Fitnessarmbänder – wie fit machen sie wirklich?

Mit sogenannten Self-Tracking-Armbändern überprüfen immer mehr Menschen, ob sie sich gesund verhalten. Das klingt vielversprechend für eine effizientere Gesundheitsversorgung. Doch wie steht es eigentlich um den Datenschutz? Das erfahren Sie im VerbraucherFenster.

Smartwatch © Viacheslav Iakobchuk - Fotolia.com_.jpg

Smartwatch
Smartwacht

Gehören Sie auch zur wachsenden Gruppe derjenigen, die eine Smart-watch oder ein Fitnessarmband nutzen? Laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (bitkom) nutzen Anfang 2017 31 Prozent  der Bundesbürger ab 14 Jahren so genannte Fitness-Tracker zur Aufzeichnung von Gesundheitswerten: 18 Prozent nutzen Fitnessarmbänder, 13 Prozent Smartphones mit Fitness-Apps und 6 Prozent Smartwatches.

Wie funktionieren Fitnessarmbänder?

Im digitalen Medien-Zeitalter machen Fitnessarmbänder und Smart-watches dem Personaltrainer ordentlich Konkurrenz. Ein Fitnessarmband fällt dem Träger solange auf den Wecker, bis dieser sich wieder bewegt. Die Armbänder schaffen es, vielfältigste Messdaten zu erheben und Aktivitäten aufzuzeichnen. Sie können unterscheiden, ob die aufgezeichneten Bewegungen zu einer sportlichen Aktivität oder zum Heben der Kaffeetasse im Büro gehören.

Verschiedene Sensoren sind in den Armbändern untergebracht, um die Aktivitäten zu erheben: Bewegungssensoren, optische Sensoren, bioelektrische Sensoren und GPS-Empfänger. Bewegungssensoren halten Bewegungen fest und können diese durch bestimmte elektronische Bausteine zuordnen. Optische Sensoren dienen vor allem der Messung des Pulswertes. Dabei befinden sich die Sensoren an der Innenseite der Fitnessarmbänder. Durch das Aussenden und Empfangen unterschiedlicher Lichtimpulse wird die Blutmenge unter der Haut ermittelt und ausgehend davon auf die Herzfrequenz geschlossen. UV-Sensoren, die sich teilweise ebenso auf den Armbändern befinden, sind für die Bestimmung der Helligkeit wichtig und können eine Anpassung der Display-Helligkeit mit sich bringen, um den Schlaf- und Wachmodus zu beeinflussen. Bioelektrische Sensoren geben Aufschluss auf das Körpergewicht, indem ein schwacher Strom durch den Körper geleitet und anschließend der Widerstand gemessen wird. Fett leitet den Strom schlechter durch, Wasser besser. GPS ermöglicht eine Standortaufzeichnung. So ist es möglich, daraus die Gesamtstrecke, die benötigte Zeit und die Geschwindigkeit zu ermitteln.

Wozu werden Fitnessarmbänder benutzt?

Die häufigsten gemessenen Werte sind laut Bitkom (Stand: Anfang 2017) Körpertemperatur (99 Prozent der Nutzer), Körpergewicht (75 Prozent), Anzahl der gegangenen Schritte (62 Prozent) sowie die zurückgelegte Strecke (57 Prozent). Nach den Ergebnissen der Umfrage setzen 30 Prozent der Smartphone-Nutzer zudem Gesundheits-Apps ein, die neben der Messung und Auswertung von Vitalwerten bei der Suche nach Ärzten oder Apotheken helfen, beim Abnehmen oder der Raucherentwöhnung unterstützen oder einen gesunden Schlaf fördern.

Fitnessarmbänder können einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung leisten

Fitnessarmbänder können also einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung leisten. Durch die Dokumentation der Aktivität – etwa der gegangenen Schritte – spürt der Träger Erfolgserlebnisse und wird motiviert, Begonnenes fortzuführen und gezielter auf seine Gesundheit zu achten. Was die Bewegung angeht, aber auch die Ernährung. Diese Konsequenz kann in Folge zu besseren Blutwerten führen und das Herz-Kreislaufsystem stärken. Laut dem vom VerbraucherFenster befragten Breitensportler Klaus Herzog ist Konsequenz das A und O. Für den durchschnittlichen Breitensportler sieht er kaum einen Mehrwert durch die Tracker. Sicherlich motiviere anfangs die Aufzeichnung von täglich absolvierten Schritten, Treppen steigen, zurückgelegter Strecke oder verbrauchter Kalorien. Oft halte diese Motivation aber nur eine relativ kurze Zeit an. Die von den Trackern gemessenen Werte zeigen den Istzustand an, geben dem Besitzer der Tracker aber keine Hilfestellung, wie dieser gemessene Wert bezogen auf die individuelle körperliche Konstitution zu bewerten ist, so dass langfristig Erfolge erzielt werden könnten. Das lässt die Motivation sinken. Der richtige Einsatz des Trackers und die auf den Träger abgestimmte Interpretation der gemessenen Werte können den Besitzer laut Herzog jedoch sehr effizient zu seinen festgelegten Zielen (Gewichtsreduzierung, Ausdauersteigerung) führen. Den zusätzlichen Einsatz einer Fitnessapp und die Zuhilfenahme des Smartphones erachtet Herzog als sinnvoll. Ebenso muss der individuelle tägliche Kalorienbedarf ermittelt werden, damit der vom Tracker gemessene Kalorienverbrauch ins Verhältnis zum Bedarf gesetzt werden kann. Erst dann lässt sich zuverlässig ein Kalorienüber-, oder -unterdefizit ablesen.

