Wie sicher sind Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff?

Kunststoffe sind das am häufigsten verwendete Material für Lebensmittelverpackungen. Sie geraten aber immer wieder in die Diskussion, weil unerwünschte Stoffe aus dem Verpackungsmaterial in die Lebensmittel übergehen können. Gut verpackt, aber alles sicher? Wir wollen Verbraucherinnen und Verbraucher auf die Risiken eines unsachgemäßen Einsatzes von Verpackungen aufmerksam machen. Hier finden Sie Tipps für den sicheren Umgang mit Lebensmittelverpackungen.

Abgepacktes_Hackfleisch_Kuehltheke Pavel Losevsky - Fotolia.de_.jpg

Abgepacktes Hackfleisch in der Kühltheke

Schön verpackt – um welchen Preis?

Bunt bedruckt mit vielversprechenden Werbebotschaften und aufwendig verpackt stehen unsere Lebensmittel in den Regalen der Supermärkte. Kunststoffe werden als Verpackung von Lebensmitteln heute am häufigsten verwendet, weil sie stabil, leicht und gut formbar sind. Doch sie geraten immer wieder in die Kritik, denn unerwünschte und möglicherweise gesundheitsschädliche Substanzen können in die Lebensmittel wandern.

Beim Einkauf sind jedoch Qualitätsunterschiede des eingesetzten Verpackungsmaterials sowie mögliche Risiken nicht zu erkennen. Deshalb müssen Aspekte der Lebensmittelsicherheit in jedem Fall vorrangig vor den ökonomischen Vorteilen der Hersteller sein.

Was sollen Lebensmittelverpackungen leisten?

Lebensmittelverpackungen erfüllen verschiedene Funktionen. Sie sollen:

  • Lebensmittel vor qualitätsmindernden äußeren Einflüssen wie Verunreinigungen und Mikroorganismen sowie vor Feuchtigkeit, Sauerstoff und Licht schützen
  • Informations- und Werbeträger sein für Pflichtangaben, beispielsweise zu Nährwert, Herkunft, Zutaten oder Haltbarkeit ebenso wie zu Werbeaussagen
  • bei Fertiggerichten in „ready-to-eat-Verpackungen“ den direkten Verzehr aus der Verpackung gestatten
  • ermöglichen, dass Lebensmittel in der Verpackung erwärmt werden können („ready-to-heat“)
  • wiederverschließbar sein, zum Beispiel für Käse oder Wurstwaren. Das erleichtert den Umgang, kann aber auch zu mehr Risiken führen.

„Intelligente“ und „aktive“ Verpackungen

Als „intelligent“ werden Verpackungen bezeichnet, bei denen mittels Indikatoren die Bedingungen während des Transports und der Lagerung aufgezeichnet werden. Auf der Kunststoffverpackung kann beispielsweise ein Etikett angebracht werden, das durch Farbumschlag anzeigt, ob das Lebensmittel zu lange oder bei zu hohen Temperaturen gelagert wurde. An solchen „intelligenten“ Verpackungen wird intensiv geforscht.

Aktive Verpackungen beeinflussen „aktiv“ das Lebensmittel und dessen direkte Umgebung, um eine längere Haltbarkeit zu gewährleisten:

  • Um Sauerstoff zu binden, werden so genannte Absorber („Aufsauger“) verwendet. Diese Absorber können in die Wände oder Verschlüsse von Kunststoffverpackungen oder -flaschen eingearbeitet werden und sollen zu einer längeren Haltbarkeit führen. Angewendet werden sie beispielsweise bei Bier in PET-Flaschen.
  • Bestimmte Obst- und Gemüsearten bilden das Reifegas Ethylen, das zu einem schnelleren Verderb der Früchte führt. Durch den Einsatz spezieller Absorber im Verpackungsmaterial, die Ethylen binden, wird auch hier die Haltbarkeit verlängert.
  • In Fleischverpackungen fangen Saugeinlagen aus verschiedenen Kunststoffmaterialien den Fleischsaft auf und reduzieren so die Entwicklung von gesundheitsschädlichen Keimen.
  • Konservierungsstoffe in Verpackungsmaterialien, wie zum Beispiel Silberverbindungen, hemmen das Wachstum von Keimen.

