer in die zu düngende Erde eingearbeitet werden.

Wie ist eine Wurmkiste aufgebaut?

Um eine Wurmkiste anzulegen, braucht man eine Holzkiste, die luftdurchlässig ist und einen Deckel hat. Sie sollte etwa 40 x 40 x 60 Zentimeter groß sein und in der Mitte von einem Gitter, zum Beispiel Hasendraht, oder einer Wand mit Löchern in zwei Kammern getrennt werden.

Zwar kann man Wurmkisten auch im Handel erwerben, wer aber etwas handwerkliches Geschick hat, hat sicherlich auch Freude dabei, eine Wurmkiste aus unbehandeltem Holz selbst zu bauen. Anleitungen dafür finden sich zum Beispiel im Internet.

Welche Würmer müssen in die Kiste?

Bei den Kompostwürmern für die Kiste handelt es sich nicht um gewöhnliche Regenwürmer, sondern um die Gattung „Eisenia foetida“, „Eisenia andrei“ und „Dendrobena venata“, sozusagen Verwandte des Regenwurms. Im Gegensatz zu den Regenwürmern arbeiten sich die Kompostwürmer horizontal durch die Erde und durch die Wurmkiste. Dabei verarbeiten sie etwa ihr Eigengewicht an Biomüll.

Kompostwürmer sind nicht alleine in der Wurmkiste. Sie leben quasi in einer Wohngemeinschaft mit Bakterien, Pilzen und anderen Bodenlebewesen zusammen und teilen sich die Arbeit am Umsetzungsprozess von Kompostmüll zu Humus.

Woher bekomme ich die Kompostwürmer?

Da die Würmer auch zum Angeln verwendet werden, können sie zum Beispiel vor Ort im Angelbedarf oder über das Internet erworben werden. Eine andere Möglichkeit ist, bei Freunden, Nachbarn und Bekannten mit Komposthaufen im Garten, nach etwas Kompost für die Wurmkiste zu fragen. Idealerweise mischen sie Kompost von zwei verschiedenen Gärten, da in jedem Garten unterschiedliche Tierchen leben. Je unterschiedlicher die fleißigen Helfer, desto besser für die Wurmkiste.

Wie wird die Wurmkiste zum ersten Mal befüllt?

Zur Inbetriebnahme sollten die Wände einer Kistenhälfte mit unbehandeltem, gut eingeweichtem Karton ausgekleidet werden. Dabei ist es sinnvoll den Karton vorher zu zerkleinern und auch die Kiste einige Zentimeter hoch mit den Altpapier-Schnipseln zu befüllen. Als nächstes werden dann die Würmer in dem Substrat, in dem sie bereits verkauft wurden, hinzugegeben. Die andere Seite der Kiste bleibt leer.

Ab dem nächsten Tag dürfen die Würmer täglich Biomüll hinzubekommen. Allerdings: Da die Abfälle zunächst von Kleinstlebewesen bearbeitet werden, sollten die ersten Tage noch nicht allzu große Mengen an Küchenabfällen in die Kiste kommen. Andernfalls kann der Abfall faulen. Nach einigen Tagen dann, kann die Menge jedoch stetig erhöht werden.

Wichtig ist, dass der Inhalt der Wurmkiste immer schön feucht ist. Sieht er zu trocken aus, schafft eine Sprühflasche mit Wasser Abhilfe.

Wo steht die Wurmkiste am besten?

Am liebsten mögen die Würmer einen geschützten Ort mit einer stetig gleichbleibenden Temperatur, etwa 20 Grad Celsius. Direkte Sonneneinstrahlung ist ihnen hingegen eher unangenehm, Frost mögen die Würmer gar nicht. Zudem sollte die Kiste nicht nass werden. Während im Frühling und im Herbst die Wurmkiste problemlos auf dem überdachten Balkon oder der Terrasse platziert werden kann, ist es dort in der Regel im Winter zu kalt und im Sommer zu heiß.

Daher steht die Wurmkiste tatsächlich am praktischsten direkt in der Küche. Dort können dann die anfallenden Abfälle direkt in der Kiste entsorgt werden und je nach Modell eignet sich die kleine Kompostfabrik sogar noch als Sitzgelegenheit.

Wer bei der Vorstellung daran nun Angst vor üblen Gerüchen hat, der kann beruhigt werden, denn die Kompostierung in der Wurmkiste läuft erfreulicherweise geruchslos ab. Wird der Deckel geöffnet, kommt einem lediglich der Geruch von Erde und feuchtem Waldboden entgegen. Kommt es tatsächlich zu einer unschönen Geruchsbildung, ist das ein Anzeichen dafür, dass etwas in der Kiste schiefläuft.

Was darf alles in die Wurmkiste?

Nicht alles, was im Garten auf den Kompost darf, ist auch für die Wurmkiste geeignet. So freuen sich die Würmer besonders über sämtliche ungesalzenen Gemüsereste, Obstreste, zerkleinerte Eierschalen, Kaffeesatz, Teebeutel, Laub, Haare, unverholzte Pflanzenteile und etwa bis zu 20 Prozent Papier oder Karton. Damit es nicht zu einer Übersäuerung in der Kiste kommt, kann man zusätzlich ab und an etwas Urgesteinmehl hinzugeben.

Käse und andere Milchprodukte, Fleisch, gekochte und salzige Lebensmittel, besonders Scharfes und Würziges, Zitrusfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch, Öl, bereits Verschimmeltes oder gar giftige Pflanzen haben in der Wurmkiste allerdings nichts verloren. Auch Katzenstreu oder Hochglanz- und beschichtetes Papier stehen nicht auf dem Speiseplan der Kompostwürmer.

Was tun in der Fruchtfliegenzeit?

Eine leicht angefeuchtete Zeitung oder eine Hanfmatte, die auf den Bioabfall gelegt wird, hält Fruchtfliegen ab und Würmer, Substrat und Humus zusätzlich feucht und dunkel.

Wann ist der Humus fertig?

Der Biomüll wird so lange in die eine Kistenhälfte gegeben, bis fertiger Humus entnommen werden soll. Allerdings: Bis eine Hälfte voll ist, dauert es aber etwas, da der Biomüll während der Umsetzung stark zusammenfällt.

Der Humus sollte keine Würmer mehr enthalten, wenn er als Dünger verwendet wird. Hier spielt das eingebaute Gitter in der Kistenmitte nun eine besondere Rolle. Möchte man den Humus auf der einen Seite aus der Kiste entnehmen, wird zunächst neuer Biomüll in die andere Hälfte der Kiste gegeben. Wenn die Würmer feststellen, dass es auf der gewohnten Seite keinen Nahrungsnachschub mehr gibt, dafür aber auf der anderen Seite, wandern sie in die andere Hälfte über. Nach einigen Tagen sind alle Würmer ins andere Abteil umgezogen und der fertige, wurmfreie Humus kann entnommen werden.

Wie kann der Wurmhumus verwendet werden?

Nach und nach entsteht in der Kiste frischer Humus. Dieser kann für Pflanzen im Beet oder im Topf verwendet werden. Hierfür eine mehrere Zentimeter dicke Schicht beim Umtopfen oder Pflanzen ins Beet der Blumenerde beimischen. (Sie)

Stand: Februar 2020