Mit dem Smartphone gegen Lebensmittelverschwendung

In Deutschland werden immer noch zu viele Lebensmittel weggeworfen: im Laden, in der Gastronomie und auch zu Hause. Tonnenweise landet wertvolle Nahrung im Müll. Kann man dagegen etwas tun? Weil es heute für fast jedes Problem eine Smartphone- App gibt, haben wir uns auf die Suche nach den digitalen Helfern gemacht. Hier sind unsere Fundstücke.

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Smartpone in Hand und im Hintergrund ein Einkaufskorb mit Lebensmitteln

Apps als Helfer beim Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung

Günstiges Essen, Beste-Reste-Rezepte, Ablauf-Hinweise zu Lebensmitteln: All das bieten Lebensmittelverschwendungs-Apps, die sich Verbraucher kostenlos oder gegen Geld auf ihr Smartphone laden können. Die Apps haben dabei unterschiedliche Zielsetzungen. Hier stellen wir einige vor.

Too Good To Go

Über die App Too Good To Go können Nutzer überproduziertes Essen kurz vor Betriebsschluss in Restaurants, Bäckereien, Cafés, Hotels und Supermärkten abholen, so dass dieses nicht entsorgt werden muss. Die Preise für eine Portion liegen im Schnitt bei drei Euro. Das Angebot  ist dabei vielfältig: Von Brötchentüte über Sushi-Box und warme Mahlzeit bis hin zur Frühstücksportion vom Hotelbuffet ist alles dabei. Im Laufe des Tages kauft der Kunde das Essen über die App und zahlt per Kreditkarte, Paypal oder Sofortüberweisung. Zum festgesetzten Zeitfenster kurz vor Ladenschluss kann er die Portion dann abholen. Ob die eigene Stadt dabei ist und welche Läden in der Stadt dabei sind, zeigt die App durch Standortsuche an. Derzeit gibt es Too Good To Go in Deutschland in über 300 Städten. In Hessen sind folgende Städte dabei: Bad Arolsen

Bad Hersfeld, Bad Homburg vor der Höhe, Bad Vilbel, Darmstadt, Eschborn, Frankfurt am Main, Fulda, Gießen, Hanau, Hofheim am Taunus, Hungen, Karben, Kassel, Kelkheim (Taunus), Kriftel, Langgöns, Limburg an der Lahn, Marburg, Neu-Isenburg, Oberursel (Taunus), Offenbach am Main, Vellmar, Viernheim, Wetzlar, Wiesbaden, Wöllstadt. Insgesamt machen in Hessen laut App-Anbieter 150 Geschäfte mit. Die App ist kostenlos und für Android und iOS verfügbar.

MealSaver

Die App MealSaver ähnelt der App Too good to go. Gastronomen haben die Möglichkeit, zum Ende der Ladenzeiten Foodboxen für wenig Geld zu verkaufen: Essen, das übrig bleibt und weggeworfen werden müsste, kann so noch sinnvoll an  Kunden gebracht werden. Nach Installation der kostenlosen App sieht der Nutzer, welche Foodboxen wo und zu welcher Uhrzeit angeboten werden. Ob Tagesgericht oder eine Tüte voller Backwaren – alles ist im Angebot. Die Bezahlung erfolgt per Paypal oder Kreditkarte. Mit dem digitalen Beleg in der App gibt es dann vor Ort zur angezeigten Zeit die Box. Die App ist derzeit in Hamburg und Berlin aktiv.

Zu gut für die Tonne!

Die App Zu gut für die Tonne! bietet Nutzern Rezepte für übrig gebliebene Lebensmittel an.  Man gibt einfach ein, welche Zutaten man zu Hause hat und bekommt Gerichte vorgeschlagen. Die App bietet auch Tipps, wie man versalzene oder verbrannte Gerichte noch retten kann. Zudem hat man die Möglichkeit, über diese App seine Einkaufsliste zu verwalten. Die App gibt zudem Tipps zur Lagerung und Haltbarkeit von vielen Lebensmitteln und informiert in zehn goldenen Regeln darüber, wie man Lebensmittelabfälle vermeiden kann. Die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf den Weg gebrachte App kann kostenlos im App-Store heruntergeladen werden.

ResQClub

Beim Öffnen der ResQClub-App wird dem Nutzer günstiges und gutes Essen auf der Karte und in einer Liste angezeigt. Das Angebot besteht aus warmen Mahlzeiten, verzehrfertigen Snacks und riesigen, gefüllten Einkaufstaschen, deren Inhalt in der Regel für nur 50 Prozent des normalen Kaufpreises zu haben ist. Die Mahlzeit kann mit der Zahlungskarte oder über PayPal bezahlt werden. Es gibt  keinerlei Wartezeit. ResQ-Bestellungen können sofort nach Bezahlung beim Restaurant, Café oder Lebensmittelgeschäft abgeholt werden. Derzeit läuft die ResQClub-App in Duisburg und Berlin.

Gegen Lebensmittelverschwendung im eigenen Haushalt: die Kühlschrank-App

Der Joghurt rutscht im Kühlschrank immer weiter nach hinten und wenn man ihn dann holt, ist er abgelaufen. Damit das künftig nicht mehr passiert, kann man auf die „Mein Kühlschrank“ Software zurückgreifen. Sie gibt beim Öffnen des Kühlschrankes und auf Nachfrage Auskunft darüber, ob in den nächsten vier Tagen Produkte das angegebene Haltbarkeitsdatum erreichen. Voraussetzung: Beim Einräumen des Kühlschrankes muss jedes Produkt mit Verfallsdatum deutlich ausgesprochen werden. Das kostet zwar Zeit, dafür spart man aber Geld, was andernfalls in der Tonne landen würde. Zudem liefert die Software auch einen Einkaufszettel, falls ein Lieblingsprodukt nicht mehr verfügbar ist. Das Programm funktioniert mit einem Sprachassistenten. Damit das Programm läuft, benötigt man ein Gerät, auf dem Alexa läuft – zum Beispiel Echodot.

Foodloop will Händler und Konsumenten zusammenbringen und Lebensmittel im Supermarkt vor der Tonne bewahren

Das Kölner Startup Foodloop hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelverschwendung im Handel zu reduzieren - mit Vorteilen für Konsumenten und Unternehmen. Unternehmen müssen kein Geld in Form von Lebensmitteln wegwerfen, Kunden können Schnäppchen machen. Denn die App soll den Kunden verraten, bei welchen Lebensmitteln in welchem Supermarkt der Mülleimer droht und welche deshalb besonders günstig sind. Die Nutzer können ihre persönliche Einkaufsliste erstellen und ihre Produkte mit den Supermärkten, in die sie gehen wollen, festlegen. Wenn dort ein Schnäppchen winkt, werden sie informiert. Ebenso besteht die Möglichkeit, Schnäppchen in der Umgebung zu suchen. Eine Datenbank, die das Startup angelegt hat, führt sämtliche Produkte des kooperierenden Supermarktes. Die Nachricht, dass ein Produkt rabattiert ist, erhalten dann alle Foodloop Nutzer auf ihrer App. Schwierigkeit: Viele Supermärkte nutzen momentan noch nicht den neuen Barcode, der Informationen über Gewicht oder MHD angibt, so dass die Mitarbeiter händisch Rabatte in die App eingeben müssen.

Stand: Februar 2019