Schutzgase

Schutzgase, die vor allem in Verpackungen von Fleisch, Wurst und Käse eingesetzt werden, bestehen üblicherweise aus einer entsprechenden Mischung aus Stickstoff, Kohlendioxid und Sauerstoff. Ein niedriger Sauerstoffgehalt verhindert das Keimwachstum und macht das Lebensmittel so länger haltbar. Ein hoher Sauerstoffgehalt dient bei Fleisch zur Stabilisierung der roten Farbe, kann aber bei längerer Lagerung zu einem unerwünscht ranzigen Geschmack des Fleisches führen. Die Verwendung von Schutzgasen muss kenntlich gemacht sein.

Schadstoffe

Bei sachgerechter Verwendung dürfen Lebensmittelverpackungen keine Stoffe in gesundheitsgefährdenden Mengen an das Lebensmittel abgeben. Auch Zusammensetzung und Geschmack eines Lebensmittels dürfen sich nicht wesentlich verändern. Das ist gesetzlich geregelt. Doch zeigen viele Untersuchungen, dass alle Verpackungen Substanzen an Lebensmittel abgeben können. Inwieweit das geschieht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Neben der Zusammensetzung der „wandernden“ Substanzen sind besonders der Fett- und Säuregehalt der Lebensmittel sowie die Lagerdauer und -temperatur entscheidend.

Das Risiko, dass unerwünschte Stoffe aus der Verpackung auf das Lebensmittel übergehen ist umso höher, je größer die Kontaktfläche zwischen Lebensmittel und Verpackung ist. Auch durch den zunehmende Einsatz von Einzelportionspackungen, Convenience- und repräsentativen Verpackungen mit wenig Inhalt steigt der Anteil an Verpackung pro verzehrter Lebensmittelmenge. Somit steigt auch das Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher, mit den Lebensmitteln Schadstoffe aus der Verpackung aufzunehmen.

Bei Convenience-Produkten ist die richtige Nutzung und Weiterverwendung im Haushalt wichtig. Anwendungshinweise wie zum Beispiel die empfohlene Erhitzungstemperatur und/oder Wattzahl bei der Mikrowelle sowie die Erhitzungsdauer sollten im eigenen Interesse ernst genommen werden, denn mit steigenden Temperaturen nimmt der Stoffaustausch zu.

Weichmacher

Weichmacher werden eingesetzt, um PVC Kunststoffe weich zu machen. In Lebensmittelverpackungen sind sie ein weiteres Risiko für den Übergang von unerwünschten Stoffen. Während Frischhaltefolien im Haushalt meist aus Polyethylen bestehen, das keine Weichmacher enthält, findet man im Handel an den Frischetheken noch PVC Folien. Der Einsatz des besonders kritischen und hormonwirksamen Weichmachers DEHP ist in Verpackungen für fetthaltige Lebensmittel verboten.

Druckfarben

Lebensmittelverpackungen werden zu Informations- und Werbezwecken attraktiv bedruckt. Druckfarben können ebenfalls gesundheitsgefährdende Substanzen beinhalten, die nachweislich krebserzeugende und erbgutschädigende Eigenschaften haben. Das betrifft nicht nur Verpackungen, sondern auch bunte Servietten und Pappteller. Mit einer geplanten Änderung der entsprechenden Bestimmungen sollen künftig nur noch bekannte und geprüfte Farbstoffe zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen zugelassen werden.

Nicht bekannte Verbindungen

Obwohl die Grundstoffe von Kunststoffverpackungen weitestgehend bekannt und erforscht sind, gibt es darüber hinaus eine Reihe von unbeabsichtigt eingebrachten Stoffen, die so genannten NIAS (not intentionally added substances). Es kann sich dabei zum Beispiel um verunreinigte Rohstoffe oder Abbauprodukte von Zusätzen handeln, die untereinander oder mit dem Lebensmittel reagieren können. Bisher ist kaum erforscht, wie gesundheitsgefährdend diese meist unbekannten Stoffe sind.

