Wie gefährlich sind die neuen Mückenarten – wie kann man sich schützen?

Heimische Stechmücken sind an sich schon echte Plagegeister, doch sind die Folgen ihrer Stiche meist eher unangenehm als gefährlich. Ihre fernen Verwandten aus Asien haben sich bedingt durch den Klimawandel daran gemacht auch in Hessen und anderen Gebieten Deutschlands Fuß zu fassen. Wie ist die Gefahr einzuschätzen, dass Krankheiten durch solche invasiven Mückenarten übertragen werden? Und was kann gegen die Blutsauger helfen?

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Tigermücke

Sie heißen Tiger- oder Buschmücke und kommen aus ihren ursprünglichen Verbreitungsgebieten in Asien zu uns nach Hessen. Waren die gefundenen Populationen bisher jedes Jahr neu eingeschleppt, ist nun davon auszugehen, dass die gesundheitsgefährdenden Mückenarten bereits in Deutschland heimisch wurden und auch mitteleuropäischen Wintern trotzen können.

Infektionsketten – wie ist die Gefahr einzuschätzen?

Die neuen Mückenpopulationen aus tropischen Ländern haben auch gefährliche Krankheiten im Gepäck. Von der asiatischen Tigermücke ist bekannt, dass sie mehr als zwanzig unterschiedliche Krankheitsformen übertragen kann. Solange sich die neuen Mückenarten noch nicht flächendeckend ausgebreitet haben ist die Infektionsgefahr als eher niedrig einzuschätzen. Die Viren kommen zumeist nicht mit den Mücken selbst in die heimische Umgebung eingeflogen, sondern eine infizierte Person bringt die Viren aus ihren Ursprungsgebieten mit nach Hessen. Die Tigermücke und ihre Verwandten nehmen dann hier bei einem Stich die Viren auf und verbreiten als Zwischenwirte die Erreger weiter. Nicht jeder Mensch erkrankt gleich schwer an einer solchen Infektion, kann aber als Virenträger unbemerkt zur Verbreitung der Erreger beitragen. Durch den Klimawandel bedingt wird die Verbreitung der invasiven Mückenarten zunehmen. Die Umweltbedingungen, die notwendig sind als Art auch in Deutschland zu überleben, ergeben sich immer häufiger. So sind langanhaltende Lufttemperaturen von über 25 Grad keine Seltenheit mehr.

Was Mücken gar nicht mögen

Im Gegensatz zu unseren heimischen Arten können die neuen Mückenarten mit trockenen Perioden gut umgehen. Ihnen reichen bereits kleinere Wasserflächen, um ihre Brut zu entwickeln. Deshalb ist es wichtig stehendes Wasser im direkten Umfeld zu vermeiden. So sollten im eigenen Garten Regentonnen dicht abgedeckt sein. Auch Gartenteiche können mit ihren Flachwasserzonen Brutgebiete für Mücken darstellen. Wer viele Blumentöpfe mit Untersetzern im Garten hat, sollte darauf achten, dass in diesen das Gießwasser nicht ansteht.

Das biologische Insektizid Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) ist ein wirkungsvolles Bakterium, dass nur gegen Mückenlarven wirkt. Es ist in Tablettenform erhältlich und kann leicht in Regentonnen und im Gießwasser ausgebracht werden. Für Menschen, Nutzinsekten, Haus- und Wildtiere ist es völlig unschädlich.

Wer sich direkt am Körper schützen möchte, sollte zu heller, locker sitzender Kleidung mit dichtem Gewebe greifen, die freie Hautstellen vermeidet. Auch wenn es bei warmen Temperaturen nicht einladend wirkt, können Socken die empfindlichen Stellen an Füßen und Knöcheln schützen. Chemische Mückenmittel sollen den Körpergeruch, auf den die Mücken reagieren, überdecken.

Viele Ratgeber verweisen auf die Wirksamkeit von ätherischen Ölen auf der Haut. Diese helfen in der Regel nur kurzzeitig und bergen die Gefahr einer allergischen Reaktion, wenn sie unsachgemäß angewendet werden. Daher ist es besser die Anwendung erstmal an einer kleinen Hautstelle zu testen, bevor ein Öl flächendeckend aufgetragen wird. Für einen geruhsamen Schlaf ist es hilfreich den Zugang zum Schlafzimmer abzuriegeln. Hier helfen Mückengitter an den Fenstern und auch ein Moskitonetz über dem Schlafplatz verhindert, dass die Mücken überhaupt zum Stechen kommen.

Mückenatlas

Wer mithelfen möchte, mehr über die Verbreitung invasiver Mückenarten zu erfahren kann zum Mückenjäger werden. Das Leibnitz-Zentrum für Agrarlandforschung und das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit suchen Menschen, die in ihrem direkten Umfeld Mücken fangen und an die Projektpartner senden. Es gibt in Deutschland rund 50 verschiedene Mückenarten, weltweit sogar etwa 3500. Die Institute wollen kartieren, an welchen Orten Stechmückenarten – heimische und invasive - vorkommen und welche Krankheitserreger diese in sich tragen. Bisher wurden schon mehr als 120.000 gefangene Mücken von mehr als 22.000 Teilnehmern eingesendet. Jede und jeder der mitsammelt, hilft das Ziel zu erreichen einen flächendeckenden Mückenatlas für Deutschland zu erstellen. (eck)