Fastenkuren nicht nur zur Fastenzeit: Wie wird´s gemacht?

Heutzutage wird weniger aus religiösen Gründen gefastet. Vielmehr wird auf bestimmte Dinge verzichtet, um zeitweise bewusster zu leben. Der Verzicht auf Süßigkeiten oder Alkohol ist beliebt, und sogar ein zumindest zeitweiser Verzicht auf Fernsehen, Auto, Handy oder Internet. Aber auch Fastenkuren und längeres Fasten sind angesagt.

Hagebutten und Tee Lianem - Fotolia.com_.jpg

Hagebutten und Hagebuttentee
Hagebutten und Hagebuttentee

Gerade in der Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt und mit dem Osterfest endet, verzichten Menschen auf bestimmte Dinge unserer Überflussgesellschaft. Wurde früher aus religiösen Gründen gefastet und deshalb auf Fleisch verzichtet, so ist daraus ein Gesundheitstrend geworden, bei dem zeitweise ohne Alkohol oder Süßigkeiten gelebt wird. Auch auf Konsumgüter wie Handy, Internet, Facebook, Fernsehen oder Auto verzichten immer mehr Menschen ganz oder teilweise bis Ostern.

Aktuelle DAK-Studie: Fasten wird beliebter, auch bei jungen Menschen

Fasten ist in, denn 57 Prozent der Deutschen haben schon für mehrere Wochen auf bestimmte Genussmittel oder Konsumgüter verzichtet.

Der Verzicht auf Fleisch steht heute beim Fasten in der Fastenzeit nicht mehr an erster Stelle. Eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zeigt, dass der Verzicht auf Süßigkeiten in der Fasten-Hitliste an oberster Stelle steht. Demzufolge möchten 62 Prozent der Fastenden auf Kekse und Schokolade verzichten, ein alkoholfreies Leben bis Ostern planen 61 Prozent.

Der Verzicht auf Fleisch nimmt mit 35 Prozent den dritten Platz ein. Ohne Rauchen möchten 32 Prozent die Fastenzeit erleben, ohne Fernsehen 28 Prozent. Etwa jeder Fünfte (21 Prozent) braucht kein Handy und keinen Computer. Auf das Auto möchten nur 15 Prozent verzichten.

Was ist das Besondere bei einer Fastenkur?

Auch wenn Fastenkuren heute in Mode sind, so hat das Fasten doch eine jahrhundertelange Tradition. Wenn gesunde Menschen fasten, möchten sie Körper und Seele von überflüssigem Ballast befreien und innerlich Ruhe finden. 

Beim Fasten wird auf feste Nahrung verzichtet. Deshalb wird bei den meisten Fastenmethoden überwiegend getrunken, und zwar mindestens zwei bis zweieinhalb Liter täglich. An einem Fastentag werden nur etwa 250-400 kcal pro Tag aufgenommen. Da die Energiezufuhr nun geringer ist als der Energieverbrauch, wird der Energiespeicher des Körpers, nämlich Fettgewebe und Muskelmasse, mobilisiert. Damit es nicht zu einem unerwünschten Muskelabbau kommt, ist leichte Bewegung wichtig, denn diese wirkt dem Muskelabbau entgegen. 

Wie verläuft eine Fastenkur?

Eine einwöchige Fastenkur können gesunde Menschen ohne Rücksprache mit dem Arzt durchführen. Wer länger fasten möchte sollte dies, auch wenn er sich gesund fühlt, mit seinem Hausarzt besprechen. 

Eine Fastenkur beginnt mit ein bis drei Entlastungstagen, an denen noch leichte Kost wie Reis, Suppe oder Obst gegessen wird. Einläufe oder auch die Einnahme von Bittersalzen helfen mit, den Darm zu reinigen.

Die Umstellung des Körpers auf die eingeschränkte Nährstoffzufuhr erfordert vom Fastenden vor allem in den ersten drei Tagen schon eine gewisse Willensstärke, da doch häufig die Lust auf bestimmte Lebensmittel kommt. Manche frieren auch leichter oder sind müde. Auch Schwindel oder Kopfschmerzen können auftreten, besonders, wenn man zu wenig trinkt. 

Nach dieser Anfangsphase überwiegen jedoch die positiven Gefühle: Die Fastenden fühlen sich glücklicher und erleben den Alltag bewusster und intensiver.
Die Fastenzeit sollte nicht abrupt beendet werden, sondern mit einigen Aufbautagen, damit sich der Körper wieder an eine normale Nahrungszufuhr gewöhnt. Wer zu schnell zu Bratwurst und Sahnetorte wechselt, überfordert Magen und Darm, so dass Bauchschmerzen folgen können.

