Eichenprozessionsspinner: Eine häufig unterschätzte Gefahr im Grünen

In 2019 wird mit einem vermehrten Vorkommen des Eichenprozessionsspinners gerechnet. Die Brennhaare der Raupen, die mit dem Wind leicht weitergeweht werden, führen beim Menschen zu starkem Juckreiz, Pusteln bis hin zu Atembeschwerden. Auch Hundebesitzer müssen aufpassen, da die Schnauze der Vierbeiner allergisch reagieren kann. Wie kann man sich schützen?

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Warnschild Eichenprozessionsspinner

Wer beim Spaziergang aufmerksam durch Straßen und Parkanlagen geht, sieht manchmal einen Warnhinweis, in dem vor dem Eichenprozessionsspinner gewarnt wird. Die Raupen mit ihren giftigen Brennhaaren sind gesundheitsgefährdend für Mensch und Tier. .

Eichenprozessionsspinner breitet sich immer mehr aus

Der Eichenprozessionsspinner gedeiht im warmen und trockenen Klima und kam deshalb im letzten Jahrhundert vor allem in einem Streifen von der iberischen Halbinsel über Südeuropa bis nach Vorderasien vor. Aufgrund der wärmeren Sommer und der milderen Winter breitet er sich immer weiter in Mitteleuropa Richtung Norden aus. Mittlerweile ist er auch in Südschweden zu finden.

Wie der Name vermuten lässt, kommt dieser Schädling in Eichen vor. Er bevorzugt Bäume, die einzeln, am Waldrand oder in lichter Umgebung stehen. Deshalb ist er häufiger in Eichenbäumen an Straßenrändern, in Parks oder auch im urbanen Bereich zu finden.

Gelegentlich werden auch andere Baumarten wie die Hainbuche vom Eichenprozessionsspinner befallen. Dies gilt insbesondere für Jahre, in denen die Raupen massenhaft vorkommen.

Aktuelle Situation in Deutschland in 2019

Kam der Eichenprozessionsspinner in Deutschland bis um das Jahr 2000 nur relativ wenig vor, so hat er sich seither immer weiter ausgebreitet. Trockene Sommer wie zum Beispiel im Jahr 2003 begünstigten die massenhafte Vermehrung. Mittlerweile sind alle Bundesländer vom Eichenprozessionsspinner befallen. Am stärksten betroffen sind Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin.

Für das Jahr 2019 wird mit größeren Populationen des Eichenprozessionsspinners gerechnet. Verantwortlich dafür ist das trockene Wetter im letzten Spätsommer, in dem die Eiablage stattgefunden hat und die Temperaturen im Frühjahr 2019. Für die Entwicklung der Raupen kamen die warmen Temperaturen gerade zum richtigen Zeitpunkt. Deshalb gibt es auch fast täglich neue Meldungen über das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners.

Raupen haben Brennhaare mit Gift

Für Mensch und Tier gefährlich sind die Raupen des Eichenprozessionsspinners, die im Frühjahr schlüpfen. Sie durchlaufen sechs Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung, um sich dann in einen Falter zu verwandeln. Ab dem dritten Entwicklungsstadium wachsen an den Raupen Brennhaare mit Widerhaken. Diese enthalten ein Eiweiß, das Thaumetopoein, das giftig wirkt. Mit jedem Entwicklungsstadium mehr erhöht sich auch die Gefahr. So hat eine Altraupe bis zu 700.000 Brennhaare.

Die Raupen sind an ihrer dunklen, breiten Rückenlinie und den samtartig behaarten Feldern zu erkennen. Sie werden bis zu fünf Zentimeter lang. Die Raupen sind gesellige Wesen. Sie kommen deshalb in Gruppen mit 20 bis 30 weiteren Raupen vor und bilden ein Nest.

Welche Symptome ruft das Gift hervor?

Die Brennhaare reizen Haut und Schleimhäute, was zu Juckreiz, Pusteln und entzündeter Haut führt. Die Behandlung solcher Hautpartien erfolgt mit Kortisolpräparaten. Wird die Haut nicht behandelt, dauert es ein bis zwei Wochen zum Heilen der Haut. Antihistaminika lindern den Juckreiz.

Werden die Brennhaare eingeatmet, werden die Mund- und Nasenschleimhaut gereizt. Dadurch können ernsthafte Krankheiten wie Bronchitis oder Asthma ausgelöst werden.

Mit der Reizung der Haut und Schleimhäute verschlechtert sich oft auch der Allgemeinzustand. Symptome wie Müdigkeit, Schwindel, Fieber oder eine Bindehautentzündung treten auf. In Einzelfällen können überempfindliche Menschen auch mit einem allergischen Schock reagieren.

