Baden in Flüssen und Seen – Mit Spaß und Sicherheit

Von Mai bis September laden viele sonnige Tage zum Baden an Flüssen, Bächen und Seen ein. Ein Tag am Wasser ist wie Urlaub. Doch leider kommt es beim Baden und Schwimmen immer wieder zu Todesfällen durch Ertrinken. Dieses geschieht entgegen der üblichen Meinung lautlos. Welche Gefahren birgt das kühle Nass? Wie verhält man sich richtig?

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Badesee mit Kinder

Bei sommerlichen Temperaturen ist das Baden nicht nur im Freibad, sondern auch im Grünen an Bächen, Flüssen und Seen erfrischend und erholsam. An Seen werden manche Badestellen überwacht, doch die meisten nicht. Aus Unachtsamkeit und Leichtsinn, aber auch weil die Risiken beim Baden in Seen und Flüssen unterschätzt werden, kommt es immer wieder zu tödlichen Badeunfällen.

2018 ertranken mehr Menschen als im Vorjahr

Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind im vergangenen Jahr in Deutschland 504 Menschen ertrunken. Dies waren etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Verantwortlich für die drastische Zunahme der Anzahl der Badetoten in 2018 war nicht nur die gute und lange Badesaison aufgrund des sonnigen Wetters, sondern auch die Tatsache, dass immer weniger Menschen sicher schwimmen können. Dies führt die DLRG auf die Schließung von Schwimmbädern zurück, da dadurch weniger Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, schwimmen lernen können. Dies bestätigte eine Umfrage der DLRG, die ergab, dass nur noch 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen den Freischwimmer haben.

Auffallend ist, dass deutlich mehr Männer unter den Ertrunkenen sind als Frauen.
Ältere Menschen sind mehr gefährdet, da 40 Prozent der beim Baden ertrunkenen Menschen 55 Jahre und älter waren. Auch jüngere Erwachsene Anfang 20 ertrinken häufiger.

Ertrinken geht lautlos vor sich

Erwachsene und vor allem Kinder ertrinken lautlos. Das Bild eines im Wasser in Not geratenen Menschen, der mit den Armen wild um sich schlägt und um Hilfe ruft, ist nicht realistisch. Ein bewegungslos treibender Körper ist ein wichtiges Warnsignal.

Das Ertrinken ist meist ein Ersticken infolge mangelnder Sauerstoffzufuhr. Dies passiert, wenn Wasser in die Atemwege gelangt. Dabei kann sich die Stimmritze im Kehlkopf verkrampfen. Dieser Schutzmechanismus verhindert, dass Wasser in die Lunge gelangt. Doch dadurch kann man auch nicht mehr atmen. Die Folge: Es kommt zum Kreislaufstillstand, gefolgt von der Bewusstlosigkeit. Wenn nicht schnell Hilfe kommt, kann es tödlich enden.

Da in einer solchen Gefahrensituation die Atemfunktion der Sprechfunktion übergeordnet ist, können Ertrinkende auch nicht um Hilfe rufen. Zudem sind sie erschöpft, kraftlos und bewegungsunfähig.

Gründe für Badeunfälle sind je nach Alter unterschiedlich

Wenn Kinder beim Baden verunfallen, wurde häufig die Aufsichtspflicht von den Eltern oder anderen Betreuungspersonen vernachlässigt. Die Aufsicht ist beim Baden – egal ob am See oder im Freibad – erschwert, da es am Ufer von Menschen wimmelt. Leicht können deshalb Eltern ihr Kind aus den Augen verlieren. Deshalb ist das Beobachten des Kindes umso wichtiger.

Jugendliche und junge Erwachsene kommen oft aus Leichtsinn oder Selbstüberschätzung in gefährliche Situationen. Kenntnisse über die besonderen Risiken eines Sees oder Flusses wie Strömung sind meist mangelhaft. Dabei haben diese Gewässer oft unberechenbare starke Strömungen und Temperaturunterschiede. Zudem besteht bei Schiffsverkehr noch ein großer Sog und Wellengang. Auch geübte Schwimmer können hier einen Muskelkrampf erleiden und sich nicht über Wasser halten.

Bei älteren Menschen kommen noch vorhandene gesundheitliche Probleme dazu. Bestehen bereits Herz-Kreislauf-Beschwerden, können diese in Verbindung mit Überhitzung des Körpers durch Sonneneinstrahlung und einer Überbelastung beim Schwimmen zu lebensbedrohlichen Situationen bis hin zum Herzinfarkt führen.

Alkohol und Baden vertragen sich nicht

Nach dem Feierabend einen anstrengenden Tag am See mit ein paar Flaschen Bier und Schwimmen ausklingen zu lassen ist verlockend. Doch mit Alkohol intus sollte man auf jeden Fall auf das Baden verzichten. Mit Alkohol im Blut – auch wenn man sich noch nüchtern und relativ fit fühlt - kann man kaum richtig einschätzen, wie das kalte Wasser auf den Kreislauf wirkt. Auch wirkt Alkohol bei sommerlichen Temperaturen schneller und intensiver im Körper, was zu Kreislaufproblemen bis hin zu Bewusstlosigkeit führen kann.

