Kinder und Smartphones? Besser nicht zu früh!

Smartphones und Tablets üben eine wahre Faszination auf Kinder aus. Doch sollten Eltern gut überlegen, ab wann die Kleinen auf den mobilen Geräten herumwischen sollten. Schnell sind Kinder mit den Funktionen der Technik oder der Datenflut überfordert. Außerdem steigt das Risiko für Kurzsichtigkeit, je früher es zum Einsatz kommt.

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Kleines Mädchen liegt auf dem Sofa und schaut auf ihr Smartphone

Ab wann sollten Kinder mit dem Smartphone in Kontakt kommen?

Auch wenn die flackernden Bilder und vielen Anwendungen verlockend sind, raten Fachleute bei Kindern unter dem dritten Lebensjahr von der Nutzung der Bildschirmmedien ab. Häufig sind Kleinkinder mit den medialen Eindrücken und dem Bedienen der Geräte noch überfordert. Des Weiteren steigt das Risiko für Kurzsichtigkeit, je früher Kinder Smartphones und Co. nutzen. Der Grund ist, dass dabei eine lange Zeit der Nahbereich fokussiert wird – und zwar noch stärker als beim Anschauen von Bilderbüchern. Dadurch wächst der Augapfel und das Auge wird länger, was die Kurzsichtigkeit begünstigt.

Frühestens ab dem vierten Lebensjahr unter Anwesenheit der Eltern sollten Kinder erste Erfahrungen mit dem Smartphone der Eltern oder Geschwister sammeln und gemeinsam Funktionen ausprobieren.

Aufgepasst mit der Handystrahlung!

Genauso wie bei den klassischen Mobiltelefonen verwenden auch Smartphones und Tablets hochfrequente elektromagnetische Felder um Daten zu übertragen. So wird zum Beispiel während des Telefonierens eine Funkverbindung zwischen dem Smartphone und dem nächsten Sendemast über elektromagnetische Wellen hergestellt. Dabei entsteht Energie, die in Form von Wärme vom Körper aufgenommen wird. Zwar ist der Datenversand über die mittlerweile häufigsten Mobilfunkstandards (UMTS [3G] und LTE) strahlungsärmer, dennoch ist bis heute wissenschaftlich nicht geklärt, wie schädlich die Strahlen ist.

Da sich Kinder noch in der Entwicklung befinden, reagieren sie gesundheitlich noch empfindlicher als Erwachsene. Deshalb sollte die Strahlenbelastung von Kindern so gut es geht minimiert werden.

Folgende Tipps können hier helfen:

  • Je jünger das Kind, desto geringer sollte die Handynutzung sein.
  • Smartphone und Tablet beim Surfen in einem ausreichenden Abstand zum Körper halten. Je weiter das Gerät vom Körper entfernt ist, desto geringer ist die Strahlenbelastung.
  • Kabelverbindungen sind weniger strahlungsintensiv als WLAN, und WLAN ist weniger strahlungsintensiv als Verbindungen mit dem Mobilfunknetz.
  • Achten Sie bei der Anschaffung neuer Geräte auf den sogenannten SAR-Wert. Dieser gibt an, wie viel Energie aus elektromagnetischen Feldern während der Handynutzung von Körperteilen aufgenommen wird. Der SAR-Wert Ihres Smartphones sollte möglichst gering sein (< 2 Watt pro Kilogramm).

Ab wann sollten Kinder ein eigenes Smartphone bekommen?

Eine Empfehlung, ab wann ein Kind ein eigenes Smartphone bekommen sollte, gibt es nicht. Bei älteren Kindern kann es nützlich sein, wenn zum Beispiel ab der fünften Klasse der Schulweg oder die Anfahrt zu Sport und Freunden länger ist. Als erstes eigenes mobiles Endgerät reicht am Anfang aber ein einfaches Handy mit Telefon- und SMS-Funktion.

Denn je mehr Funktionen ein Telefon hat, desto verantwortungsvoller sollte das Kind bereits mit Medien umgehen können. Der Elternratgeber „Schau hin““ empfiehlt ein Smartphone ab dem 11. oder 12. Lebensjahr. Dann sind Kinder in der Regel in der Lage, Inhalte einzuordnen und zu verarbeiten, nicht wahllos zu konsumieren und Medienangebote, Werbung und Botschaften kritisch zu hinterfragen. Allerdings braucht es zum Erlernen dieser Kompetenzen die Unterstützung der Eltern.

