Krank im Urlaub: Was tun?

Endlich steht er vor der Tür: der lang geplante Urlaub! Was aber nicht geplant war, war die Grippe. Oder im anderen Fall die plötzliche Zahn-OP oder das gebrochene Bein. Was können oder müssen Arbeitnehmer tun, wenn sie im Urlaub krank werden? Können sie den Urlaub nachholen? Was ist im Ausland zu beachten?

Mit Fieber im Bett forca - Fotolia.com_.jpg

Junge Frau liegt im Bett und liest ein Fieberthermometer ab

Handelt es sich nicht um einen harmlosen Schnupfen oder einen Kratzer am Arm, gehen Sie zum Arzt. Dieser muss Ihnen die Arbeitsunfähigkeit attestieren. Spätestens ab dem vierten Tag muss dem Arbeitgeber eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) vorliegen. Diese kann auch schon ab dem ersten Krankheitstag fällig sein, wie das Bundearbeitsgericht in der Vergangenheit urteilte (BAG; Urteil vom 14.11.2012-5 AZR 886/11). Es kommt auf den Tarifvertrag, die Betriebsvereinbarung oder den Arbeitsvertrag an.

Mitteilungspflicht beachten

Die Mitteilungspflichten des erkrankten Arbeitnehmers sind in § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes geregelt. Danach hat der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber, die Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Am besten erledigt man dies per Telefon oder am Wochenende per E-Mail. Man sollte den schnellsten Weg wählen. Auch kann man ein Foto der Krankmeldung mit dem Smartphone machen und versenden. Der Postweg ist ungeeignet, da er gerade, wenn man sich im Ausland befindet, lange dauern kann.

Ansprechpartner für die Krankmeldung ist die Personalabteilung oder der direkte Vorgesetzte. Nur einen Arbeitskollegen zu informieren, ist ungeeignet. 

Die Mitteilungspflicht gilt nicht nur gegenüber dem Arbeitgeber, sondern auch gegenüber der Krankenkasse.

Krank im Ausland

Wird man im Ausland krank, muss man nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz dem Arbeitgeber auch seine Adresse am Urlaubsort mitteilen. Das soll es dem Arbeitgeber ermöglichen, die Arbeitsunfähigkeit prüfen zu lassen. 

Zu beachten ist unbedingt, dass der ausländische Arzt in seinem Attest zwischen einer Erkrankung im medizinischen Sinne und einer Arbeitsunfähigkeit infolge einer Krankheit nach deutschem Recht unterscheidet. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann in fremder Sprache verfasst sein. Der Arbeitnehmer muss diese nicht auf seine Kosten übersetzen lassen. Die Arbeitsunfähigkeit sollte folgende Punkte enthalten:

  • Datum der Untersuchung
  • Datum des ersten und letzten Krankheitstages
  • Adresse des Arztes
  • Unterschrift

Ist der Arbeitnehmer wieder zurück in Deutschland, hat er dem Arbeitgeber und der Krankenkasse unverzüglich seine Rückkehr anzuzeigen. 

Urlaubstage retten

Wer im Urlaub krank wird, kann sich die verpassten Urlaubstage gutschreiben lassen. Dafür ist aber notwendig, dass er seine Erkrankung oder Verletzung ärztlich belegen lässt und dies mit einer Krankschreibung dokumentiert. Die Tage, an denen man arbeitsunfähig ist, werden dann nicht als Urlaubstage angerechnet. Der Arbeitgeber muss sie gutschreiben.

Urlaub verlängert sich nicht automatisch

Der Urlaub verlängert sich nicht automatisch um die Tage, an denen der Arbeitnehmer erkrankt war, sondern endet wie ursprünglich beantragt. Die wegen Erkrankung nicht in Anspruch genommenen Urlaubstage können nur über einen neuen Antrag geltend gemacht werden. Verlängert der Arbeitnehmer eigenmächtig, kann er dadurch eine Abmahnung oder Kündigung riskieren. Gleiches gilt auch, wenn man kurz vor dem Urlaub erkrankt war. Der Urlaubsanspruch geht nicht verloren. Die Urlaubszeit muss mit dem Arbeitgeber aber neu vereinbart werden.

Kann der Urlaub wegen längerer Krankheit weder im laufenden Kalenderjahr noch bis zum 31. März des Folgejahres genommen werden, so steht dem Arbeitnehmer nach Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes ein Urlaubsanspruch beziehungsweise bei Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis ein Urlaubsabgeltungsanspruch in Geld nur noch für den Übertragungszeitraum von 15 Monaten nach Ende des Urlaubsjahres zu.

Entgeltfortzahlung sichern

Während seiner Krankheit hat der Arbeitnehmer Anspruch auf die übliche Entgeltfortzahlung. Der Arbeitgeber darf die Lohnfortzahlung nur verweigern, wenn der Arbeitnehmer seinen Pflichten nicht nachkommt. 

Wo finde ich einen Arzt?

Die meisten Krankenkassen haben im EU-Ausland und einigen ausgewählten Partnerländern ein Netz von Ärzten, mit denen sie zusammenarbeiten. Dort kann der Versicherte zumeist seine Europäische Krankenversicherungskarte vorlegen und muss nicht vorleisten. Ist kein von der Krankenkasse empfohlener Arzt in der Nähe, muss der Versicherte selbst einen Arzt suchen und Vorkasse leisten. 

Was ist erlaubt im Urlaub?

All dies, was zu Ihrer Genesung beiträgt und nicht schadet: spazieren gehen, je nach Krankheit auch schwimmen und sogar reisen. Reisen sollten aber mit dem Arbeitgeber und gegebenenfalls auch mit der Krankenkasse abgesprochen werden. 

Auslandskrankenversicherung - notwendiges Muss

Damit Sie im Urlaub keine böse Überraschung erleben, schließen Sie rechtzeitig vor dem Urlaub eine Auslandskrankenversicherung ab. 

Müssen Sie zum Beispiel aus dem Urlaubsort zurückgeflogen werden, um sich in Deutschland weiter behandeln zu lassen, übernimmt das die Auslandsreisekrankenversicherung. Die gesetzliche Krankenkasse kommt für solche Kosten nicht auf. Auch teure Behandlungskosten im Ausland sich durch die Auslandskrankenversicherung abgedeckt. Achten Sie darauf, dass bei den Belegen jeweils der Name, die Angaben zur Diagnose, die Therapie- und Arzneimittelverordnung auf der Rechnung enthalten sind. Nur dann gibt es die Behandlungskosten zurück. Zudem sollten Sie beim Abschluss der Versicherung darauf schauen, dass der Rücktransport bezahlt wird, wenn er „medizinisch sinnvoll und vertretbar" ist und nicht nur, wenn der Arzt ihn für „medizinisch notwendig“ hält.

Auslandskrankenversicherungen kosten meist nicht viel. Die Jahrestarife liegen etwa bei zehn Euro für Einzelpersonen oder 20 Euro für die ganze Familie. Teuer sind Tarife für Senioren. Die Alterszuschläge werden ab dem 65., 70. oder 75. Geburtstag verlangt. Schwierig wird es für chronisch Kranke. Sie erhalten oft nur schwer eine Auslandskrankenversicherung.

Stand: Oktober 2016