Wer darf fasten, wer nicht?

Jeder kann sich selber für eine Fastenkur entscheiden, sofern er gesund ist. 

Da Fasten Auswirkungen auf bestimmte Stoffwechselvorgänge hat, wie zum Beispiel auf die Funktion der Schilddrüse, sollten kranke Menschen vorzugsweise in einer Klinik fasten. Dies gilt auch für Menschen, die Medikamente einnehmen. Beispielsweise verdoppeln blutgerinnungshemmende Arzneimittel ihre Wirksamkeit während des Fastens, entwässernde Medikamente muss man während des Fastens absetzen. Auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen, Übergewicht, Allergien, oder Depressionen ist ein Fasten nur unter ärztlicher Aufsicht empfehlenswert.

Auf das Fasten ganz verzichten sollten Schwangere und stillende Frauen, Kinder, Menschen mit einer Herzkrankheit, Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen, Menschen mit Untergewicht bzw. mit einer Essstörung sowie Demenzkranke.

Längeres Fasten: Heilfasten ja, Null-Diät nein

Heilfasten über mehrere Wochen sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Bei stationären Fastenkuren über mehrere Wochen ist eine Besserung von Rheuma oder auch eine Senkung des Blutdrucks zu beobachten. 

  • Heilfasten nach Buchinger
    Das bekannteste Saftfasten ist das Heilfasten nach Buchinger. Der Arzt Otto Buchinger prägte diesen Begriff bereits 1935. Beim Buchinger-Heilfasten werden pro Tag etwa 250 kcal zugeführt in Form von Fruchtsaft, Gemüsebrühe oder Tee. Kuraufenthalte in Kliniken, die das Heilfasten nach Buchinger praktizieren, dauern meistens drei bis vier Wochen.
     
  • Fasten mit Haferbrei
    Für Menschen mit Magen- oder Darmproblemen ist Schleimfasten eine gute Fastenform. Unter „Schleim“ versteht man hier einen Getreidebrei aus Reis, Haferflocken oder Buchweizen. Da „Schleimtage“ den Körper noch mit etwas Kohlenhydraten und Eiweißen versorgen, eignen sie sich auch gut als Einstieg für eine Fastenkur.
     
  • Totales Fasten (Null-Diät)
    Hier werden nur kalorienfreie Getränke wie Wasser oder ungesüßter Tee getrunken. Da keinerlei Nährstoffe zugeführt werden, ist die Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten nötig, um einem Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen vorzubeugen. 
    Vom totalen Fasten ist abzuraten, da der gesamte Stoffwechsel unter der absoluten Nahrungskarenz leidet. Gesundheitliche Probleme wie ein Gichtanfall können die Folge sein. Wer dies dennoch machen möchte, sollte es – aufgrund möglicher gesundheitlicher Nebenwirkungen – wirklich nur unter ärztlicher Aufsicht tun.

Keine Methode zum Abnehmen

Fasten ist keine Methode zur längerfristigen Gewichtsreduktion, da bei Aufnahme der alten Ernährungsgewohnheiten das Gewicht meist wieder ansteigt. Es kann aber ein Einstieg für eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten und eine gesündere Lebensweise sein. 

Auszeit vom Alltag mit Fastenurlaub

Fasten lässt sich zwar mit den Anforderungen des Alltags vereinbaren, einfacher ist es jedoch, es mit einer Auszeit vom Alltag zu verbinden. Im Rahmen eines Fastenurlaub, beispielsweise beim Fastenwandern, kann man bewusst und ohne Alltagsstress beim Gang durch die Natur zur Ruhe kommen. Bei diesen Fastenurlauben wird häufig nach Buchinger gefastet, manchmal auch mit anderen Fastenformen wie Rohkost-Fasten oder Smoothie-Fasten.

Nachhaltiges Fasten

Die Fastenzeit kann auch genutzt werden für den bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. So kann man beispielweise ausprobieren, wie der Einkauf und der Speiseplan sich verändert, wenn man nur nachhaltig essen möchte. Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten, die sich kombinieren lassen:

  • Keine verarbeiteten Produkte
  • Keine verpackten Produkte
  • Regionale Lebensmittel
  • Kein Fleisch
  • Vegane Ernährung
  • Bio-Produkte
  • Fair-Trade-Produkte

Stand: Februar 2018