Herkulesstaude - mit Abstand schön!

Jetzt blüht sie wieder – die Herkulesstaude. Von Juni bis September sind die großen weißen Dolden dieser Pflanze schön anzusehen. Doch Vorsicht – alle Teile der der Herkulesstaude sind sehr giftig und hautreizend. Berühren Spaziergänger oder Kinder beim Spielen in der Natur diese Pflanze, so kann es bei Sonnenschein zu schmerzhaften Verbrennungen und Quaddeln auf der Haut kommen.

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Herkulesstaude

Situation in Hessen

Die Herkulesstaude hat mittlerweile weite Uferbereiche der hessischen Flüsse und Auen besiedelt, was auf die große Samenbildung und schnelle Ausbreitung zurückzuführen ist. Da die Herkulesstaude keine natürlichen "Feinde" hat, wird sie in den Sommermonaten zu einem großen Problem. Berührt man die Pflanze bei Sonnenlicht, kann es zu Verätzungen oder Verbrennungen der Haut kommen. Nach dem Hessischen Naturschutzgesetz ist in Hessen die Obere Naturschutzbehörde, das Regierungspräsidium Kassel, für die Bekämpfung der robusten Pflanze zuständig. In Zusammenarbeit mit den heimischen Forstämtern bekämpft sie die Herkulesstaude.

Um die Herkulesstaude bekämpfen zu kennen, müssen ihre Standorte in Wald und Flur bekannt sein. Deshalb bitten die Kommunen ihre Einwohner, Standorte der Pflanzen bei der Gemeinde oder Stadt, dem Grünflächenamt, der Naturschutzbehörde oder dem Forstamt zu melden.

Herkulesstaude breitet sich stark aus

Im 19. Jahrhundert wurde die Herkulesstaude aus dem Kaukasus nach Europa eingeführt und zunächst in botanischen Gärten als Zierpflanze kultiviert, von wo sie dann auswilderte. Mittlerweile ist diese Pflanze zu einer echten Bedrohung geworden, da sich die Staude mit den weißen Doldenblüten rasch ausbreitet und so heimische Arten verdrängt. Gute Bedingungen findet sie auf Brachflächen und an Uferrandstreifen. Eine Pflanze vermehrt sich mit bis zu 50.000 Samen, die bis zu zehn Jahre keimfähig sind. Die leichten und schwimmfähigen Samen verbreiten sich entlang von Gewässern, Straßen und Gleisen.

Die Herkulesstaude wird 2 bis 4 m hoch mit bis zu 1 m langen Blättern. Ihre hohlen Stängel werden bis zu 10 cm dick und sind behaart. Die Pflanze blüht von Juni bis September.

Warum ist die Herkulesstaude so gefährlich?

Alle Pflanzenteile der Herkulesstaude enthalten eine gefährliche Substanz, Furocumarin, die bei Kontakt mit dem Pflanzensaft auf die Haut gelangt. Bei Sonneneinstrahlung bildet Furocumarin zusammen mit körpereigenem Eiweiß ein Antigen, das zu einer starken allergischen Reaktion führt.

Auf der Haut bilden sich Blasen, die an eine schwere Verbrennung erinnern und eine Verfärbung, die monatelang anhalten kann. Auch Dämpfe können die Gesundheit beeinträchtigen und z.B. Übelkeit verursachen. Selbst vertrocknete Stängel und Blüten sowie der Samen enthalten noch das gefährliche Furocumarin. Tückisch ist, dass unmittelbar nach dem Kontakt noch keine sichtbare Reaktion erkennbar ist. Die größte Gefährdung durch Sonnenlicht besteht eine halbe bis zwei Stunden nach Hautkontakt.

Wie verhält man sich bei Kontakt mit der Herkulesstaude?

Hat man die Herkulesstaude angefasst oder besteht der Verdacht, dies getan zu haben, so sollte man sofort die Sonne meiden. Die betroffenen Flächen sollten, auch wenn noch keine Reaktion sichtbar ist, gründlich mit Wasser und Seife abgewaschen werden. Sinnvoll ist es, anschließend eine Sonnenschutzcreme aufzutragen. Auch in den nächsten zwei bis drei Tagen ist die Sonne zu meiden.

Bekämpfungsmethoden und notwendige Schutzmaßnahmen

Folgende Maßnahmen sind bei der Bekämpfung der Herkulesstaude einzuhalten, um gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorzubeugen:

  • Schutzkleidung ist unbedingt notwendig (lange Hosen, dicker Pullover, Schutzbrille, Gesichtsschutz und vor allem Handschuhe). 
  • Sollte dennoch Pflanzensaft auf die Haut gelangen, ist dieser gründlich abzuwaschen. Direkte Sonnenbestrahlung ist in den nächsten Tag auch zu meiden. Bei starken Hautreizungen ist ein Arztbesuch nötig. 
  • Pflanzen nach Möglichkeit in der Dämmerung oder bei starker Bewölkung entfernen.
  • Gesicht und Hände sollten zusätzlich mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor geschützt werden.

Ein einfaches Abschneiden der Pflanze hilft nicht, da sie wieder austreiben würde. Folgende Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es:

  • Ausgraben der Pflanzen im April oder Mai, wenn das Wachstum gerade beginnt. Wird die Wurzel in 15 cm Bodentiefe abgestochen, ist ein Neuaustrieb kaum möglich. Allerdings ist eine Erfolgskontrolle notwendig.
  •  Während der Blütezeit ab Juni/Juli müssen zuerst die Blütendolden abgehackt werden, bevor der Rest der Pflanze entfernt wird (Vorsicht vor Pflanzensaftspritzern). Dabei muss ein Abfallen der Samen vermieden werden, weil diese nachreifen. Am besten stülpt man eine Plastiktüte über die Dolde, bindet diese fest zu und schneidet dann die Blüte ab.
  • Sind noch Dolden vom Vorjahr an der Pflanze, müssen diese besonders umsichtig entfernt werden, wenn sie noch Samen enthalten. 
  • Die Wurzeln, Dolden und Stängel dürfen auf keinen Fall kompostiert werden. Am sichersten ist es, sie in geschlossenen Tüten in den Restmüll zu geben. 
  • Alle verwendeten Geräte sind nach Gebrauch zu reinigen. Anhaftender Pflanzensaft führt sonst nachträglich noch zu Verbrennungen bzw. anhaftende Samen werden sonst nur weiterverschleppt.
  • Um wirklich sicher zu gehen, dass die Herkulesstaude vollständig entfernt wurde, ist eine mehrjährige Kontrolle unerlässlich

Die Bekämpfung der Herkulesstaude ist langwierig und arbeitsaufwändig. Deshalb sollte man die Bekämpfung außerhalb des eigenen Gartens auf Gemeindeebene gemeinsam mit Fachleuten durchführen.

Die Kartierung des Vorkommens der Herkulesstauden ist wichtig für eine dauerhafte Entfernung. Dadurch weiß man noch Jahre später nach der Entfernung der Pflanze, an welchen Orten durch im Boden vorhandene Samen möglicherweise neue Pflanzen wachsen können.

Stand: Januar 2019