Gefahr lauert ganzjährig und nicht nur in der Nähe von Eichen

Während der Fraßzeit der Raupen im Mai und Juni ist die Gefahr besonders groß, mit den Raupen direkt in Kontakt zu kommen. Doch auch ganzjährig besteht ein Kontaktrisiko, da in den Bäumen von den mehrmaligen Häutungen der Raupen Nester sowie Verpuppungsgespinste zurückbleiben und auf den Boden fallen. Die Brennhaare können dann leicht an Kleidung und Schuhe gelangen und allergische Reaktionen hervorrufen.

Da die Brennhaare leicht abbrechen und sehr leicht sind, werden sie schon durch leichte Windbewegungen weiterverbreitet. Dadurch können bei Spaziergängern, spielenden Kindern oder Joggern Hautreizungen auftreten, obwohl sie sich nicht in direkter Nähe von Eichenbäumen aufgehalten haben.

Wichtig ist auch zu wissen, dass das Gift der Brennhaare über mehrere Jahre gesundheitliche Auswirkungen hat. So kann sogar Brennholz aus befallenen Regionen ein Risiko darstellen.

Wer gehört zu den Risikogruppen und wie schützt man sich?

Für jeden, der sich beruflich oder in der Freizeit im Freien aufhält, können die Raupen gefährlich werden.

Besonders vorsichtig sollten sein:

  • Besucher von Parkanlagen
  • Erholungssuchende im Wald und an Waldrändern, auch Kinder und Erzieher in Waldkindergärten
  • Besucher von Freizeitanlagen ( Kinderspielplatz, Sportplatz, Schwimmbad, Parkplätze)
  • Direkte Anwohner von betroffenen Waldgebieten
  • Hausbewohner mit Eichen im Garten
  • Waldarbeiter
  • Arbeitskräfte von Straßenmeistereien und Landschaftspflegebetrieben

Was tun zum Schutz?

  • Nicht in kurzen Hosen und Tops im Wald spazieren gehen, wandern, Rad fahren oder spielen. Besser die Hautpartien wie Nacken, Hals, Unterarme oder Beine bedecken.
  • Raupen und Nester niemals berühren.
  • Wenn möglich, betroffene Befallsgebiete meiden. Meist weisen Schilder auf einen Befall hin.
  • Bei Kontakt Kleidung rasch wechseln, möglichst im Freien, damit keine Brennhaare ins Haus gelangen. Anschließend die Kleidung bei 60 Grad waschen. Schuhe sind nass zu reinigen.
  • Hautreaktionen sollten vom Arzt angeschaut werden, bei Atemnot ist sofort der Rettungsdienst zu rufen.

Und was ist mit Haustieren?

Für den Hund kann der Eichenprozessionsspinner gefährlich werden, auch wenn das Fell vor den Brennhaaren der Raupen schützt. Doch wenn Hunde im Gestrüpp stöbern oder Herumschnüffeln können sie mit Schnauze und Schleimhäuten in Kontakt mit den Brennhaaren kommen. Dies löst eine allergische Reaktion aus, was zu anschwellender Zunge und Lefzen bis hin zu Atemproblemen führt. Als Erste-Hilfe-Maßnahme sind die betroffenen Stellen mit Wasser abzuspülen und zu kühlen. Wer unsicher ist, sollte zum Tierarzt gehen.

Melden und professionell bekämpfen lassen

Wer Nester mit Raupen des Eichenprozessionsspinners entdeckt, sollte dies umgehend dem zuständigen Gesundheits- oder Gartenamt mitteilen. Bei befallenen Waldgebieten ist das zuständige Forstamt zu informieren. Die Beseitigung der Raupen oder der gespinstartigen Nester wird von Fachpersonal in Schutzanzügen und Spezialausrüstung vorgenommen. Wenn nötig, werden auch Waldwege oder Kinderspielplätze wegen des Eichenprozessionsspinners gesperrt.
Aufgrund des gesundheitlichen Risikos sollten Haus- und Grundstücksbesitzer die Bekämpfung von befallenen Eichen Fachleuten überlassen.

Woher kommt der Name?

Die in Gruppen lebenden Raupen wandern abends zum Fressen in die Baumkronen der Eichen. Mit einer Gruppenstärke von bis zu 30 Raupen sieht dies dann wie eine Prozession aus, die bis zu zehn Meter lang sein kann. (fra)

Stand: Juli 2019