Foodsharing: Lebensmittel teilen statt verschwenden

Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem. Jeder Bundesbürger wirft jährlich etwa 82 Kilogramm Lebensmittel weg – dies entspricht ungefähr zwei vollgepackten Einkaufswagen. Beim Foodsharing jedoch, werden nicht mehr benötigte Lebensmittel von Privatpersonen oder auch aus dem Gewerbe abgegeben, von Interessierten abgeholt oder verteilt und somit vor der Tonne bewahrt. Klingt gut! Doch wie funktioniert das Foodsharing genau und wer kann mitmachen?

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Handvoll Kirschen

Was ist Foodsharing?

Unter Foodsharing versteht man eine 2012 gegründete Initiative gegen Lebensmittelverschwendung, Getreu dem Motto: Lebensmittel teilen, statt sie wegzuwerfen. Foodsharing ist dabei ein unkommerzieller gemeinnütziger Verein.

Auf der Internetplattform foodsharing.de können überschüssige Lebensmittel aus dem Handel, von Privatpersonen und Produzenten kostenlos angeboten werden, um sie so vor der Mülltonne zu bewahren. Interessierte können dann mit den Anbietern in Kontakt treten und die Lebensmittel vor Ort abholen bzw. retten. Wichtig ist dabei, dass das Verteilen und Abgeben der Lebensmittel kostenlos bleibt.

Ortseigene Foodsharing-Gruppen kann man auch beispielsweise bei Facebook finden. Foodsharing gibt es mittlerweile in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bereits über 3000 Betriebe kooperieren mit dem Verein, sodass bereits etwa 7.800 Tonnen Lebensmittel vor der Mülldeponie gerettet werden konnten (Stand: Juli 2017). Beim Foodsharing kann jeder mitmachen!

Wie funktioniert das mit dem Verteilen und Abholen?

Foodsharer: Privatperson, die Lebensmittel verteilen möchte
Wer Lebensmittel übrig hat, weil etwa ein Urlaub ansteht, kann sich auf foodsharing.de registrieren und einen digitalen Essenskorb erstellen, indem man abzugebenden Lebensmittel auflistet und beschreibt. Auf einer Landkarte können dann ebenfalls registrierte Interessierte die erstellten Essenskörbe ausfindig machen und Kontakt zum Lebensmittelverteiler, dem sogenannten Foodsharer, aufnehmen und die Lebensmittel abholen.

Foodsaver: Personen, die Lebensmittel im Handel oder beim Produzenten abholen
Neben der Lebensmittelrettung von privat an privat, gibt es zusätzlich noch die Foodsaver, welche bei kooperierenden Betrieben überschüssige Lebensmittel kurz vor Feierabend einsammeln, um sie weiter zu verteilen. Zu den Betrieben gehören große Supermarktketten, Produzenten, Hotels, Bäckereien, Restaurants, Marktstände oder kleinere inhabergeführte Läden. Die Foodsaver entscheiden dann, was mit den geretteten Lebensmitteln passiert. Dabei wird einiges selbst genutzt, vieles aber  beispielsweise an Nachbarn, Suppenküchen, an Flüchtlinge oder Bahnhofsmissionen verteilt oder auf foodsharing.de eingestellt. Manche Ortsgruppen bieten regelmäßig lokale Abnahmestellen, sogenannte Fairteilstellen, an, bei denen die geretteten Lebensmittel gesammelt und von Interessierten mitgenommen werden können. Weitere Informationen hierzu bieten auch die jeweils ortsansässigen Foodsharing-Gruppen.

Wer Foodsaver werden möchte, muss sich ebenfalls auf der Internetplattform anmelden.

Darf man alle Lebensmittel anbieten?

Foodsharing übernimmt keine Haftung für die geteilten Lebensmittel. Das bedeutet, dass jeder Foodsaver selbst verantwortlich für die eingesammelten Lebensmittel ist. Allerdings dürfen, aus hygienischen Gründen, Hackfleisch, rohe Eier oder Fisch auf der Plattform nicht angeboten werden. Bereits am Buffet angerichtete Lebensmittel sind ebenfalls für das Foodsharing tabu.

Foodsharing und die Tafeln – Konkurrenz um die Lebensmittel?

Foodsharing soll nicht als Konkurrenz zu den Tafeln verstanden werden, sondern vielmehr als Ergänzung. Denn beide Organisationen verfolgen das gleiche Ziel: Weniger Essensmüll. Während sich die Tafeln an bedürftige Personen richten, kann beim Foodsharing, ob als Lebensmittelverteiler oder –abholer, jeder mitmachen. Ein Kooperationsvertrag zwischen den beiden Organisationen hält darum fest, dass die Tafeln bei den Lebensmittelvergaben der Betriebe immer Vorrang haben. Ein weiterer Teil der Zusammenarbeit besteht darin, dass die Tafeln bei kleinen Lebensmittelmengen von Privatpersonen auf Foodsharing verweisen, während Foodsharing große Lebensmittellieferanten an die Tafeln weiter vermittelt.

Stand: März 2019