Drum prüfe, wer sich sportlich bindet

Im Winter fällt der Gang ins Fitnessstudio leichter als bei Wind und Kälte draußen zu joggen. Vor Vertragsabschluss sollte man sich aber gründlich informieren. Worauf ist bei der Wahl eines Fitnessstudios zu achten?

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Älterer Mann trainiert im Fitnessstudio

Im Sommer braucht es meist wenig Überwindung, draußen zu joggen oder Rad zu fahren. Ganz anders sieht es in der dunklen Jahreszeit bei Wind und Regen aus. Für manchen ist deshalb der Weg ins Fitnessstudio eine gute Alternative.

Wer sich ausgiebig vor der Anmeldung informiert und den richtigen Anbieter wählt, erspart sich später Unannehmlichkeiten.

Warum ist die Wahl des richtigen Fitnessstudios so wichtig?

Bevor man einen Vertrag mit einem Fitnessstudio abschließt, sollte man sich dieses genau angeschaut und ein Probetraining absolviert haben, denn:

  • Viele Verträge laufen über eine längere Zeit.
  • Falsches Training kann Beschwerden an Gelenken oder an der Wirbelsäule auslösen oder verstärken.
  • Ungünstige Öffnungszeiten schränken die Trainingsmöglichkeiten ein.
  • Schlechte Verkehrsanbindung und fehlende Parkmöglichkeiten motivieren nicht zum Trainieren.

Anleitung durch qualifizierten Trainer

Welches Fitnessstudio das passende ist, ist auch von persönlichen Vorlieben wie dem Kursangebot oder Studio-Atmosphäre abhängig. Bei einem Probetraining sollte man sich vor allem über Folgendes informieren:

  • Kursangebot
  • Zustand der Fitnessgeräte  und ihre regelmäßige Wartung (Aber Vorsicht: „alt“ heißt nicht automatisch „schlecht“)
  • Vorhandensein von qualifizierten und jederzeit ansprechbaren Trainern
  • Ausführliche Einweisung in die Gerätebenutzung mit Aufklärung über die Risiken von zu hohen Gewichten
  • Durchführung eines Fitness-Checks einschließlich Abfrage von Körperdaten wie Alter, Größe und Gewicht sowie gesundheitlichen Beeinträchtigungen
  • Erstellung eines individuellen Trainingsplans (vor allem bei Anfängern), der regelmäßig kontrolliert und angepasst wird
  • Hygienebedingungen in den Umkleiden und Waschräumen

Bei der Auswahl des Fitness-Studios ist auch darauf zu achten, ob zu Stoßzeiten – vor allem nach Feierabend – genügend freie Geräte für das Training zur Verfügung stehen und die Belüftung der Räume funktioniert.

Angebot an Zusatzleistungen

Folgende Fragen sind auch hilfreich, um die eigenen Wünsche und Ansprüche an ein Fitnessstudio zu klären:

  • Gibt es neben dem Gerätepark auch ein gutes Kurs- und Wellnessprogramm?
  • Gibt es weitere Angebote im Gesundheitsbereich wie Ernährungsberatung oder Diätprogramme?
  • Wenn neben der Fitness auch gesundheitliche Probleme behoben werden sollen: Ist das Personal und die Einrichtung dafür ausgerichtet?
  • Wer nach dem Training entspannen möchte: Gibt es eine Sauna, ein Schwimmbad oder eine Massagemöglichkeit?
  • Falls benötigt: Gibt es eine Kinderbetreuung während meiner Trainingszeit?
  • Bevorzuge ich ein kleines Studio mit familiärer Atmosphäre oder lieber ein größeres mit mehr Möglichkeiten?

Mitnahme von eigenen Getränken ins Fitnessstudio

In manchen Verträgen mit Sportstudios gibt es Regelungen, die das Mitbringen von eigenen Getränken ins Fitnessstudio verbietet, da die Sportler die häufig doch sehr teuer angebotenen Getränke des Fitnessstudios kaufen sollen. Nach Gerichtsurteilen sind solche Klauseln im Vertrag unwirksam, da die Nutzer des Sportstudios benachteiligt wären, wenn sie ihren erhöhten Getränkekonsum bei sportlicher Betätigung nur durch die im Studio angebotenen Getränke decken könnten.

Gibt das Studio aber Getränke zu handelsüblichen Preisen ab, so kann die Mitnahme von eigenen Getränken durchaus vertraglich untersagt werden

Auch sind Getränkeverbote aus Sicherheitsgründen erlaubt wie zum Beispiel die Mitnahme von Glasflaschen.

