Leihst du schon oder kaufst du noch?

Ob Abendgarderobe, Alltagsoutfits oder Kinderklamotten – das Leihen von Kleidung wird immer beliebter. Viele Online-Plattformen bieten mittlerweile Mietkleidung an. Wie funktioniert das eigentlich? Ist das Leihen von Hose, T-Shirt, Strampler und Mantel tatsächlich günstiger und umweltfreundlicher als der Neukauf?

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Babykleidung auf Wäscheleine

Leihen und Tauschen ist das neue Kaufen

Babys und Kleinkinder wachsen schnell aus ihren Anziehsachen heraus – klar, dass das untereinander Tauschen und Leihen von Babykleidung für Eltern längst zum Alltag dazugehört. Neben Freundschaftsdiensten und Kinderflohmärkten gibt es dafür mittlerweile auch im Internet viele Plattformen, auf denen Eltern ausgediente Kinderkleidung anderen Familien anbieten können oder aber Kleidung direkt bei kleinen Unternehmen wie beispielsweise „Kindoo“, „Räubersachen“, „Cottonbudbaby“ oder „Kilenda“* mieten können. Seit Anfang 2018 ist mit „Tchibo“ sogar ein großes Einzelhandelsunternehmen in das Leihgeschäft für Baby- und Kindermode mit eingestiegen.

Aber nicht nur in puncto Kindermode lohnt sich das Leih- und Tauschgeschäft. Bei teurer Festtagsgarderobe oder aber auch um ein trendiges Outfit im Alltag zusammenzustellen, stellen derlei Plattformen eine echte Alternative dar, welche neben dem Geldbeutel auch die Umwelt schonen.

Leih-Plattformen mit verschiedenen Konzepten – So funktioniert´s!

Häufig stehen hinter den Online-Kleiderverleihen junge Startup-Unternehmen, welche unterschiedliche Konditionen für ihre Kunden parat haben. So reicht die Bandbreite von Kleiderleihen im Abonnement über Leasing-Modelle bis zu Tauschbörsen.

  • Bei Anbietern wie „Kilenda“, „Kindoo“, „Tchibo“ oder „Räubersachen“* können die Kleider einzeln online eingesehen und bei Interesse nach Hause bestellt werden. Dort kann dann entschieden werden, wie lange die einzelnen Teile behalten werden sollen. Die Leihgebühr wird in der Regel für vier Wochen entrichtet, für jeden darüber hinaus folgenden Tag entfällt ein tägliches geringeres Entgelt. Wird mittels der Leihgebühr der eigentliche Einkaufspreis des Kleidungsstücks erreicht, können Hose, Kleid, Body, T-Shirt oder Strampler sogar behalten werden.
  • Plattformen wie etwa „Cottonbudbaby“, „Kleiderei“ oder „Myonbelle“* verschicken monatlich beziehungsweise während des ersten Lebenjahres des Babys Kleiderboxen. Damit die erhaltene Kleidung auch gefällt, müssen auf der Internetseite von „Kleiderei“ bei Registrierung einige Stilfragen beantwortet werden. „Myonbelle“ entscheidet über den Inhalt verschickter Boxen mittels einer persönlichen Favoritenliste. Hierzu können Kleider, Jacken und Hosen auf der Online-Plattform mit einem Herz markiert werden, sofern sie dem persönlichen Geschmack entsprechen. Die Idee dahinter ist die, dass Kundinnen so neue Inspirationen für den persönlichen Kleidungsstil erhalten.
    „Cottonbudbaby“ verschickt hingegen 20 Teile pro Kleidergröße, die zwar vorab nicht auswählbar, dafür aber geschlechtsneutral und reine Naturtextilien sind. Ist die nächste Größe erreicht, werden die geliehenen Stücke zurückgesendet und ein neues Paket ist unterwegs.
  • Die Abonnements sind jederzeit kündbar.
  • Wer sich gar nicht mehr vom geliehenen Kleidungsstück trennen kann, hat außerdem die Möglichkeit, es zu kaufen.
  • Nach Rückgabe der Kleidung wird diese zunächst professionell gereinigt bevor der nächste Kunde sie erhält.
  • Normale Gebrauchspuren wie abgerissener Knopf, aufgeplatzte Naht und entfernbare Verschmutzungen an der geliehenen Kleidung? Die Reinigung oder Reparatur der Mietklamotten werden bis zu einem gewissen Grad vom Leihunternehmen übernommen. Schlimmere Beschädigungen oder Verlust werden in Rechnung gestellt.
  • Die Rücksendung der Kleidungsstücke ist mit einem beigelegten Rücksendeschein kostenlos.