Wem nützen Fitnessarmbänder?

Fitnessarmbänder unterstützen ihre Träger also offensichtlich bei der Gesundheitsvorsorge. Auch die Krankenkassen könnten davon profitieren. Gesunde und fitte Menschen, deren Risiko kalkulierbar ist, sind das Wunschklientel jeder Versicherung. Teilweise bezuschussen Kassen sogar den Kauf eines Fitnessarmbands, obwohl sie bisher hoch nicht auf die Daten der Armbänder zugreifen können. Die Frage ist, ob dies überhaupt wünschenswert ist. Der gläserne Verbraucher, der alle Daten in die Hände der Krankenkasse spielt?   

Fitness-Daten ermöglichen die Kalkulation von gesundheitlichen Risiken

Die Fitness-Daten ihrer Versicherten zu erhalten, bringt für die Krankenkassen  einen entscheiden Mehrwert: gesundheitliche Risiken können besser eingeschätzt werden. Zwar sind günstigere Tarife für Versicherte, die ihre Daten abtreten, in Deutschland gesetzlichen Krankenkassen untersagt. Das verbietet das Solidaritäts-Prinzip und das Auffangsystem der gesetzlichen Krankenversicherungen, Bonus- oder Anreizsystem sind allerdings erlaubt.  Das bedeutet, dass diejenigen finanziell belohnt werden oder eine Prämie erhalten, die die Fitness-Armbänder tragen. Um zu überprüfen, ob die Armbänder genutzt werden, bräuchte man die Daten. Aus Sicht von Verbraucherschützern ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich dies durch eine Lockerung der Gesetze ändern könnte.

Verbraucherschützer sehen vor allem für Alte und Kranke Gefahren, die nicht mehr aktiv seien und sich nur wenig bewegen könnten. Dann drohten individualisierte und risikoorientierte Versicherungstarife und eine Diskriminierung von Versicherten, die eine permanente Selbstvermessung ablehnen.

"Datenkrake" Fitnessarmband?

Was die Kassen begrüßen, den ungehemmten Fluss von Fitnessdaten, ist aus Sicht von Verbraucherschützern und Datenschützern gefährlich. Schließlich handelt es sich bei Informationen über die Gesundheit um sensible Daten. Sobald ein Gegenstand oder eine Anwendung genutzt wird, bei der Daten erhoben werden, müssen Verbraucher informiert sein, dass Daten über sie gesammelt werden, an wen diese Daten weitergeleitet werden und wer diese Daten verwertet.

Soweit das Bundesdatenschutzgesetz zur Anwendung kommt, ist die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten nur nach vorheriger, ausdrücklicher Einwilligung zulässig. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen außerdem rechtliche Sicherheit haben, dass diese Daten uneingeschränkt erst einmal ihnen gehören. Auch bei Insolvenz des Anbieters oder wenn das Produkt vom Markt genommen wird, sollten Daten, die über Wearables oder Apps erhoben werden, den Verbraucherinnen und Verbrauchern ohne große Hürden zur Verfügung stehen.

Eine bundesweite Überprüfung von Fitnessarmbändern durch die Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen und sechs weiteren Datenschutzaufsichtsbehörden, deren Ergebnisse im Dezember 2016 veröffentlicht wurden, hat Lücken beim Datenschutz aufgezeigt. 16 Geräte wurden getestet, keines hat die datenschutzrechtlichen Anforderungen erfüllt. Der Nutzer erfährt oft nicht, wer Zugriff auf seine Daten erhält und wie lange diese gespeichert werden.

Unsichere Übertragungswege

Problematisch ist aus Datenschutz-Sicht auch, dass nur ein Bruchteil der Datentransfers über eine verschlüsselte Verbindung geschieht und damit Sicherheitslücken bestehen. Die von Wearables und Apps erfassten Daten werden in einer Cloud gespeichert, womit der Nutzer eine weitere, von ihm nicht gewollte Verwendung nicht kontrollieren kann. Dies ist nur dann unbedenklich, wenn vom Anbieter entsprechende Schutz – und Datensicherheitsmaßnahmen im Hinblick auf die abgelegten Daten getroffen werden, sodass ein Zugriff von anderer Stelle nicht möglich ist. Nutzer erkennen zudem häufig gar nicht, in welchem Umfang sie sich durch das Akzeptieren der Datenschutzerklärungen und Nutzungsbedingungen der Hoheit über ihre Daten entledigt haben, da die entsprechenden Formulierungen komplex und verklausuliert sind. Ebenso wenig sind die Profilbildungsprozesse transparent und nachvollziehbar. Es bedarf in diesem Bereich einer sicheren IT-Infrastruktur. Bei der technischen Sicherheit sollte insbesondere die drahtlose Übertragung von Daten, zum Beispiel zwischen Fitness-Armband und einem Smartphone, verschlüsselt erfolgen. Zudem sollten sich die Geräte untereinander eindeutig identifizieren und authentifizieren, um zu verhindern, dass Daten einfach abgegriffen werden können. Wearables und Gesundheits-Apps müssen sicher gegen Manipulation und Hacker-Angriffe und sicher vor Datenverlust und Übertragungsstörungen sein.

Bevor man ein Fitness-Armband kauft, sollte man sich also ausreichend über Können und Möglichkeiten dieses Gerätes informieren und Datenschutzbedingungen genauestens lesen. Denn wenn die Gesundheitsdaten nachher beim Arbeitgeber landen, wäre keinem gedient. 

Stand: Oktober 2018