Kosten: Je länger, desto günstiger

Ein Vergleich der Beiträge von verschiedenen Fitness-Studios lohnt sich, wobei das Leistungsangebot berücksichtigt werden muss. Die Betreuung durch fachlich gut geschultes Personal kann meist nur durch höhere Beiträge finanziert werden. Preiswertere Studios sparen meist daher eher am Personal und selten an den Geräten. In teureren Fitnessstudios ist das Kursangebot aufgrund des größeren Personalbestandes auch umfangreicher. Zudem werden Extras angeboten wie Ernährungsberatung, Sauna oder Kinderbetreuung. Ist man selber kein Saunagänger und das ausgewählte Fitnessstudio hat einen Saunabereich, dann sollte nachgefragt werden, ob es einen reduzierten Beitrag ohne Saunatarif gibt.

Vor der Unterschrift sollte die Vertragslaufzeiten genau angeschaut werden. Bei vielen Studios sind die Monatsbeiträge niedriger, wenn eine längere Laufzeit gewählt wird. Zudem ist auf zusätzliche Kosten wie eine Aufnahmegebühr zu achten. Vorab zu klären ist auch, ob ein kostenloses Probetraining möglich ist oder ob die Erstellung eines Trainingsplanes im Monatsbeitrag enthalten ist.

Gesetzlich zulässig ist eine Erstlaufzeit von bis zu zwei Jahren. Die häufig im Vertrag enthaltene Klausel, dass sich der Vertrag danach automatisch verlängert, ist rechtlich zulässig, sofern der Zeitraum nicht länger als ein Jahr ist. Für Anfänger ist ein Zweijahresvertrag nicht geeignet, da sie noch gar nicht abschätzen können, ob das Training in einem Fitnessstudio über einen längeren Zeitraum die richtige Trainingsart ist.

Kündigung nur bei wichtigem Grund möglich

Die monatliche Gebühr ist auch dann zu zahlen, wenn der Kunde keine Zeit oder Lust zum Trainieren hat und somit die Leistungen des Fitness-Studios nicht in Anspruch nimmt. Kann der Kunde „aus wichtigem Grund“ nicht mehr ins Fitness-Studio gehen, besteht ein Kündigungsrecht. Ein „wichtiger Grund“ sind gesundheitliche Beschwerden. Hierfür darf das Studio ein ärztliches Attest als Nachweis verlangen. In diesem Fall bescheinigt der Arzt die dauerhafte Sportunfähigkeit. Die konkrete Art der Erkrankung muss jedoch nicht benannt sein. Waren die Beschwerden jedoch bei Vertragsabschluss schon bekannt, gelten diese nur dann als wichtigen Grund, wenn sie sich wesentlich verschlimmert haben.

Eine außerordentliche Kündigung ist dann möglich, wenn der Studiobetreiber sein Angebot einschränkt (zum Beispiel kürzere Trainingszeiten) oder andere Vertragspflichten verletzt und er trotz Aufforderung innerhalb einer angemessenen Frist keine Abhilfe geschaffen hat.

Wer haftet bei Verletzung oder Diebstahl?

Das Studio muss normalerweise Schadensersatz leisten, wenn ein Kunde sich beim Training verletzt oder dessen persönliche Sachen (z.B. Kleidung, Wertsachen) gestohlen werden. Da dies nicht im Sinne der Betreiber von Fitnessstudios ist, schließen sie die Haftung aus oder schränken sie so ein, dass sie nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit Schadensersatz leisten müssen. Demzufolge muss der Studiobetreiber bei Diebstahl von Kleidung meist nicht haften, zumal häufig auch Schilder darauf hinweisen. Deshalb wird empfohlen, keine Wertsachen mitzunehmen.

Anders sieht es aus, wenn Trainingsgeräte nicht richtig gewartet werden. Verletzt sich dann jemand, muss das Studio auf jeden Fall für Schäden bezahlen.

Orientierungshilfe bei der Auswahl bietet DIN-Norm

Wertvolle Orientierungshilfe bei der Wahl des richtigen Studios bietet die DIN 33961. Diese offizielle, einheitliche Norm für Fitnessstudios hat Deutschland im März 2013 als erstes Land eingeführt. Weist ein Studio nach, dass es wichtige Standards einhält – unter anderem in den Bereichen Gesundheitsförderung, Sicherheit und Hygiene – und somit der Norm entspricht, erhält es im Anschluss ein Prüfzeichen. Dieses wird auch vom TÜV Rheinland vergeben.

Stand: Oktober 2018