Regrowing: So können Sie Gemüse einfach nachwachsen lassen

Reste die beim Gemüseschneiden anfallen, gehören nicht zwangsläufig in den Biomüll. Aus manch einem Strunk oder Skalp kann man nämlich ganz einfach neue Pflanzen nachziehen. Das Tolle: Hierfür muss man nicht mal passionierter Hobbygärtner sein, denn bei vielen Pflanzen geht die samenlose Vermehrung kinderleicht.

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Nachwachsende Blätter am Strunk eines Chinakohls

Was genau ist eigentlich Regrowing?

Unter dem Begriff „Regrowing“ versteht man das Nachwachsen lassen von Gemüseresten, welche andernfalls im Biomüll landen würden. Auf diese Weise kann man zum Beispiel einem Salatstrunk oder „Kohlrabiskalp“ wieder neues Leben einhauchen. Regrowing schont nicht nur den Geldbeutel und spart Ressourcen, sondern macht auch noch richtig Spaß!

Was passiert da während des Regrowings?

Das Geheimnis des Regrowings lautet „Totipotenz“. Pflanzenzellen können ihre Zelltyp-spezifischen Aufgaben verlieren und sich wieder zu jungen, teilungsfähigen Zellen zurückbilden. Diese sind mit einer besonderen Eigenschaft ausgestattet: Jede einzelne Zelle enthält das komplette genetische Material der Pflanze und kann sich so zu einer Wurzelzelle oder eine Blattzelle entwickeln – sie sind totipotent.

So kann zum Beispiel aus einem Basilikumsteckling eine neue Pflanze werden, indem sich am eigentlichen Spross neue Wurzeln bilden.

Für diese Art der Fortpflanzung werden keine Samen benötigt, sondern die Nachkömmlinge direkt aus der Mutterpflanze gezogen. Dieser Vorgang wird auch als vegetative Vermehrung oder Stecklingsvermehrung bezeichnet.

Übrigens: Die Nachkömmlinge dieser vegetativen Vermehrung besitzen das identische Genmaterial wie die Mutterpflanze und sind daher direkte Klone.

Funktioniert das mit allen Gemüse- und Obstsorten?

Regrowing funktioniert mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln. Besonders leicht und für Einsteiger geeignet ist aber das Nachziehen von Frühlingszwiebeln, Lauch, Zitronengras, Romana-Salat oder Stangensellerie. Aber auch Meerrettich, Topinambur, Kartoffeln, Möhren, Kohlrabi, Pilze, Rote Bete oder Zwiebeln und diverse Kräuter lassen sich recht einfach regrowen.

… und so geht´s!

  • Um die Pflanzen nachzuziehen, wird der jeweilige Strunk von zum Beispiel Lauch, Romana-Salat oder Stangensellerie statt in den Biomüll geworfen, für einige Tage in ein Glas mit Wasser gestellt.
  • Der Strunk sollte am besten noch etwa fünf Zentimeter lang sein.
  • Das Wasser sollte regelmäßig gewechselt werden, sodass es zu keiner Fäulnis und üblem Geruch kommt.
  • Bereits nach einigen Tagen kann man am Strunk neues Grün sprießen sehen. Dann kann er mit etwas Erde eingetopft werden. Besonders gut eignet sich hierfür Anzuchterde.
  • Nun sind Standort und Pflege wichtig. Je nach Pflanze sind die Bedürfnisse hier natürlich unterschiedlich. Generell gilt jedoch: Hell und Warm sollte es für die Regrowing-Pflänzchen sein und nicht das Gießen vergessen!
  • Schon nach kurzer Zeit treiben die Wurzelstücke weiter aus und die Pflanzen sind bereits in wenigen Wochen reif für die Ernte.
  • Pilze: Um Pilze in der heimischen Küche nachzuzüchten, sind nur die Stiele nötig. Diese werden in die Erde gesetzt. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass bis auf die Stielspitzen alles mit Erde bedeckt ist. Am liebsten mögen die Pilze Temperaturen zwischen 12 und 25 Grad. Bis auf Champignons brauchen zudem alle Pilze etwas Lichtzufuhr.
  • Kartoffeln: Für das Regrowing eignen sich Kartoffeln, die schon etwas älter und denen bereits Triebe gewachsen sind. Die Kartoffeln sollten dann in zwei Stücke geschnitten und getrocknet werden. Sobald die Schnittstelle gänzlich trocken ist, kann die Knolle tief in die Erde platziert werden, sodass nur noch die Triebe aus der Erde schauen. Die Erde auf der Knolle sollte allerdings locker bleiben und nicht festgedrückt werden.
  • Kohlrabi, Möhren und Rote Beete: Die Knollen und Wurzeln etwa einen Finger breit unter dem Blattansatz abschneiden und auf einen mit Wasser gefüllten Teller setzen. Bereits nach wenigen Tagen bilden sich neue Wurzeln und Blätter. Dann kann die nachgezüchtete Pflanze raus ins Beet gesetzt werden. Bis zur Ernte dauert es hier allerdings noch etwas länger…

Übrigens: Im Frühling und im Sommer klappt das Regrowing besonders gut!

Regrowing für Fortgeschrittene

Allerdings gibt es auch Pflanzen, bei denen das Regrowing zu einer Königsdisziplin werden kann, wie etwa die Ananas. Hier ist etwas mehr Geduld und Fingerspitzengefühl angesagt, um aus dem Schopf eine neue Frucht wachsen zu lassen. So kann es sein, dass es bis zu drei Jahre dauert, bis am eingepflanzten Schopf eine kleine Mini-Ananas gewachsen ist. Auch bei Mangos kann es dauern: Bevor der Mangokern in Erde gesetzt werden kann, sollte er mindestens 14 Tage in einem feuchten Umschlag ruhen. Nicht zuletzt benötigen beide Pflanzen sehr warme Temperaturen, schließlich kommen sie ursprünglich aus den Tropen. Auch für eine erfolgreiche Ingwerernte durch Regrowing sind höhere Temperaturen wichtig.

Doch selbst wenn die tropischen Pflanzen hinterher keiner Früchte tragen sollten, so kann man sich zumindest am wunderschönen Austrieb als Zierpflanze erfreuen. (Sie)

Stand: August 2019