Leihgebühr – günstiger als zu kaufen?

Die jeweiligen Leihgebühren variieren zwischen den Anbietern und den unterschiedlichen Leihkonzepten. So liegen die Abokisten mit zwei Teilen bei 39 Euro (kleinste Kiste, „Myonbelle“) und bei vier Teilen bei 49 Euro („Kleiderei“) im Monat. Kilenda, Tchibo, Räubersachen und Kindoo vermieten einzelne Kleidungsstücke. Eine Kinderjacke kostet beispielsweise bei Tchibo vier Euro, bei „Kindoo“ zwischen sechs und 19 Euro und bei „Räubersachen“ neun bis 19 Euro. Bei Kinderhosen variieren die Preise bei allen genannten Anbietern zwischen zwei und 15 Euro.

Ob sich der Leihhandel also finanziell lohnt, muss vom Verbraucher bei den einzelnen Plattformen recherchiert, durchgerechnet und womöglich im Einzelfall entschieden werden. Was jedoch für die Anziehsachen zum Mieten spricht, ist die positive Ökobilanz.

Ökobilanz gut!

Denn laut einer Greenpeace-Studie tragen wir nur etwa zehn Prozent unserer Kleidung und jedes fünfte gekaufte Kleidungsstück hängt kaum getragen im Kleiderschrank. Dadurch dass Kleidung geliehen statt gekauft wird, werden weniger Teile zu Fehlkäufen und es entsteht weniger Müll.
Je häufiger die Leihklamotten getragen werden, desto günstiger wirkt sich dies auch auf die Ökobilanz aus, da weniger Kleidung produziert werden muss. Denn gerade die Herstellung von Kleidung stellt ein großes Umweltproblem dar. So wird für die Jeansherstellung etwa 7 000 Liter Wasser benötigt, während derzeit 300 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Darüber hinaus werden bei der Baumwollherstellung große Mengen an Pestiziden und Dünger verwendet.
Bis zu 3000 verschiedene Chemikalien in Form von Färbe- und Lösungsmitteln können zum Bedrucken, Färben und Waschen auf der Kleidung vorkommen. Viele davon sind giftig. Durch das häufigere Waschen von Kleidung, die regelmäßig und viel getragen wird, waschen sich die Chemikalien aus der Kleidung heraus. Auch an diesem Punkt macht die Mietkleidung eine bessere Figur als ein Neukauf.

Fazit: Völlig neu ist der Gedanke des Kleidungleihens ja nicht. In puncto Kinderkleidung haben wir das ja auch schon immer gemacht: Geerbte Strampler, Bodys, Jacken und Matschhosen von Geschwistern oder Kindern von Freunden aufgetragen. Viele Punkte sprechen also für den Leihservice! Ob wir nun also auf Plattformen surfen oder aber im Familien- und Freundeskreis Anziehsachen austauschen, sei es aus modischem Interesse oder um den Geldbeutel zu schonen, das bleibt am Ende jedem selbst überlassen.

* Die hier genannten Anbieter stellen keine abschließende Aufzählung dar, sondern dienen nur als Beispiele.

Stand: Februar 2018