Lebensmittelimitate – besser als ihr Ruf?

Das Angebot an Nahrungsmitteln wird immer größer und vielfältiger, aber oft sind sie nicht das, was sie vorzugeben scheinen. Umso wichtiger ist es, dass die Lebensmittel für den Verbraucher klar gekennzeichnet sind. Denn: Schummelkäse und Mogelschinken haben das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig enttäuscht.

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Pizza mit Rucola

Was sind Lebensmittelimitate?

Als Lebensmittelimitate werden nachgemachte Lebensmittel bezeichnet, bei denen übliche Zutaten oder Bestandteile durch andere Rohstoffe ersetzt werden und die dem ursprünglichen Lebensmittel in Aussehen und Geschmack so ähnlich wie möglich sein sollen. Grundsätzlich sind nachgemachte Lebensmittel erlaubt und durchaus akzeptabel. Entscheidend ist, dass die Verbraucher erkennen können, dass es sich um solche Lebensmittel handelt.

Wieso werden Lebensmittelimitate hergestellt?

Nachgemachte Lebensmittel sind keine Seltenheit und werden meist hergestellt, um Verbrauchern ein ähnliches aber kostengünstigeres Produkt zur Verfügung zu stellen. Bei vielen Lebensmitteln weiß man heute gar nicht mehr, dass es sich ursprünglich um ein nachgemachtes Lebensmittel handelte. Eines der ältesten Beispiele ist die Margarine. Diese wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als preisgünstige Alternative zur Butter hergestellt. Im Laufe der Zeit hat sie sich jedoch zu einem eigenen Produkt entwickelt, das heute nicht mehr wegzudenken ist. Weitere Beispiele für nachgemachte Lebensmittel sind Vanillin, Persipan oder Surimi-Garnelen.

Auf die Verpackung kommt es an

Wichtig bei nachgemachten Lebensmitteln ist, dass Verbraucher ausreichend über die Beschaffenheit des Lebensmittels informiert werden. Während dies auf einer Lebensmittelverpackung noch ganz einfach ist, stehen bei loser Ware, beispielsweise in der Fleisch- und Wursttheke oder im Restaurant, diese wichtigen Informationen oft nicht zur Verfügung. In diesem Fall sollte im Supermarkt, beim Bäcker oder im Restaurant im Zweifel einfach nachgefragt werden. Dabei gilt in jedem Fall das Verbot von Irreführung und Täuschung.

Wie kann Käse ohne Milch entstehen?

In den letzten Jahren sind Lebensmittelimitate aufgrund falscher oder unzureichender Kennzeichnung in die Kritik geraten. Ein bekanntes Beispiel ist der sogenannte Analogkäse. Unter diesem Begriff sind Erzeugnisse zu verstehen, die Käse ähnlich sehen, bei denen die Milch aber ganz oder teilweise durch Pflanzenfett ersetzt wurde. Häufig werden noch Wasser, Stärke, Verdickungsmittel, Geschmacksverstärker, Aromen und Farbstoffe zugesetzt.

Diese käseähnlichen Produkte werden oft als Zutat in Convenience-Produkten in Supermärkten, in Bäckereien oder in der Gastronomie verwendet. Trotz der gesetzlichen Pflicht zur Kenntlichmachung solcher Imitate und der regelmäßig durchgeführten Kontrollen durch die amtliche Lebensmittelüberwachung der Länder wird die Kennzeichnung vor allem in der Gastronomie nicht immer korrekt durchgeführt. Als Angabe auf der Verpackung oder auf der Speisekarte ist dann die Bezeichnung „Käse“ zu finden, statt der korrekten Bezeichnung „Lebensmittelzubereitung aus…“ oder „Backbelag aus…“.

Ersatzlebensmittel für Zöliakiepatienten

Trotz aller Kritik sind im Bereich der Lebensmittelimitate aber auch positive Entwicklungen zu erkennen. Während es vor einigen Jahren für spezielle Verbrauchergruppen noch sehr schwer war, geeignete Produkte zu finden, sind heute zahlreiche Ersatzlebensmittel problemlos in jedem Supermarkt zu finden. Das beste Beispiel stellen glutenfreie Produkte für Zöliakie-Patienten dar. Und während Vegetarier und Veganer früher oft nur auf Tofu zugreifen konnten, steht auch hier heute eine große Produktauswahl für eine fleischlose Ernährung zur Verfügung.(schl)

Stand: August 2020