Entscheiden sich Eltern bei jüngeren Kindern zum Kauf eines Smartphones, sollten sie darauf achten, dass die Geräte über Sicherheitseinstellungen und Jugendschutz-Apps gut sichern.

Empfehlungen für die Anschaffung des ersten Smartphones

  • Smartphones gut auswählen: Achten Sie bei der Wahl des richtigen Smartphones für Ihr Kind darauf, dass es damit gut umgehen kann und es seinen Bedürfnissen entspricht. Dies gilt besonders dann, wenn Sie Ihrem Kind Ihr altes Smartphone überlassen. Produkttests und Empfehlungen können hier helfen. Achten Sie auf einen niedrigen SAR-Wert (siehe oben).
  • Kindgerechter Tarif: Mittlerweile gibt es bei vielen Mobilfunkanbietern spezielle Verträge für Kinder und Jugendliche. Eine andere Option ist ein Laufzeitvertrag mit monatlicher Kostenbegrenzung, einem sogenannten Kosten-Airbag oder eine Prepaidkarte.
  • Kostenfallen vermeiden: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über entstehende Kosten und welche Anwendungen, Dienste, Nachrichten und Gespräche diese verursachen können. Häufig sind gerade Spiele und Klingeltöne kostspielig. Lassen Sie sicherheitshalber Drittanbieter über die jeweilige Servicenummer des Netzbetreibers sperren.
  • Sicherheit geht vor: Aktivieren Sie die Sicherheitseinstellungen des Smartphones. Auch ist eine Jugendschutz-App ratsam. Richten Sie das Handy gemeinsam mit Ihrem Kind ein und erklären Sie ihm, wann GPS, WLAN und Bluetooth ausgeschaltet bleiben sollen. Achten Sie auf das Nutzungsverhalten Ihres Kindes und begleiten Sie es beim Umgang mit dem Smartphone.
  • Regeln aufstellen: Vereinbaren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Nutzungsregeln für den Umgang mit dem Smartphone. Diese sollten die Punkte Verhalten, Datenschutz, Downloads und Kosten beinhalten: Wie stelle ich ein sicheres Passwort ein? Wann ist eine Antivirenschutz-App sinnvoll? Wie gehe ich mit den eigenen und den Daten anderer im Internet um? Wann muss das Handy ausgeschaltet werden? Darf etwas heruntergeladen werden und wann ist eine Rücksprache mit den Eltern nötig? Am besten halten Sie die Punkte gemeinsam schriftlich fest und vereinbaren Konsequenzen, wie etwa Handypausen. Hilfe hierzu bekommen Sie zum Beispiel über den Mediennutzungsvertrag.
  • Datenschutz gehört großgeschrieben: Klären Sie Ihr Kind zum Thema Datenschutz und Privatsphäre auf und helfen Sie ihm beim Einrichten sicherer Passwörter und PIN-Nummern.
  • Handypause: Vereinbaren Sie mit Ihren Kindern handyfreie Zeiten beim Essen, bei den Hausaufgaben oder vor dem Schlafengehen. Studien zeigen, dass das helle Licht von Smartphones und Co. das Hormon Melatonin unterdrücken kann, welches den Schlaf-/Wachrhythmus reguliert. Bei Treffen mit anderen sollte das Handy stummgeschaltet sein, Nachrichten sollten zu bestimmten Zeiten gecheckt werden, zum Beispiel morgens, mittags und abends. Dreht sich beim Kind alles nur noch ums Smartphone, können handyfreie Tage sinnvoll sein.
  • Kindgerechte Apps: Verlassen Sie sich nicht auf die Alterseinstufungen des Appstores, sondern werfen Sie zusätzlich noch einen Blick auf die jeweiligen Apps. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass Sie zumindest in der ersten Zeit für das Herunterladen von Apps verantwortlich sind. Hat Ihr Kind Erfahrungen gesammelt und zeigt sich verantwortungsbewusst, kann es ab etwa dem 12. Lebensjahr Downloads und Anmeldungen alleine vornehmen. Klären Sie mit Ihrem Kind, dass es sich bei Fragen und Unsicherheiten zunächst mit Ihnen besprechen soll.

Stand: November 2018