Kleingärten – groß im Kommen

Gärtnern liegt voll im Trend. Eine Möglichkeit sich bei Unkraut jäten, Tomaten ziehen und Obstbaum beschneiden auszuleben, bietet eine Gartenparzelle in einer Kleingartenkolonie. Wie kommt man zu einem Kleingarten? Und was gilt es als Kleingärtner zu beachten?

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Kleingarten

Galten die Freizeit-Parzellen noch bis vor wenigen Jahren als spießig und ihre Pächter als eher etwas verschrobenes Völkchen, so erlebten die Kleingartenkolonie nun einen wahren Boom auf die Gartengrundstücke. Nicht zuletzt der Trend zur Selbstversorgung aufgrund von Lebensmittelskandalen und den sichtbaren Folgen der Globalisierung sowie raren erholsamen Grünflächen in der Stadt haben hierzu beigetragen. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ist ein wahrer Generationenwechsel in den deutschen Kleingärten festzustellen: Knapp 45 Prozent der Gärten werden mittlerweile von jungen Familien mit Kindern gepachtet.

Kleingärten sind das neue Kleinod für Erholung, ökologischen Gemüseanbau und Gemeinschaft. Wie funktioniert das eigentlich mit den Schrebergärten?

Wie kommt man zu einem Kleingarten?

Eine Kleingartenkolonie unterliegt immer einem gemeinnützigen Verein. Das bedeutet, dass neben der Gartenarbeit auch noch Gemeinschaftstätigkeiten anfallen.

Wer sich also für einen Kleingarten interessiert, kann bei Kleingarten-Vereinen am Wohnort nachfragen. Ist derzeit keine Parzelle frei, so haben die Vereine häufig eine Warteliste, in die man sich eintragen lassen kann. Wird ein Kleingarten frei, so können meistens mehrere Interessenten als Neupächter in Frage kommen – es entscheidet nicht pauschal die Listenreihenfolge. Der Verein entscheidet, wer den Zuschlag bekommt.

Weitere gute Möglichkeiten, um nach Schrebergärten Ausschau zu halten, gibt es im Intenet oder über Inserate in Tageszeitungen, Internet oder am schwarzen Brett im Supermarkt.

Wie teuer ist die Pacht für einen Kleingarten?

Die Höhe der Pacht wird nicht von der freien Marktwirtschaft bestimmt und ist somit recht günstig. Laut dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde liegt die durchschnittliche Pacht bei jährlich 17 Cent pro Quadratmeter (m²). Allerdings fallen noch Mitgliedsbeitrag für den Kleingartenverein, Stromkosten, Versicherungen und kommunale Abgaben an. Wird eine Parzelle frisch übernommen, so zahlen die Neupächter außerdem eine Ablösesumme für Laube und Bepflanzungen.

Gemeinsames Werkeln und Feiern erwünscht

Wer einen Garten in einer Kleingartenkolonie gepachtet hat, verpflichtet sich zur Verrichtung von Arbeitsstunden, um Gemeinschaftsanlagen instand zu halten. Außerdem gehört zu einem Vereinsleben auch das Miteinander. Gemeinsame Feste oder Vereinssitzungen sind daher ebenfalls fester Bestandteil des Freizeitgärtnerns im Rahmen einer Gartenkolonie.

Tipp: Bevor der Pachtvertrag unterschrieben wird, ist ein Blick in die Satzung des Kleingartenvereins sinnvoll.

Regeln für das gemeinschaftliche Gärtnern

Grundlegende Regeln für alle Kleingartenvereine sind im Bundeskleingartengesetz festgelegt, wie etwa die Größenordnungen für die Gartenlaube, wie viel Obst und Gemüse angebaut werden sollte oder ob eine Gartenlaube als Wohnung dienen darf.

Zusätzlich regeln die Satzung des jeweiligen Kleingartenvereins die Verwendung von Campingtoiletten, Grills oder die Strom- und Wasserversorgung.

Welche Vorschriften gibt es für die Gartenlaube?