Riskante Weiterverwendung von Kunststoffverpackungen

Moderne Lebensmittelverpackungen werden nur für spezielle Zwecke entwickelt. Leere Eispackungen sind zum Beispiel nicht zum Einfüllen heißer Lebensmittel zum Tiefkühlen geeignet und schon gar nicht zum Erwärmen in der Mikrowelle. Denn bei völlig anderen Temperaturen oder auch bei einer anderen Zusammensetzung von Lebensmitteln als vorgesehen, besteht die Gefahr, dass sich das Material verändert. Es kann nicht nur brüchig werden, sondern auch vermehrt Stoffe aus dem Kunststoff in das Lebensmittel abgeben. Kein Hersteller haftet für die Weiterverwendung seiner Verpackung im Haushalt.

Tipps für den Umgang mit Lebensmittelverpackungen

Laut den Verbraucherzentralen müssen „grundsätzlich alle in den Verkehr gebrachten Lebensmittelkontaktmaterialien sicher sein. Um zu verhindern, dass unerwünschte Stoffe aus Verpackungsmaterialien in Lebensmittel eindringen, sollten Sie beim Einkauf und bei der Nahrungszubereitung folgende Verbrauchertipps beachten:

  • Bevorzugen Sie Verpackungen aus Glas. Dort ist der Stoffübergang am geringsten.
  • Bevorzugen Sie vorhandene Alternativen, wie Joghurt oder Milch in Pfandglasflaschen. Mittlerweile gibt es auch Drehverschlüsse, deren Dichtungen ohne PVC und Weichmacher auskommen. Erkennbar sind sie an der blauen Farbe.
  • Vermeiden Sie aufwendige Verpackungen mit wenig Inhalt, wie wenige Scheiben Wurst aufgefächert in einer Kunststoffverpackung oder einzeln verpackte Süßigkeiten. Denn je größer die Kontaktfläche zwischen Lebensmittel und Verpackung, umso höher ist auch das Risiko, dass unerwünschte Stoffe auf das Lebensmittel übergehen.
  • Bereiten Sie Fertiggerichte besser in mikrowellengeeignetem Geschirr aus Glas oder Porzellan zu. Erhitzen Sie Produkte allenfalls in der Verpackung, wenn sie laut entsprechender Kennzeichnung ausdrücklich dafür geeignet ist. Dabei soll sowohl die entsprechende Wattzahl als auch die Erhitzungsdauer angegeben sein. Erhitzen nämlich erhöht das Risiko, dass unerwünschte Stoffe aus Verpackungen in das Lebensmittel übergehen.
  • Vermeiden Sie Verpackungen, die umfangreich bedruckt sind, und legen Sie keine Lebensmittel auf der Außenseite von bedruckten Verpackungen ab, zum Beispiel ein Gebäck auf der Bäckertüte. Bevorzugen Sie Produkte mit einem Innenbeutel.
  • Vermeiden Sie bei Recyclingkartons, die keine Barriere, wie beispielsweise einen Innenbeutel oder eine Beschichtung, aufweisen. Füllen Sie die Produkte im Haushalt um.
  • Verpackungen sind für den einmaligen Gebrauch gedacht. Benutzen Sie Joghurtbecher, Margarinedosen, Eisboxen oder sonstige Verpackungen nicht zum Einfrieren oder gar zum Erwärmen in der Mikrowelle. Füllen Sie auch keine heißen Speisereste ein.
  • Packungen, in denen sich Fleischsaft gesammelt hat, nicht kaufen, weil die Gefahr einer Verkeimung und des unerwünschten Stoffübergangs besteht.
  • Fleisch kann beim Einfrieren in der Verpackung vorzeitig ranzig werden. Frieren Sie es deshalb nicht direkt in der Schutzgasverpackung ein. Das Verpackungsmaterial und die Schutzgasmischung sind nicht für diesen Einsatzzweck gedacht.“

Quelle: Verbraucherzentralen

Stand: Juli 2017