Fipronil-Skandal – Gefahr durch eihaltige Lebensmittel?

Nach EHEC und Pferdefleisch-Lasagne hat Deutschland einen neuen Lebensmittelskandal: Millionen Hühnereier waren mit dem Insektizid Fipronil belastet. Mittlerweile sind diese Eier nicht mehr im Handel. Verbraucher fragen jetzt: Wie viele sind wohl in der Weiterverarbeitung gelandet? Die Experten schauen deshalb genau hin.

RS5791_Frau_Eierregal © Stephen Coburn www. Fotolia.de_.jpg

Frau kauft Eier-Schachtel

Fipronil ist ein Insektizid und wird häufig in der Tiermedizin für Hunde und Katzen eingesetzt. Es ist ein Wirkstoff zur Schädlingsbekämpfung gegen Parasiten wie Flöhe, Zecken, Läuse und Milben. Das Insektizid ist in der EU außerdem als Wirkstoff für Pflanzenschutzmittel zulässig. In Deutschland allerdings sind Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Fipronil nicht erlaubt. Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist grundsätzlich verboten.

Belastung nimmt nicht durch Backen oder Kochen ab

Mittlerweile sind nach derzeitiger Kenntnis die belasteten Ei-Chargen alle aus dem Verkehr genommen worden. Sollten Sie dennoch Bedenken haben, belastete Eier gekauft zu haben, können Sie die Stempel-Nummer auf dem Ei im Internet selbst überprüfen. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf dem Portal Lebensmittelwarnung.de

Anders verhält es sich bei den Lebensmitteln mit Ei-Anteilen. Es ist für den Verbraucher nicht nachvollziehbar, woher die Eier stammen, die zur Weiterverarbeitung für die Herstellung von z.B. Nudeln, Mayonnaise und Teigwaren genutzt werden. Ein weiteres Problem: Fipronil wird nicht durch Kochen oder Backen der Eier abgebaut; die Belastung durch das Insektizid nimmt demnach auf diese Weise nicht ab. Grund genug für den Landesbetrieb Hessisches Landeslabor, genauer hinzuschauen.

„Im Hessischen Landeslabor werden nicht nur wie bislang Eier und Hühnerfleisch, sondern seit Mitte August stichprobenartig auch solche Lebensmittel auf Rückstände von Fipronil untersucht, die Ei enthalten“, sagt der Direktor des Landeslabors, Prof. Dr. Hubertus Brunn (Gießen). „Personal und Geräte für die Rückstandsanalytik des Landeslabors sind an den Standorten Kassel und Wiesbaden örtlich konzentriert, deshalb werden die Fipronilanalysen in Kassel und bei Bedarf auch am Standort Wiesbaden des Landeslabors durchgeführt.“

Mögliche gesundheitliche Risiken durch die Aufnahme von Fipronil

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat nach Erkenntnissen aus Tierversuchen Fipronil als akut giftig eingestuft. Es schädige sowohl das Nervensystem und die Leber, als auch die Nieren und die Schilddrüse. Für den Menschen kann es allerdings erst beim Verzehr von höheren Dosen gefährlich werden: Es kann zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen kommen. Als krebserregend gilt Fipronil nach aktuellem Kenntnisstand des BfR aber nicht.

Wie viele Eier oder eihaltige Lebensmittel darf ich bedenkenlos verzehren?

Auf Basis der Erkenntnisse des BfR wurde für den Menschen ein toxikologischer Grenzwert errechnet:

ARfD („akute Referenzdosis“) bei einmaliger Aufnahme innerhalb 24h:
0,009 mg/kg Körpergewicht

Beispiel:

Bei der Annahme einer Belastung von 1,2 mg Fipronil/kg Ei kann ein Erwachsener (65kg Körpergewicht) folglich sieben Eier (70g/Ei) einmalig oder innerhalb von 24 Stunden essen, ohne dass der Richtwert von 0,009mg/kg überschritten wird. Mit einem eihaltigen Lebensmittel, z.B. einer Torte mit ca. 14% Ei-Anteil, wäre es nahezu unmöglich den Richtwert zu überschreiten. Ein Erwachsener müsste bei gleicher Fipronil-Belastung (1,2 mg Fipronil) 3,4kg Torte verzehren.

Größere Vorsicht gilt allerdings bei Kindern. Durch das geringe Körpergewichtsinkt die Tageshöchstdosis: Kinder können bei Annahme eines Körpergewichtes von 10 kg bei gleicher Fipronil-Belastung (1,2 mg Fipronil) maximal ein Ei einmalig oder innerhalb von 24 Stunden essen. Weitere Informationen zum maximal tolerablen täglichen Verzehr zeigt Tabelle 1. 

Tabelle 1: Maximal tolerabler täglicher Verzehr für Kinder und Erwachsene ausgewählter typischer Lebensmittel mit mittleren und hohen Eigehalten basierend auf einer 100 %igen Ausschöpfung der akuten Referenzdosis (ARfD) für Fipronil von 0,009 mg/kg Körpergewicht (KG)

Lebensmittelgruppe

Typischer und maximaler Ei-Anteil innerhalb der Lebensmittelgruppe

Angenommene Gehalte in Hühnerei in mg/kg

Maximal tolerabler Verzehr pro Tag in kg

Erwachsene (65kg Körpergewicht)

Maximal tolerabler Verzehr pro Tag in kg

Kinder (1 Jahr, 10kg Körpergewicht)

Eier

Spiegelei, Rührei,  Frühstücksei: 100%

1,201

0,722

0,453

0,49

0,81

1,30

0,07

0,12

0,20

Dauer- und Feinbackwaren

Typisch: 14% (Torten)

1,201

0,722

0,453

3,40

5,80

9,30

0,54

0,89

1,40

Max: 59 % (Biskuit)

1,201

0,722

0,453

0,82

1,40

2,20

0,12

0,21

0,33

Eier- und Teigwaren

Typisch: 16 % (Schupfnudeln)

1,201

0,722

0,453

3,00

5,00

8,00

0,46

0,78

1,20

Max: 29 % (Eierteigwaren)

1,201

0,722

0,453

1,60

2,80

4,40

0,25

0,43

0,68

Süßwaren, Zucker, Schokolade, Eis

Typisch: 8 % (Eis gemischt in Waffeltüte)

1,201

0,722

0,453

6,00

10,00

16,00

0,93

1,50

2,50

Max: 25 % (Schoko-Riegel gefüllt mit Milchcreme)

1,201

0,722

0,453

1,90

3,00

5,20

0,30

0,50

0,80

Quelle: BfR (modifiziert)

1 Die bislang dem BfR übermittelte höchste Konzentration von 1,2 mg Fipronil pro kg Vollei (worst-case), die in Belgien gemessen wurde
2 Die vom BfR berechnete Fipronilkonzentration von 0,72 mg pro kg für Eier, bei der es für keine der betrachteten Verbrauchergruppen, einschließlich Kinder, zu einer Überschreitung der ARfD kommt
3 Die bislang dem BfR übermittelte höchste Konzentration aus Deutschland zu Gehalten von Fipronil in Eiern von 0,45 mg pro kg Ei

Stand: August 2017