Wer eine Gartenlaube in seinem Kleingarten errichten möchte, sollte darauf achten, dass diese nicht größer als 24 m² ist (inklusive überdachter Terrasse). Weist der Garten weniger als 200 m² Grundfläche auf, darf die Laube sogar eine Größe von 18 m² nicht überschreiten. Allerdings gibt es hier einige Ausnahmen, so zum Beispiel, wenn die Gartenlaube vor dem Inkrafttreten des Bundeskleingartengesetzes am 1. April 1983 bzw. in Ostdeutschland bis zum 3. Oktober 1990 rechtmäßig errichtet worden ist. In diesen Fällen gilt für die Lauben ein Bestandsschutz. Allerdings: Steht ein Pächterwechsel bevor, kann der Verein auf den Rückbau der Lauben bestehen.

Was darf man machen in der Gartenparzelle und was sollte man besser lassen?

  • Obst und Gemüse sind Vorschrift: In jedem Kleingarten sollte auf mindestens einem Drittel Obst und Gemüse für den eigenen Bedarf angebaut werden. Ein reiner Ziergarten mit Blumen oder bloß eine Spielwiese für Kinder ist laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes nicht gestattet. Wer sich nicht dran hält, muss im Zweifel den Garten an den Eigentümer - das ist meistens die Stadt, der Bund oder die Deutsche Bahn - zurückgeben. Ob die sogenannte „Fruchtquote“ tatsächlich eingehalten wird, überprüft der Vereinsvorstand.
  • Übernachtungen nur bedingt: Bei einem Kleingarten handelt es sich um keine dauerhafte Wohnstätte. Lediglich vereinzelte Übernachtungen während der Ferien oder am Wochenende sind erlaubt. Außerdem sind wohnbauliche Maßnahmen wie Heizungsanlagen oder Satellitenschüsseln nicht gestattet.
  • Tierfreunde aufgepasst: Die Haltung oder Züchtung von Tieren wie etwa Kleintieren, Tauben oder Hühnern ist in den Parzellen nicht erlaubt. Hunde dürfen aber an der Leine mitgebracht und besuchsweise im Garten spielen. Streunende Katzen dürfen in der Kleingartensiedlung nicht gefüttert werden. Bienenzüchter sind hingegen meistens nach Absprache mit dem Verein und den Gartennachbarn willkommen.
  • Chemie nur im Notfall: Chemische Pflanzenschutzmittel sollen auf das unbedingt notwendigste Maß beschränkt werden. Vor dem Einsatz sind zunächst mechanische oder biologische Pflanzenschutzmaßnahmen zu verrichten. Die Verwendung von Giftspritzmitteln wie Fungizide, Herbizide oder Pestizide, ist aber aus Umweltschutzgründen strikt untersagt.
  • Spültoiletten dürfen nicht in die Gartenlaube eingebaut werden. Stattdessen wird auf Trocken- und Verpackungstoiletten sowie, wenn in der Kleingartensiedlung Möglichkeiten zur Entsorgung vorhanden und mit dem Vereinsvorstand abgesprochen sind, Campingtoiletten verwiesen.
  • Lagerfeuer und Grill: Mobile Grills dürfen in der Kleingartensiedlung verwendet werden. Die Errichtung von gemauerten Grills muss jedoch auch vorab mit dem Vereinsvorstand abgesprochen werden. Lagerfeuer oder Feuerschalen sind hingegen nicht gestattet.
  • Gartenpartys, Rasenmäher und Laubbläser: Generell gilt es in der Kleingartensiedlung die Ruhezeiten einzuhalten, so dass das Gemeinschaftsleben nicht beeinträchtigt wird. Diese sind in der Regel Sonn- und Feiertags sowie werktags von 20 bis sieben Uhr morgens. Je nachdem, wo die Gartenanlage sich befindet gibt es außerdem eine Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr. Am bestens fragen Sie beim Vorstand des Kleingartenvereins nach den Ruhezeiten.

Stand: Juni 2018