Wer betrunken ins Wasser geht, riskiert durch das kalte Wasser auch einen Kälteschock. Dies liegt daran, dass Alkohol die Blutgefäße weitet und der Körper schneller auskühlt. Deshalb können für betrunkene Badende schon Wassertemperaturen ab 20 bis 22 Grad gefährlich werden.

Alkohol beeinträchtigt zudem die Koordination beim Schwimmen, so dass man sich im betrunkenen Zustand schwerer über Wasser halten kann.

Auch leichtsinniges Verhalten als Folge eines zu hohen Alkoholpegels kann zu lebensgefährlichen Situationen führen.

Was ist zu beachten vor dem Sprung ins kühle Nass?

Wer von der Autofahrt oder dem Radfahren zum See noch schwitzt, möchte möglichst schnell ins Wasser zum Abkühlen. Davon ist jedoch abzuraten. Besser ist es, zunächst einige Zeit außerhalb des Wassers zur Ruhe zu kommen und dann erst langsam ins Wasser gehen. Wer überhitzt zu schnell ins kalte Wasser taucht, riskiert gesundheitliche Probleme wie Kreislaufbeschwerden. Und wer körperlich ausgepowert und somit ohne Kraftreserven schwimmen möchte, hat im Notfall keine Energie mehr fürs Schwimmen ans rettende Ufer.

Kindern wird beigebracht, dass man nicht mit leerem oder vollem Bauch ins Wasser soll. Dies gilt auch für Erwachsene. Wer also den Magen mit Currywurst, Schnitzel und Pommes gefüllt hat, macht besser zuerst eine Verdauungspause vor dem Schwimmen.

Was muss ich beim Baden in unbekannten Gewässern wissen?

Baggerseen wie auch natürliche Seen sind meist ziemlich tief. Doch häufig sind nur die oberen Schichten und flachen Wasserbereiche in Ufernähe im Sommer erwärmt. Die tiefer liegenden Schichten sind deutlich kühler. Beim Schwimmen Richtung Seemitte kühlt der Körper schneller aus, er verliert mehr Energie, das Schwimmen wird anstrengender und Krämpfe drohen. Deshalb gilt: Wer friert, sollte sofort das Wasser verlassen.

Bei unbekannten Gewässern immer langsam ins Wasser gehen und nicht reinspringen. Ein Kopfsprung im Ufer- oder einem Flachwasserbereich kann lebensgefährlich sein.

Bewachsene und sumpfige Uferzonen sind zum Baden nicht geeignet, da man leicht im Untergrund einsinken kann. Auch Wasserstellen mit Felsen im Wasser, an denen versteckte Strömungen sich befinden können, sind zu meiden.

Badeverbote in Natur- und Wasserschutzgebieten sind zum Schutz von Flora und Fauna einzuhalten.

Wer dem Trubel am Baggersee oder dem überfüllten Freibad entgehen möchte, sucht sich lieber eine abgeschiedene Badestelle. Davon ist abzuraten, nicht nur der Natur, sondern vor allem der eigenen Gesundheit zuliebe. Der Einstieg in eine wilde Wasserstelle kann gefährlich sein. Ob Wasserströmungen, Strudel und andere Gefahren vorhanden sind, weiß man meistens nicht. Und geht es steil ins Wasser rein, geht es auch nur steil wieder heraus, was sehr anstrengend sein kann. Manchmal geht es auch gar nicht, da man durch den glitschigen Boden immer wieder abrutscht.

Wie verhalte ich mich, wenn ich im Wasser plötzlich gesundheitliche Probleme verspüre?

Am besten ist es, man badet nur an bewachten Badestellen an Seen oder im Schwimmbad. Wer sich plötzlich im Wasser unwohl fühlt, Kreislaufprobleme oder einen Wadenkrampf bekommt, sollte Ruhe bewahren, andere Schwimmer rufen und auf die Notlage aufmerksam machen.

Da niemand vorhersehen kann, ob er beim Schwimmen im See nicht doch plötzlich gesundheitliche Beschwerden bekommt, sollte man nicht alleine ins Wasser gehen, damit im Notfall Hilfe in nächster Nähe ist.

Tipps zum sicheren Baden in Seen und Flüssen

  • Gut schwimmen können
  • Baden nur an beaufsichtigten Badestellen. Bei gehisster roter Flagge niemals baden.
  • Sich über die Besonderheiten des Badegewässers informieren.
  • Nur ins Wasser springen, wenn es frei und tief genug ist.
  • Sich nicht überschätzen beim Schwimmen. Nicht zu weit raus schwimmen, denn der Rückweg ist meist länger als gedacht.
  • Nicht alleine ins Wasser.
  • Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich. Das Wasser ist sofort zu verlassen.
  • Kinder müssen ständig am und im Wasser überwacht werden.
  • Den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen durch Trinken von Tee, Mineralwasser oder Saftschorle ausgleichen. Alkoholhaltiges Bier ist kein Durstlöscher.
  • Körperliche Anstrengungen vor dem Baden meiden.

(fra)

Stand: Juli 2019